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Samstag, 27. Juni 2026

Bin ich ein Kind geblieben?

 

 

 
Als Kind mochte ich meinen Geburtstag nicht.
Denn erstens war da immer noch Weihnachten... und zweitens kaltes graues Wetter.
Ich träumte von Gartenpartys zu Ferienbeginn und beneidete
eine Schulfreundin, die ihren Geburtstag auf der Terrasse zwischen 
Rosenbüschen und im Garten feiern konnte.
Das war immer der schönste Kindergeburtstag, den ich miterlebt habe. 
 
Heute feiere ich meinen Halbjahresgeburtstag mehr als den Echten.
Und gerade heute ist dieser Tag. 
Heut bin ich Sechsundsechzigeinhalb Jahre.
Am Morgen las ich den Newsletter von Karinas Röpcke,
die zu einer Blogparade einlädt: 
 
 Kindheitserinnerungen, die ich dieses Jahr unbedingt wiederholen möchte. 
 
 
 


Zeit, einmal nachzudenlen.
Allerdings fällt mir dabei auf, dasz ich das, was ich als Kind geliebt habe,
heute immer noch gern und selbstvedrständlich tue.  
Oder inzwischen längst wieder.
Und all das, was ich zu gern wiederholen möchte, geht einfach nicht mehr. 
 
 
 
Als Kind habe ich gern Zeitschriften zerschnippelt - die Figuren aus Mutters 
Modeheften ausgeschnitten, das konnte ich stundenlang tun. Wenn Mutter
zum Frisör ging (Dauerwelle dauerte damals Stunden)...wurde eine "Sybille" 
und eine Schere mitgenommen und dann sasz ich dort in der Ecke an 
einem kleinen Tisch und war ruhig... - und heute klebe ich Collagen.
Vorwiegend aus Zeitschriftenmaterial. 
 
 

 
Ich war gern im Wald, habe mich in einem hohlem Baum versteckt
- der Baum - die alte Eiche - hat ungefähr bis zu meinem 50. Lebensjahr
noch gestanden und wurde regelmäszig besucht, im Wald bin ich auch heute
 noch gern, auch wenn ich es laufmäszig kaum noch realisieren kann.
 
Auf Wiesen sitzen.
 - Auch das habe ich mein Leben lang beibehalten.
Bevor ich einen Garten hatte,nahm ich mir ein Buch mit auf eine Waldwiese...
  und auch heute noch sitze ich gern lieber im Gras statt auf einer Bank 
(auch wenn ich manchmal nicht mehr so schnell wieder hochkomme - )
 
Vogel-und Froschkonzerte hören.
Keine Frage, dasz ich das heute genauso noch geniesze.
 
Insekten beobachten.
 
Mich im Sommer naszregnen lassen.
 
Am Wasser sein, Füsze kühlen.
 

 
Dinge nach Farben sortieren. 
 
Bücher lesen.
Auch heute noch lese ich gern Kinderbücher, allerdings doch mit etwas
anderen Augen. Dasz z.B. das Märchen "Allerleirauh" ein Inzestmärchen
ist, habe ich damals natürlich nicht begriffen -  
 
 

 
Bilder anschauen, egal wo. 
Litfaszsäule, Schaufenster, Galerie, Museum, Zeitschrift oder Bildband 
- keine Frage, das funktioniert heute noch genauso und da kann ich mich
hinein versenken. Tue ich oft.
 
Wolken beobachten.
 
Irgendwo herumklettern, auf Baugerüsten, Türmen, Dächern...möglichst weit oben sein. 

 
 


 
Gesichter finden in Gegenständen - auch das macht mir noch immer Spasz.
 
Buchstaben in Wörtern verdrehen - aus Frackknöpfchen
wird Knackpfröpfchen... - sowas begeistert mich immer noch.
 
Schatten beobachten, Schattenspiele machen.
 
 
 
 
Irgendwo sitzen und mit den Beinen baumeln - auch das mag ich noch 
und freue mich, eine Sitzgelegenheit zu finden, die hoch genug ist. 
 

Mich verkleiden. 
- Später, in einem Job als Brockenhexe, hatte ich dazu wieder Gelegenheit..
  
Schaukeln.  
 


Sterne gucken.
 
Wunderkerzen abbrennen. 
 
Springkraut berühren und springen lassen. 
 
Diverse Dinge sammeln, Kastanien, Herbstblätter, Gräser, Samenkapseln... 
 

 
 Durch trockenes Laub rascheln, mich ganz darin einbuddeln.
 
Schneemann bauen - im letzten schneereichen Winter wieder entdeckt.
 
 

 
Mit der Schuhspitze Eis auf Pfützen zertrümmern. 
 
Katzen streicheln. Mit Katzen reden. 
 
