Donnerstag, 9. Juli 2026

Die Mittel zum Überleben

 

 


"Was bedeutet Wertschätzung von Lebensmitteln für Dich?"
ist das Motto der Blogparade von Anke Cras 
 
*
 
Die Mittel zum Überleben gibt es heute im Supermarkt. 
Dort kann man sie kaufen, dazu braucht man Geld. 
Also ist auch das ein Mittel zum Überleben, das primärste überhaupt -  
 
Alles ist da. In (Plaste-)Hülle und Fülle, appetitlich angerichtet,
länger haltbar gemacht, unter Schutzatmosphäre verpackt undsoweiter.
Niemand braucht sich mehr einen Fisch zu fangen, ein Wildschwein zu jagen
und zu zerlegen (das machen nicht mal die Paleo-Anhänger so) und die
 eigenen Hühner, vielleicht aus der Legebatterie gerettet...dürfen 
glücklich picken und in Würde sterben. 
Ich könnte kein Huhn töten und rupfen. Und das brauche ich auch nicht.
Das erledigen Groszbetriebe, die oft Gastarbeiter unter widrigsten 
Umständen beschäftigen und ausbeuten. 
Zur Coronazeit war Tönnies mal in die Schlagzeilen geraten.
Das vergiszt man schnell und die anderen sind auch nicht besser. 
Für die Gastarbeiter und ihre Familien in der Heimat 
geht es einzig ums Überlebensmittel Geld. 
 
 
Auf meiner ersten West-Reise - ich lebte früher in der DDR - in eine kleine
Stadt im Schwarzwald sah ich sie zum ersten mal: die Supermärkte.
Da gab es einen Aldi, Lidl, Edeka und einen riesigen "Multimarkt"
drauszen auf der grünen Wiese. Vielleicht auch noch weitere, 
die ich gar nicht entdeckt hab(?)
Ich war total schockiert und fragte mich: wer soll denn das alles essen?
So grosz ist das Städtchen doch gar nicht! 
Dieses Überflusz-System war mir sofort zutiefst suspekt.
 
Bei uns hieszen die Märkte Kaufhalle und sie waren viel kleiner.
Übersichtlicher.
Es gab auch kleine Lebensmittelgeschäfte, (private) Bäckereien,
Fleischer, Gemüseläden. 
Die Wege zum Einkauf waren nie weit, da ging man zu Fusz.
Viele hatten sowieso kein Auto. Das brauchte man auch nicht unbedingt.
Am Ende des Tages waren Back-und Frischwaren meist restlos ausverkauft.
Aber wir hatten alle genug zu essen. 
Weggeworfen wurde damals fast nichts. 
 
 

 
Meine eigene Wertschätzung für Lebensmittel ist eher im Mangel begründet.
Nein, ich meine nicht den in der DDR (der keiner war). 
Ich hatte in den Jahren nach der Vereinigung eine schwierige Zeit.
Wo ich wirklich oft Hunger hatte.
Wo ich in Containern nach Eszbarem suchte.
Damals ging das glücklicherweise noch, da wurden sie noch nicht
bewacht oder verschlossen.
Und es hat auch noch kein Markt Chemikalien darüber gekippt,
um Lebensmittel unbrauchbar zu machen. 
Heute ist das weit verbreitet. 
 
Das klingt sicher altmodisch, aber solche Erfahrung hat mich geprägt.
Und seither versuche ich, ohne Verschwendung zu wirtschaften.
Bei mir wird nichts weggeworfen, auszer es ist Schimmel darauf.
Da achte ich aber, dasz das möglichst nicht passiert. 
 
Da ich fast ausschlieszlich von Foodsharing und der "Tafel" lebe,
bin ich ziemlich kreativ in der Verwendung der zufälligen Dinge.
Gekocht wird nicht nach Plan und Rezept, sondern nach Zufallsprinzip.
Ich lasse mir eben etwas einfallen, was ich mit dem Vorhandenen 
zubereiten kann. Das funktioniert meist gut.
Manchmal musz ich meinem Schatz für Mittag auch absagen, 
wenn ich nichts zum Kochen auftreiben konnte.
Aber vielleicht hab ich dafür zwei Kuchenstücke ergattert?
Dann gibts eben gemeinsamen Nachmittagskaffee - irgendwas ist immer da.
 
