Und weil das genau mein Thema ist, bin ich gerne wieder dabei.
Eine Leseratte war ich schon immer.
Mich kannst Du ruhig Ratte nennen, liebe Andrea,
denn ich mag Ratten. Und Rattengeschichten erst recht.
Sei es nun "Ein Weihnachtsgeschenk für Walter" oder die
anrührenden Ratten-Episoden in "Dr. Doolittles Zoo".
Kinderbücher mag ich sowieso.
Meine von früher und solche, die ich früher nicht hatte, erst heute kenne.
Wie z.B. Dr. Doolittle (in der Ausgabe mit den Zeichnungen des Autors)
Oder "Der geheime Garten", wunderschön illustriert...
und noch viel mehr - ich hab ein ganzes Regal voller Kinderbücher.
Allerhhand Märchenausgaben, schön bebildert
Natürlich auch Bücher für Erwachsene.
Am liebsten in schöner, poetischer und bildhafter Sprache.
Solche, die mir Bilder malen oder einen Film machen im Kopf.
Dauerlieblingsbücher sind für mich alle Werke von Friederike Mayröcker.
Meditativ, für Stimmung und Kopfkino gut.
Auch ihre Stimme, leicht monoton, mag ich, gebannt auf CD.
Das sind übrigens die einzigen Hörbücher,
die ich wirklich mag. Mit denen ich zurechtkomme.
Ansonsten lesen mir Hörbuchsprecher alles viel zu schnell.
Mein Lese-und Sprachzelebrationsthempo ist wesentlich langsamer.
Zelebrierend eben.
Statt Seiten fressend.
Konstantin Paustowski. Der begnadete Erzähler.
Seine Ansichten, seine Begegnungen, seine Erinnerungen.
Das ist wie Reisen im Kopf.
Und Abenteuer.
Und Erinnerungen an ihn. Von anderen Literaten.
Das sind Bücher, die nehme ich immer wieder zur Hand.
Seit Jahrzehnten.
Boris Chasanow kam viel später dazu.
Da er im Westen lebte, kannte ich ihn in der DDR noch nicht.
Magische Kinobücher nenne ich das.
Viel schöner als Fernsehen, das habe und brauche ich gar nicht mehr.
Bilderbücher: Fotos, Gemälde, schöne Graphik und
besonders Farben - ich bin ein visueller Mensch!
In letzter Zeit
- mit zunehmender Sehschwäche und abnehmender Zeit -
habe ich Graphic Nouvels für mich entdeckt.
Sind noch nicht allzu viele, die ich bisher in die Hände bekam.
Aber jedes Einzelne ist ein ganz besonderer Genusz.
Eine eigene Kunstform, mit den Comics von früher
(die ich nie mochte!) nicht zu vergleichen.
Wenige Striche ersetzen ellenlangen Text.
Und alles ist drin. Und noch viel mehr im eigenen Kopf.
Ich freue mich auf weitere Endeckungen, bin gespannt!
*
Wenn Bücher keine Bilder hatten, war ich schon als Kind oft enttäuscht
und manchmal illustriere ich sie mir einfach selber.
In den Jahren zw. 2002 und 2010 entstanden die Mayröcker-Collagen.
Mehrere ihrer gedruckten Bücher vollständig abgeschrieben von Hand.
Dabei entsteht eine ganz eigener, einzigartiger Flow
und ich bekam ganz neuen Zugang zu ihrem Text.
Abschreiben, also von der Hand in die Seele, möchte ich es nennen.
Und wenn sie selbst sagt, übers Schreiben: "Es ist ein Alpenglühn"
dann fällt davon ein heller Glanz noch auf mich als Abschreibende.
Um jetzt keine falschen Schlüsse zuzulassen:
ich tue dies ausschlieszlich für mich selbst.
Um das Vergnügen des Abschreibens und Gestaltens
Paar Bücher davon hab ich verschenkt an nahestehende Menschen.
Öffentliche Ausstellung oder Verkauf stehen jedoch nicht zur Debatte.
Nur beispielhaft einige Blätter, hier.
Das mit dem Abschreiben - nur für mich - ab ich übrigens oft praktiziert im Leben.
Manchmal auch nur, um einen schwierigen Text besser zu verstehn.
Meine - Edition Flügelfeder -.
Übr 70 Bände sind in diesen Jahren entstanden:
paar tausend Blätter, lose gesammelt in Mappen
nicht eingebunden, nur nummeriert.
*
In der Zeit davor fertigte ich kleine Leporellos in Schachteln.
Pappe mit Papier, Stoffetzen und vorn einem kleinen
rotlackierten Fliesensteinchen darauf:
- Edition Roter Stein -
Das war eigentlich ein Orakelspiel.
Alle Schachteln äuszerlich gleich,
30 Stück und daraus jeden Tag eine Geschichte ziehen.
Zur Poetisierung des Alltags.
Leider ist mir die Hälfte dieser Serie abhanden gekommen.
Und auch meine gesamten Bücherschätze konnte ich nicht alle bewahren
über die Wirrens des Lebens hinweg.
Aber wenn ich etwas an der Deutschen Einheit geniesze:
die fast unbegrenzte Möglichkeit,
sich Bücher zu verschaffen, die man gern haben möchte.
Sogar für mich teilweise erschwinglich, gebraucht.
Da schätze ich ganz besonders auch das Internet.
Ansonsten bleibe ich ein altmodischer Mensch:
Bücher müssen auf Papier sein und zum Fühlen.
Mit ebook-Readern fange ich nichts an.
Und auch in Zeiten von www nutze ich nach wie vor
auch noch gedruckte Lexika und Sachbücher.