Montag, 5. Juli 2010

"Die Geisterstraße" von Amanda Sthers

"...Ich habe nie an Gott geglaubt. Nach und nach hat er sich bei mir durchgesetzt, so wie die Nacht, die auf den Tag folgt. Ist zu meinem Lebensrhythmus geworden...

...Ich bin Simon, mein Gesicht altert im Spiegel, aber ich fühle mich immer noch wie ein kleiner Junge. Ich verstehe nicht, dass meine Hülle sich derart abnutzt, und mein Herz so wenig...

... Ich hätte mir so viele Dinge gewünscht, aber die Dinge wünschten mich nicht...

...Ich fing Alfreds Blick auf, am Boden, unmittelbar vor seinem Ende. Er bewegte die Augenlider, sein Herz schlug noch, aber ich sah, dass er schon tot war.
Wenn man nicht mehr an die Menschen glaubt, wenn man an keinen mehr glaubt. Wenn man keine Worte mehr hat. Wenn man zuviel geliebt hat, aber nie umarmt, kann man die Augenlider bewegen, das Herz kann noch fest schlagen, aber man ist schon tot.
Auch ich war schon tot, als ich zu ihm lief. Die Steine regneten auf Alfreds Körper hinab, aber er bewegte sich nicht mehr. Er hatte sich zusammengerollt. Man sagt, dass man genau so wächst, kugelförmig, neun Monate bis zur Geburt...."


Sätze aus dem Buch.
Sätze, die ich anstreichen möchte. Nicht nur diese. - Das Buch ist voll davon.
Die beiden letzten Juden in Kabul. Zwei liebenswerte Käuze. Und eine grausame Geschichte. In magischen Worten, die treffen und über Grenzen gehn…
Ich habe wieder ein Lieblingsbuch entdeckt.

Amanda Sthers "Die Geisterstraße"
aus dem Französischen von Karin Ehrhardt
Sammlung Luchterhand 2006

Kommentare:

  1. Liebe Mascha,
    eine anrührende Geschichte.
    Ich wünsche Dir eine gute Woche
    Irmi

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  2. Diese paar herausgerissenen Sätze sagen eigentlich nicht viel von der Geschichte selbst. Aber vielleicht können sie neugierig machen, das Buch zu lesen?
    LG Mascha

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  3. Liebe Mascha, du Bücherwurm;-))! Ein wichtiges bewegendes Buch sicher.
    Schon diese , wie du sie nennst, "herausgerissenen" Sätze sagen so viel aus. Ehrlich gesagt- könnte ich dieses Buch wohl eher nicht lesen.Es würde mich nicht schlafen lassen...bin ich feige? Liebe Grüße von Regina

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  4. Liebe Regina!
    Ich kenne das - könnte keinen Horrorfilm ertragen und etliche Bücher auch nicht. Z.B. "Last Warrior" ( Autor vergessen, ich gab es weg), das spielt bei den Maori, aber da war der Film - Ausnahmen gibt es auch - einfach nur gut und sehenswert. Eben kein Horror sondern das Leben - - (auch ein Tip, der Film "Die letzte Kriegerin").
    Dieses Buch konnte ich trotz der schrecklichen Geschichte lesen. Einfach die Art, WIE es geschrieben ist. Diese Worte und Sätze, die soviel sagen auf eine so besondere Art. Die einen irgendwie auch selber betreffen. - Es kommt immer auf dieses WIE an und das ist der Unterschied zu irgendwelchen reiszerischen Schmökern. Vor denen mir graust... -
    Liebe Grüsze
    Mascha

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