 


Was auf meinen Teller kommt, da denke ich mich nicht allzu sehr rein.
Ich bin ein Genuszmensch. Und dankbar für das, was ich habe.
Es interessiert mich wenig, wenn das unkorrekt hergestellt, mit zuviel
Plaste verpackt ist oder zuviel Zucker enthält.  
Kaufen würde ich diese Produkte sicher nicht, aber 
solche Auswahl steht bei mir eben nicht an.
Natürlich achte ich auf Gemüse. Wenns irgend geht.
 
 


 
Früher, als ich noch die Wahl hatte... war ich Vegetarierin.
Heute esse ich öfter Fleisch, gedenk der buddhistischen Lehre, dasz man 
das, was einem geschenkt wird, auch essen darf.
Das Tier ist dafür gestorben, ändern kann ich das ganze System nicht.
Wenn Foodsharing das Fleisch vor dem Container gerettet hat, 
esse ich es mit Genusz und Dankbarkeit. 
Bei mir gelten eben andere Korrektheits-Regeln. 
Ich lebe auf meine Art gegen Verschwendung.
 
 

 
 
Ich würde gerne in einem Hofladen einkaufen.
Doch dazu fehlt mir das Geld und vor allem das Auto.
Zu Fusz oder per Rad  komme ich da niemals hin und der Bus (falls es 
ihn überhaupt gibt) ist viel zu teuer.
 
Und so bin ich eben auch in keiner Kooperative oder alternativen
Landwirtschaft Mitglied. Das ist immer zu weit weg, das kann ich nie erreichen.
 
Mein sind dafür die freistehenden Obstbäume oder Beerensträucher drauszen.
  Die Pilze im Wald, sofern ich sie mit Sehschwäche noch finde.
Und was man alles so ernten kann im Vorbeigehn. 
Auch das hat Wertschätzung und Dankbarkeit verdient.
 
 

 
Was mich heute sehr nachdenklich macht, ist das gesamte System.
Da wird die Milch aus Bayern nach Brandenburg gekarrt zur Verarbeitung.
Die Produkte dann in ganz Deutschland verkauft.
Tiere zum Schlachten viele Stunden in Laster eingepfercht und 
über Autobahnen transportiert. Manchmal mehrtägig unterwegs.
Ist das alles wirklich nötig?
Dieses unnütze Leid und  dieser gigantische Spritverbrauch?
Ich hoffe, es gibt in Zeiten knapper Treibstoffe endlich mal 
ein Überdenken dieser Praxis und eine wirksame Regulierung dafür. 
 
In der DDR war zwar nicht alles besser ;) ... 
aber das Prinzip der Lebensmittelversorgung schon.
Unsere kleine Stadt mit ihren umliegenden Dörfern hatte eine Molkerei,
einen Schlachthof, der die kleinen Fleischereien mit Rohmaterial
versorgte (und jeder Fleischer hatte so seine Rezepte - es schmeckte also 
durchaus nicht jede Wurst gleich)... Eine staatliche Groszbäckerei für die 
Kaufhallen und diverse kleine Privatbäcker zum Direkteinkauf. 
Es gab eine Brauerei und zwei Getränkehersteller. 
Eine Schweinemastanlage  war ca. 40km entfernt, die leerten überall
die Biotonnen und die Hühner-Lege-und Mastställe (genannt Hühner-KZ)  
waren auch nicht weit weg.
All diese Produkte gab es dann in unserer Region. Und nur hier.
Das ging alles ohne so viel Spitverbrauch. 
 
Ich erinnere mich als Kind noch gut an die Milchkannenbänke vor einzelnen Gehöften.
Da kam eine Art Tankwagen am Morgen und holte die Milch ab zur Molkerei.
 
Grundschulklassen machten regelmäszig Ausflüge, mal zu einer LPG oder 
zur Molkerei - da wurde den Kindern erklärt, wo die Lebensmittel herkommen.
Damals dachte noch kein Kind, Kühe seien lila ;) 
 
 

 
Ich kriege jedenfalls immer noch das Grausen, wenn ich über die heutige 
Lebensmittel-Marktwirtschaft nachdenke und den Überflusz in den Märkten sehe.
Es sind auch längst nicht alle, die ihr Nichtverkauftes zur Tafel geben 
oder dem Foodsharing überlassen. 
 
In meinem kleinen Rahmen gehe ich sorgsam mit Lebensmitteln um.
 
 

Friedensgebet

 

HARPA DEI - Das Gleichnis von den klugen Jungfrauen 


 

Dienstag, 7. Juli 2026

Von Verlusten und Gänseblümchen

 

 


 

"Über Liebe, Verlust und Aufbruch." lautet das Thema
der Blogparade von Gabi Kremeskötter
 
 
Ich habe Menschen verloren, wie andere auch. 
Durch Tod, Trennung oder weil sie einfach weggezogen sind.
Unerreichbar wurden. 
Das ist schmerzhaft, aber ich habe es meist gut geschafft,
die Trauer kreativ umzusetzen und mit den Verlusten fertig zu werden.
 