Eisenbahn gucken (die Dampfbahn gibts heute noch) 
 
Fingerspiele.
(Gute Übung bei Handarthrose) 
 
Eine bestimmte Art Zungenschnalzen. - Kann und tue ich heut noch.
 
Spielgeräte entdecken und ausprobieren.
 

 
 
 
 
In die Badeanstalt gehen.
- Vor einigen Jahren als absolutes Vergnügen wiederentdeckt. 
 
 
 
 
*
 



 
Natürlich gibt es viele Dinge, die ich heute nicht mehr kann.
Physisch nicht oder aus anderen - teils auch finanziellen - Gründen.
 
Die Salzbergtalwiese runter Rad schlagen. Eins nach dem anderen.
 
Auf Omas Kuchentablett (ein olles Plasteding) den Wiesenhang 
runter rodeln (wir haben oft Tee und Kuchen mit zum Spaziergang genommen,
aber dieses Tablett oder ein anderes geeignetes Teil existiert nicht mehr). 
 
Auf einem Bein zum Einkaufen hüpfen 
(letztmalig mit Ende Vierzig praktiziert, als ich ein Kind von der Schule abholte 
und wir nach hause gehüpft sind - hat nochmal Spasz gemacht trotz Mühe) 
 
Flickflack. Oder auch nur ein stinknormaler Purzelbaum.
 
Gemeinsam mit Opa ein Lied singen. Er spielte Gitarre dazu
und es störte ihn überhaupt nicht, wenn ich völlig falsch sang. 
Nur mit ihm habe ich gesungen als ich noch nicht zur Schule ging - dort wurde
mir dann beigebracht, dasz ich nicht singen kann und ich kann es bis heute nicht. 
 
 
(da rief mich die Mutter zum Heimgehen, aber ich wollte noch nicht)
 
In einem Rappelbus bis zum Bergtheater rauf fahren und ein
Märchenstück ansehen.
(da fährt heut kein Rappelbus mehr rauf, das geht nicht mehr ohne Auto) 
 
Die Schaffnerin beobachten, die so eine interessante Geldtasche hatte
mit Röhren für die verschiedenen Münzen. 
 
Von der Rosztrappe aus das Bodetal runterlaufen
(mangels Lauffähigkeit leider nicht mehr möglich) 
 
Dem "singenden Brunnen" zuhören.
Den gibt es nicht mehr, das war irgendeine eingemauerte Röhre
im Salzbergtal drauszen, da konnte man in Abständen ein dumpfes
Glucksen hören. 
 
Opa in der Werkstatt beim Arbeiten zuschauen.
 
Ins Kino gehen. 
 
Am Meer sein, Muscheln sammeln und herummoddern. 
(jegl. Reisen sind finanziell nie mehr möglich) 
 
 
 
 
Auf  Vaters Schultern reiten, getragen werden statt zu laufen.
 


Mich durch die Luft werfen lassen... an Ringen turnen etc.
 
*
 
 
Mit zunehmendem Alter und körperlichen - oder auch wirtschaftlichen -
Einschränkungen verlieren Bucketlists und auch das Wort "Unbedingt" 
zunehmend an Bedeutung. Da nimmt man die Dinge gelassen, freut sich über das,
was spontan kommt bzw. doch mal unverhofft möglich wird (ein Ausflug, ein Eis?). 
Mit Etwas-Vornehmen ist es dagegen so eine Sache. 
Da geschieht eh immer mehr nur noch im Kopfkino.
Insofern fällt mir jetzt nichts ein, was ich dieses Jahr unbedingt 
 noch wieder tun möchte oder tun könnte. 
 
Oder?
 
Vielleicht ein Moosgärtchen anlegen?
Das zeigte mir Oma, es wurden Moosbatzen auf einem groszen Teller
arrangiert und regelmäszig gegossen 
 
Steine karren. 
Das fand ich in der Mappe mit Omas Zeichnungen wieder.
Habe es damals von Opa gelernt: einfach die Stirn an einer Tür herunter 
rappeln - wir haben ja immer viel Quatsch gemacht damals mit Opa.
 
 

Vielleicht hilft das gegen mancherlei Alltagsstresz und -Frust?
- Ich werds versuchen! 
 
 
 
Ansonsten schliesze ich jetzt meine Augen und lasse mit von Oma Elsbet (sie hat im Oktober 127. Geburtstag) eines ihrer selbst ausgedachten Märchen erzählen. 
 
 
Nachgedacht am 26.6., aufgeschrieben und Bilder dazu gesucht am 27.6. 
Die beiden Zeichnungen sind von Oma Elsbeth, die Collagen fertigte ich, die Fotos knipste
mein Schatz, Vater, Opa oder ich.

 
 
 
 

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