Nur in einem Fall gelang mir das nie.
 Das war der Verlust meines Landes. 
Das eines Tages einfach verschwand. 
 
Ganz friedlich wurde es aufgegeben, eingegliedert oder wie man es nennen mag. 
Das Wort Wiedervereinigung hat für mich keinen tröstlichen Klang. 
Die Kräfte, die das Land nur besser machen wollten, wurden ganz schnell übertönt.
Niedergetrampelt. 
 
 Damit einher ging nicht nur für mich der Verlust des
persönlichen Lebens, der eigenen Identität und der gesamten Existenz. 
 
 *
 
Ich konnte zuvor mehrere male in den "Westen" reisen, zu Verwandtenbesuch.
Konnte ein wenig Freiheitsluft schnuppern, Reisezüge erleben, die nicht 
ohrenbetäubend quietschten und Bahnhöfe mit ganz anderem Duft.
Den typischen "Ostmief " - ja den gab es wirklich und nur bei uns.
So, wie vieles andere Vertraute. Das lange verschwunden ist.
 
Ich wäre niemals freiwillig - mit Ausreiseantrag - in den Westen gegangen.
 Dazu liebte ich mein Land viel zu sehr. Hier war ich tief verwurzelt. 
Hier war mein Alltag. Mein Leben. 
 
1989/90 wurde ich Flüchtling, ungewollt und ganz und gar ohne Flucht.
Von vielen Bundesbürgern als eine von "16 Millionen Wirtschaftsflüchtlingen"
betrachtet. Noch heute begegnet mir diese Ansicht.
Und das geht ganz schön an die Substanz. 
 
Von uns aus gesehen war es ein Verlust der gesamten Existenz, nicht nur materiell.
Alltägliche Strukturen weg, die Werke geschlossen, als Konkursmasse verramscht.
Es gab immer jemanden, der daran verdient hat.
Wir selbst waren das aber meist nicht.
Für viele Menschen begann ein Abstieg.
Ein Fall, der tief werden konnte.
 
Nein, ich werde hier nicht meine Geschichte schreiben.
Das würde viel zu lang.
Die ersten zehn Jahre waren die härtesten. 
Ich hab alles versucht, hab gekämpft, alles gegeben, bin fleiszig gewesen.
Weitergebracht hat mich das nicht.
Es hat nicht mal zum Überleben gereicht - ich habe oft Hunger gehabt..
Was fehlte, waren die Connections, die Netzwerke, die Mobilität
und ganz einfach das Geld. Eine Rücklage, ein Grundkapital.
Ohne das man nichts beginnen, nichts aufbauen,
 ja nicht einmal  in eine andere Stadt ziehen kann.
Höchstens mit dem Pappkarton unter eine Brücke. 
 
Die schöne Grenzöffnung, die groszee Freiheit - was ist sie wert,
wenn man nicht einmal mehr in die nächstgröszere Stadt fahren kann? 
Der bessere Lebensstandard, der aber nicht für alle gilt -  

Aufbrüche habe ich etliche gewagt.
 Immer wieder. Voller Elan, voller Illusion.
Gescheitert am Geld, an mangelnder Mobilität oder einfach an der Kleinstadt.
 Am falschen Ort. Im falschen Kontext.
Der Richtige blieb unerreichbar. Fern. 
 
Nach dem Verlust all meiner Bilder - der Besten und Ausstellungsreifen
(ingesamt über 100, die zerstört wurden oder abhanden kamen) 
 konnte ich endgültig nicht mehr.
Das Malen habe ich damals verlernt.
Das ist nie wiedergekommen. 
 
Dazu kam ein Unfall, der mangels Krankenversicherung
nicht ärztlich versorgt werden konnte. So etwas prägt. 
Ein Erschöpfungssyndrom nach einer schweren Krankeit.
 Autismus, der mir vieles nicht leichter gemacht hat.
  
2008 wurde ich aussortiert in die EU-Rente. 
Halbes Existenzminimum zum Leben. Dauerhaft.
Inzwischen ist es zur Altesrente geworden.
 
 
An Aufbrüche denke ich nicht mehr. 
Mich treibt nun nichts mehr an. 
Hab mir mein Leben, so gut es geht, eingerichtet.
Mich auf die begrenzten Möglichkeiten beschränkt.
Da geht schon noch einiges. Eine andere Art Reichtum.
Nichtmaterieller Art.
Und Lebensfreude im ganz Kleinen. 
Ein wenig Kreativität im Alltag musz sein.
Schreiben. Visuelle Stories. 
Oder einfach durchkommen, wenn es schwierig ist 
- das braucht oft ganz viel Kreativität.
 Mit normalem Lebensstil darf ich mich nicht vergleichen.

 
Meine nähere Umgebung, so wie ich sie seinerzeit geliebt hab
und niemals verlassen wollte... gibt es so nicht mehr. 
Die Natur und die Landschaft sind weitgehend zerstört und zubetoniert.
 Mit Gewerbegebieten und Riesenmärkten übersät,
die teils schon wieder leer stehen. Abgerissen werden.
Gebaut werden nur noch Autostraszen statt menschlicher Wege.
Das Gute des Landes ist fast alles hin.
 
Käme ich heut nach Jahrzehnten der Abwesenheit hierher zurück, 
würde ich es nicht mehr wieder erkennen!
 
 
Heimat geworden ist mir dieses vereinte Land nie. 
Als wirklich vereint empfinde ich es auch nicht. 
Dazu fehlen noch 200 Jahre. Bis sich das wirklich angleicht.
Oder auch nicht. 
Ich bin in diesem Deutschland nie wirklich angekommen. 
Und in den letzten Jahren nimmt die Fremdheit - Befremdung - immer weiter zu. 
 
Ich fühle micht nicht als Deutsche und auch nicht als Europäerin.
Was ja immer nur Westeuropa meint mit all seinem Gröszenwahn.
Der mich so fassungslos macht. 
Ich kann mich mit der jetzigen Gesellschaft und Politik nicht identifizieren.
Und schon gar nicht mit all diesem Kriegsgeschrei.
 Freiwillig würde ich kein Land wählen, das der hochaggressiven NATO angehört.
Real bleibt mir nur die innere Emigration. 
 
 
Nun gibt es nur noch das ganz kleine persönliche Leben.
Tür zu und fertig. Das immer rauhere Klima drauszen lassen.
Osten war immer eine "andere Welt", eine andere Sozialisation.
Keine jahrzehntelang gewachsene demokratische Gesellschaft.
Und heute erst recht keine Spur mehr von Solidarität oder Toleranz. 
Kein Sicherheitsgefühl. Nirgends.
Fremdes, Andersartiges ist wieder ganz und gar unerwünscht. 
War es eigentlich schon immer.
Doch das wird immer härter jetzt. 
 
Das kann man nur irgendwie zu überleben versuchen.
Weghören, wegschauen und sich nicht weiter reindenken
(glücklich, wem solches gelingt!). 
Und dankbar sein für Kleinigkeiten, zu denen sonst niemand hinschaut.
 
Liebe gedeiht im Verborgenen.
So, wie die Gänseblümchen auch. 
 
 

*
 
PS: Autisten kennen keinen Subtext, sondern verwenden Worte rein sachlich
und im einfachen Wortsinn. Die Lesart neurotypischer Menschen, die automatisch
immer vieles zwischen den Zeilen lesen bzw. hineininterpretieren, ist ihnen völlig fremd.
Auch wenn das wohl wenig Zweck hat, möchte ich diesmal darauf hinweisen.
Dieser Text ist nichts weiter als die Beschreibung meines Erlebens und Beobachtens
von Ereignissen in meinen kleinen Umfeld.
Es ist weder Jammerei, noch Anklage noch Vorwurf. 
Einfach nur in Worte gefaszt, wie es für mich war und ist. 

 

Friedensgebet

 

Französisch-orthodoxer Gesang 


 

Sonntag, 5. Juli 2026

#WMDEDGT - Vom grauen faulen Sonntag

 




Dieser Sonntag ist im Vergleich zum Vorigen angenehm kühl.
Auch die Räume haben sich über die Woche wieder abgekühlt,
sind bei Nachttemperaturen im unteren Zehnerbereich wieder erträglich, 
fast zu kühl (aber die nächste Hitze kommt bestimmt, das macht mir Sorge). 
 
Ich bin 5:15 aufgestanden, hatte wieder nur 2h Schlaf.
Aber das ist normal nun, seit über dreizehn Jahren.
Steigert Lebenskraft und Konzentrationsfähigkeit nicht unbedingt.
 
Katzenfleisch aufgetaut und geschnitten, dem Katz full Service
angedeihen lassen. Wie jeden Morgen.
Nur das Nachbars-Katzentier kommt morgens nicht mehr, es hat Krebs.
Ich sehe es nur noch selten und es sieht schlimm aus. 
 
An den PC gesetzt und einiges erledigt, was gestern technisch nicht ging.
Heute morgen gehts besser. 
Nachrichten gelesen und nach einer schönen Blogparade ausgeschaut.
Ich liebe Blogparaden und hier gibt es gerade über Fünfzig für den Juli
(also greift zu, schreibt mit - Werbung ist das jetzt aber nicht!). 
 
 
Der Himmel trägt mal wieder Grau, das musz wohl grade Mode sein.
Gefrühstückt und mit Schatz telefoniert.
Inzwischen beginnt es zu regnen.
Einen Pott voll Apfelmus gekocht, die Äpfel haben ihr Best Age überschritten, 
sind aber gut für leckeres Mus.
 
Gegen 10:30 klart es etwas auf. Ich nehme mein Schwimmzeug
und begebe mich ins Freibad.
Dort ist es angenehm ruhig, nur eine Mutter mit zwei Kleinkindern 
am Planschbecken. Sonst niemand.
Ich hab den groszen Teich ganz für mich allein und ziehe 
gemütlich meine vierzig Bahnen.
Teils läszt sich sogar mal die Sonne kurz blicken. Es ist echt schön!
Beim Schwimmen fällt mir schlieszlich ein, dasz heut der Fünfte ist...  
 
Nach 25 Bahnen kommt die nächste Schwimmerin hinzu: eine von der
schwimmbebrillten Rücksichtslos-Fraktion, die einem gnadenlos
die Flossen um die Ohren haut. Und sie kommt auch sofort in meine Bahn.
Also mal ehrlich, ich frage mich, was das eigentlich soll: 
das Becken hat sechs Bahnen und fünf davon sind frei.
Aber das macht sie jedes mal so, ich kenne sie schon aus früheren Jahren.
Zwei solcher Damen gibt es da - und die sterben wohl nie aus!
Ich schwimme also woanders weiter - bleibt mir ja nichts andres übrig - 
und als ich fertig bin mit den 1000 Metern, pieselt es grad wieder. 
Nichts mit Ruhepause auf den Sonnenbank. 
 
Ich begebe mich wieder heim und bereite eine leckere Gemüsepfanne aus 
dem Kleinkram vom Foodsharing und dem Rest Kokosmilch, den ich grad noch hab.
 
 
   
 
Dann ein bissel lesen, Wäsche aufhängen (unters Dach), 
ein Buchpaket fertig einpacken 
 und nachmittags gibts leckeren Kuchen. Foodsharing-Beute.
Freut mich immer, wenn mir das gelingt! 
 
 

 
Verbringe den Rest des Tages mit Schatz.
 Das Krebs-Kätzchen kommt kurz vorbei und holt sich ein Schälchen Sahne ab. 
Schatz sieht ihn zum ersten mal wieder...ziemlich schockiert. 
 
 
Und nun den Post schnell zu Frau Brüllen geschickt. 
Mehr wirds heute nicht.
 
 
Gehabt Euch wohl bis nächstes mal und danke fürs Vorbeischauen :) 
 
 

Sonntagsmatinee

 

Thistle - Over the garden wall 


 

Samstag, 4. Juli 2026

Habe ich ein Bild vor mir?

 

 


"Vorbilder" ist der Impuls der 70. Blognacht bei Anna Koschinski.

Vorbild.
Nachbild. Abbild. Selbstbild.
Habe ich ein Bild vor mir?
Sehe ich dann 
noch meinen eigenen Weg?
 
Du sollst dir kein Bildnis machen.
 
 
Nach einem Vorbild befragt, damals als Kind, muszte ich passen.
Musz ich auch heute noch. Ganz genau so.
 
Vorbilder, die die Schule mir anbot - Angela Davis,
Rosa Luxemburg, Lenin... waren viel zu fern.
Menschen in meinem Umfeld sah ich nicht als Vorbilder an. 
Idole wie John Lennon oder Jimi Hendrix...hatte ich als Teenie nicht.
 
Ich merkte frühzeitig, dasz andere Menschen anders sind als ich.
Man nennt es Autismus - das wuszte ich damals noch nicht.
All meine Versuche, andere nachzuahmen, waren vergebens.
Ich schaffte es nicht.
Ich war ich. 
Anders. 
 
Anderen nachzueifern ergab für mich sowieso keinen Sinn.
Müszig, mich mit anderen zu vergleichen, mich an ihnen zu orientieren.
Und jegliches Wettbewerbsdenken ist mir gänzlich fremd. 
Auch heute noch. 
 
Ich denke, ich bin ganz gut ohne Vorbilder durchgekommen. 
Der eigen Weg hatte Wegmarken, Kreuzungen, Umwege.
Labyrinthe. Mäander. Steine. Gestrüpp.
Daran konnte ich wachsen. Leben lernen. 
 
Von Auszen kamen Belehrung, Rat oder Anweisung, die zu befolgen war. 
So läuft das nun mal, wenn man klein ist. 
Und auch später noch.
Meine Eltern waren teils das Gegenteil von Vorbild.
Meinem Vorsatz, später vieles anders zu machen, bin ich treu geblieben.
Für mich war das genau richtig so. 
 
Nur einmal, so Anfang zwanzig, gab es ein Vorbild für mich im Schreiben.
Eva Strittmatter. 
Ich habe sie eher geistige Mutter genannt.
Ihre Gedichte waren beliebt, die Bücher deshalb nicht zu kriegen.
Ich schrieb die Gedichte ab in der Bibliothek. Mit der Hand. 
Der Inhalt war genau meines, die Liebe zur Natur.
Ihre Betrachtung. 
Des Groszen wie des Kleinen.
Mensch sein und Mitmensch. Liebe. Trost. 
Der Schreibstil kurz und prägnant.
Poetisch. Verdichtet.
Ein Wort und Punkt.
Solche Sätze mag ich bis heute.
Dabei bin ich geblieben.
 
*
 
Es gibt allerhand Menschen - ferne und nahe - 
die mir etwas bedeuten. Von denen ich gelernt habe.
Vor denen ich Hochachtung empfinde.
Als Vorbilder bezeichnen würde ich sie dennoch nicht.
 
Übrigens fand ich es auch immer höchst unangenehm,
wenn sich andere mich zum Vorbild nahmen. 
 
  

Friedensgebet

 

 

Freitag, 3. Juli 2026

Kein FreitagsFüller

 

Die gute Barbara macht offenbar noch immer hitzefrei.
Es sei ihr gegönnt und sie wird dazu ein entsprechend 
komfortables Ambiente zur Verfügung haben.
 
Wie es aussehen kann, wenn ein solches fehlt... zeigt das Foto hier 
 (so einfach in den Blog übernehmen kann ich das natürlich nicht)
 
 

Friedensgebet

 

Rumi: "In unserem Herzen wohnst Du allein, o Geliebter; 
alles andere ist nur gewöhnliche Erde und steinharter Stein. "
 

 

Donnerstag, 2. Juli 2026

Tagesbild

 

 


 

 

 

Friedensgebet

 

Psalm 39 - Natalja Maramzina und Sergej Maramzin (Republik Adygeja)


 

„Du hast in meinen Entwurf geschaut…"  Wir präsentieren euch eine musikalische Interpretation von Psalm 139. Dieses Lied ist die Offenbarung des Autors über die Allgegenwart des Schöpfers, über seinen Blick, der die „Rinde“ der Worte durchdringt und bis in die Tiefen des menschlichen Herzens vordringt. Wir sind nur Skizzen in seinen Händen, und jeder Schritt, den wir gehen, jede „Lücke“ in unserem Schicksal wird von seiner Gnade gefüllt.

Text: Sergey Maramzin
🎶 Musik: Natalia Maramzina
 

Text:
Gereinigtes Wort – eine Lichtung in der Stille…
Ich falle in der Hitze zu deinen unsichtbaren Füßen.

Du hast in meinen Entwurf und darüber hinaus geschaut –
zu den Ursprüngen der Worte, erstarrt unter der Rinde.

Sprache, ein Gebilde zufälliger Stummheit,
prüft Gedanken in einer verstümmelten Silbe.

Du hast mich gelesen und kennst ein stilles Geheimnis.
Du hörst den Monolog der Illusionen des Herzens.

Du bist grenzenlos – das Gerüst der Welten,
bernsteinfarbener Honig, der in die Handfläche fließt.

Warum fliehen und deinen Blick listig verbergen?

Das Kupfer der Blätter ist das Feuer der Gnade.

Ich werde bis zum Horizont aufleuchten, im Schein der untergehenden Sonne.

Ich werde mich in die Tiefe verbergen, in Feuchtigkeit und Asche.

Rebellisch korrigiere ich meinen Entwurf,
Herr, ich klammere mich in Stille an Dich.

Wie ein Buch blätterst Du durch mich.

Auf den Seiten der Tage, zusammengepresst von Leinen.

Du füllst alle Lücken zwischen den Zeilen,
zeichnest ein Muster in das fleischliche Herz.

Ich bin Deine Skizze, Du bist mein Schöpfer. Den Ruß abwaschend, leuchte ich im Regen.

Führe mich auf dem himmlischen Pfad,
ich vertraue Dir mein Leben und meine Gedanken an.

Sieh – stehe ich am Abgrund,
wo der Weg gefährlich und flüchtig ist?

Führe mich in die Osterdämmerung,
dort ist die Welt in Dir Mensch geworden.

Der Klang eines Psalms! Ich atme Ozon!

Das Siegel Deiner Hand ruht auf mir!

Mit dem Rauschen der Kiefern, dem Klang des Regens,
wirst Du meine Seele nicht verstummen lassen!  

 

(die Übersetzung ist nicht von mir - ich fand das so in Deutsch unter dem YT-Video.
Wie ich aus anderer Quelle weisz, gibt es dort sogar eine deutschsprachige Gemeinde) 

 

 

Mittwoch, 1. Juli 2026

Wordless - без слов -

 

 

 

Shared with Wordless Wednesday, WW@Catsynth 

Das Mittwochslied

 

Ein echt niedliches Video: alte Zigeuneromanze (im Russischen sagt man noch so!)
auch im Text sehr verändert - ich habe es bei youtube auf Untertitel-Übersetzung
eingestellt und hoffe, das klappt jetzt auch im Blog -  


 (nein, das klappt leider nicht mit der Übersetzung - dazu kann man nur das Lied bei youtube aufrufen 
und dann beim Zahrad-Symbol Untertitel "automatish übersetzen" anklicken und Deutsch auswählen)

 

 

Friedensgebet

 

Kiever Stadtteil Theophania: Kloster St. Panteleimon
25.6.26  Zur Feier des Namentstages Seiner Seligkeit Onufrij,
Metropolit der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche.

Den Platz vor dem Eingang schmückt ein Blütenteppich.


 

Anfangs links im Bild: Onufrij

(Er hat einen interessanten spirituellen Werdegang - ich las seine Erinnerungen - und jetzt ganz gewisz kein leichtes Leben, so wie die UOC von Prüfungen heimgesucht wird... so, wie der Krieg eine Kirche nach der anderen zerstört - den Rest erledigen dann Ukrainische Behörden mit der Enteignung von Kirchen und Inhaftierung von Geistlichen, sowie der Aberkennung der Staatsbürgerschaft Onufrijs, der nun staatenlos ist...)

 

Übersetzte Zusammenfassung:

Am 25. Juni 2026 hielt Metropolit Sergius von Ternopil und Kremenets anlässlich des Gedenktages des himmlischen Schutzpatrons des Primas der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, Seiner Seligkeit Metropolit Onufry von Kiew und der ganzen Ukraine, eine Glückwunschrede im Namen des Heiligen Synods, des Episkopats, des Klerus, der Mönchsgemeinschaften und aller gläubigen Kinder der Ukrainischen Orthodoxen Kirche.

In seiner Ansprache gratulierte Bischof Sergius Seiner Seligkeit herzlich zu seinem Namenstag und dem Gedenktag seines himmlischen Schutzpatrons, des Ehrwürdigen Onufry des Großen, und würdigte dabei den langjährigen, selbstlosen Dienst des Primas zum Wohle der Heiligen Kirche.

Wie Metropolit Sergius hervorhob, dient Seine Seligkeit Metropolit Onufry Christus, dem Erlöser, seit seiner Jugend mit Eifer und Verantwortungsbewusstsein; unermüdlich unterweist er die Gläubigen darin, nach der Wahrheit Gottes zu leben, dem orthodoxen Glauben treu zu bleiben und die Einheit des kirchlichen Lebens zu wahren.

„Die Jahre Ihres Primats waren geprägt von unermüdlicher Sorge und Fürsorge für alle Aspekte des geistlichen Lebens, auf dass die kanonische Ordnung und die kirchliche Einheit in der Kirche Christi bewahrt bleiben“, merkte Metropolit Sergius an.

Die Ansprache betonte zudem die besondere Rolle Seiner Seligkeit bei der Wahrung der Treue zu den kirchlichen Kanones sowie bei der Förderung des geistlichen Lebens, der Jugend-, Missions-, Sozial- und Mönchsarbeit; hervorgehoben wurde auch sein beständiger Aufruf zu Glaube, Hoffnung, Versöhnung, Buße und Erlösung.

„Ihre maßgebliche Stimme hat stets zu Glaube, Hoffnung, Versöhnung und Eintracht, zu Buße und Erlösung aufgerufen – und tut dies auch heute“, sagte der Oberhirte.
Abschließend wünschte Metropolit Sergius Seiner Seligkeit Metropolit Onufry Gesundheit, Gottes gnädigen Beistand und die reiche Barmherzigkeit des Herrn für seinen mühevollen Dienst als Primas zum Wohle der Ukrainischen Orthodoxen Kirche und des ukrainischen Volkes.
 

 

 

Dienstag, 30. Juni 2026

Lyrikzeit

 

Aus aktuellem Anlasz  ein Gedichtchen, 
das irgendwann in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts
vermutlich im "Eulenspiegel" zuerst veröffentlicht wurde.
Und das ich seither im Kopf hab - ich fand es auch im Web. 
 

Ein stolzes Volk ist seines Ruhms beraubt,
Genauer: Das ganze Volk verbirgt sein Haupt in tiefer Trauer.
Nie, nie ward es von solchem Schicksalsschlag getroffen.
Es weint. Es klagt. Und niemand mag mehr hoffen.
Nichts hilft, dass es einst der Großen viel geboren.
Es hat im letzten Fußball-Länderspiel verloren!

 - Rudi Strahl -  

 

  

Friedensgebet

 

Orthodoxer Alltag live: Liturgie am 21.6. in Kiev
in der einzigen zum Komplex des Höhlenklosters gehörenden Kirche,
die die Ukrainisch Orthodoxe Kirche noch nutzen darf  - ihr Eingang
liegt auszerhalb des umzäunten Geländes 

 


 Dort findet seit Beginn des Krieges jeden Abend ein Gebet statt.
Früher zogen die Gläubigen durchs Gelände des Klosters - das ist jetzt 
verboten (ich hatte früher oft Videos von diesen Outdoor-Treffen).
Hier ein Video vom 14.3. diesen Jahres.

 


 

Montag, 29. Juni 2026

Ein Stück Himmel - кусочек неба -

 

 

 

Einige Himmelsbilder vom Juli letzten Jahres.
Durch meinen damaligen PC-Umzug blieben sie unveröffentlicht.
Das hole ich jetzt endlich nach.
In letzter Zeit gab es keine fotogenen Himmel - nur immer wolkenlos und sonnig... 
 
 

15.7.  4:33
 
 

17.7.  4:54
 
 

18.7.  19:12
 
 
 

 20.7.  4:37
 
 

 23.7.  5:19
 
 

24.7.  5:46
 
 

 22.7.  5:21
 
 
 
 

 

Friedensgebet

 

"Maria Du bist schön" alte korsische Motette 


 

Sonntag, 28. Juni 2026

Sonntagsmatinee

 

Tzuf Family Band - Ani Ldodi vDodi Li
 I am to my beloved and my beloved is to me 
(Song of Songs)


 

 „Ani L'Dodi, Vdodi Li'. 'Ich gehöre meinem Geliebten, und mein Geliebter gehört mir' ' אני לדודי ודודי לי' (Hohelied 6,3). Altes armenisches Volkslied mit zusätzlichen Worten aus dem biblischen Hohelied.
Die wunderschönen Worte dieses Liedes sind tief im Namen des hebräischen Monats Elul (אלול), dem letzten Monat des jüdischen Kalenders, verwurzelt.
Die Anfangsbuchstaben von Elul (אלול) bilden das Akronym des Verses „Ani L'Dodi Vdodi Li“. Sie verweisen auf die tiefe Liebe, die in diesem Monat, dem Monat der Teschuwa (Umkehr zu Gott), durch Liebe wurzelt.

Ich gehöre meinem Geliebten, und mein Geliebter gehört mir.

Die tiefe Geschichte der Liebe hinter dieser Welt.

Die Liebe, mit der Gott die Welt erschuf. Welt. 
Die Liebe, die in jeder Sekunde jedes Augenblicks atmet. 
Die Liebe, die weh tut, wenn wir verletzt sind, die unseren Schmerz erträgt und unsere Zerbrochenheit spürt. 
Die Liebe, die zwischen Freunden, zwischen Partnern, zwischen allen Lebewesen geteilt wird.
„א-ל-ו-ל.“ „א-ני ל-דודי ו-דוי ל-י, הרועה בשושנים“.
Shanah Tovah 
Gefilmt und aufgenommen bei einem Live-Konzert im Kadita’s טבעוניה- בית לאוכל בקדיתא.
Dreharbeiten und Schnitt: Riki Librov