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Dienstag, 21. Juli 2026

Also mal ehrlich...

 

 


...das ist nicht wirklich mein Ding!

 

"Blackout Poetry" ist das Motto der Blogparade von Lily Magdalen. 

Als ich es sah, wollte ich es unbedingt probieren.
Naja, das hab ich ja nun gemacht.
 
Ist aber alles nix geworden, weil mir wohl das geeignete Material dazu fehlt.
Ich habs mit Pinsel und Tuschkasten versucht: deckt nicht wirklich, 
macht nur das Papier wellig.
Acrylfarbe: genau dasselbe. Welliges Papier.
Auch hätte ich das Blatt lieber weisz gestrichen, um darauf noch zu zeichnen.
Aber die weisze Farbe deckte dann schon gar nicht.
Schwarzer Buntstift wird nicht gut und Faserstift ist viel zu sudelig.
Faserstifte mochte ich noch nie, auszer zum Beschriften von Postsendungen...
 
Hab ich dann den schwarzen Acrylstift genommen, denn ich eigentlich 
für einen anderen Zweck brauche. 
Und einzeln nachkaufen kann ich den hier vor Ort nicht.
Immer nur in einem Set mit vielen Farben. Wird zu teuer.
 
Bis so ein Blatt voll ist, geht auch der Stift drauf. 
Ergo deshalb kein zweites Blatt mehr versucht.
Dabei hatte ich in etlichen Buchseiten Wörter markiert.
 
Das war aber auch ein Entschlusz: ein Blatt aus den Buch zu reiszen und 
schwarz zu  malen - das ist wie Vergewaltigung.
Auch wenn kein Mensch mehr dieses Buch je lesen wird.
Viele kennen die Schrift gar nicht mehr.
 
Nein, ich glaub, sowas mache ich nicht noch einmal.
Da bleib ich lieber bei dem, wofür das Material immer so anfällt. 
Collagen sind auch eine reizvolle Zufallsarbeit.
 
Es war ein Versuch.
Mehr nicht.
 
 

 

Montag, 13. Juli 2026

Hat das einen Namen? Und was ändert sich dann?

 

 


 
 "Hochbegabt, vielbegabt, hochsensibel, ADHS oder Autismus-Spektrum? 
Der Schlüssel, der endlich die richtige Tür öffnete"
...ist das Thema der Blogparade von Dr. Hanna Steffen.  
 
*
 
Ich war ein seltsames Kind.
Spielte am liebsten allein. Andere Kinder waren mir zu laut.
Ihre Spiele zu unverständlich.
Ich mochte weder Blickkontakt, noch jemandem die Hand geben.
Strichen mir irgendwelche Erwachsenen übers Haar, lief ich weg. 
Soziale Situationen verstand ich nicht, in Gruppen war ich verloren.
Solange man klein ist, geht das ja noch durch.
 "Das gibt sich! Sie ist ja noch so klein"
 
Doch das gab sich nicht. Ich habe ganz vieles einfach nicht verstanden.
Ich lernte durch Erziehung. Das war sowas wie Dressur.
Du muszt dasunddas tun! - Warum? - Das gehört sich einfach so!
Also tat ich. Kam irgendwie durch. Ohne Sinn darin zu sehen.
Nur das mit dem Grüszen klappte nie. Wie sollte ich wissen, wen ich
da grüszen soll, wenn die Leute immerzu andere Kleidung anhaben?
Gesichter erkannte ich nicht.
 
Das Nachmachen, das Orientieren an anderen...war für mich keine gute Idee.
Tat ich genau das, was andere machten...war es bei mir meist verkehrt.
Das habe ich als Kind schon begriffen. 
 
 Gruppensituationen verstand ich nie.
Das führte unweigerlich zu Mobbing, wie man es heute nennt.
Die Schulzeit war ein Alptraum. Eigentlich lernte ich gern ,
doch ich kam meist nicht dazu vor Weglaufen und Mich-verstecken-Müssen.
Von kleinen Blessuren bis zu ernsthafter Körperverletzung war alles dabei.
Ich verliesz die Schule restlos traumatisiert.
Habe bis heute Alpträume. 
 
Ich schlug mich durchs Leben, mal besser mal schlechter. 
Löste meine Probleme allein, eben auf meine Art.
Andere Menschen waren für mich wie hinter einer Glaswand.
Da bittet man nicht um Hilfe. Da spricht man niemanden an.
Ich suchte mir Arbeit aus, wo ich möglichst allein arbeiten konnte
Ging Putzen. Oder als Briefträgerin.
Machte mich selbstständig, um dem ewigen Mobbing zu entgehn. 
 
Meine lesbische Neigung konnte ich nicht ausleben.
Weibliche Kommunikation blieb mir immer ein Rätsel.
All das Ungesagte. Wünsche von den Augen ablesen - wie sollte das gehn?
Und dieser ganze komplizierte Gefühls-und Befindlichkeitskram,
den verstand ich ja schon in Romanen nicht. 
Mit Männern - Freunden oder Kollegen - war es unkomplizierter für mich.
 
Unter Aufbietung aller Energiereserven kam ich irgendwie durch.
Paszte mich an. So gut ich konnte. Und blieb doch immer seltsam. Fremd.
Bis zum 30. Lebensjahr funktionierte das recht gut.
Danach nahmen die Kräfte ab und es begannen die Probleme.
Dazu kam: unser Land war plötzlich weg.
 Wo es eine klare Struktur gab, das Leben geregelt war und relativ reizarm. 
Wo jeder seine Nische finden konnte.
Wo man Arbeitsplätze ein Leben lang sicher hatte. 
 
Plötzlich war alles zu schnell, zu grell, zu laut und scheinbar nur noch Chaos. 
 
Ich ging ziemlich tief unter. Kam nie mehr wirklich nach oben.
Besonders wirtschaftlich nicht.
Dabei hab ich so vieles versucht!
Und vielbegabt bin ich eigentlich auch. Es hat mir nur nichts genützt. 
In einer Welt, wo soziale Fähigkeiten plötzlich wichtiger waren als Fachkompetenz.
Ohne Netzwerke und Beziehungen ging nix mehr.
Das schöne bunte und grenzenlose neue Leben zog an mir vorbei.
Ich landete ganz unten. 
 
Ich fragte mich oft, wieso andere es schafften. Die doch auch nicht
klüger oder besser ausgebildet waren als ich - 
Ich kam nicht darauf. Und es gab niemanden, den ich fragen konnte.
 
Irgendwann las ich etwas von Hochsensibilität.
Da paszte sehr vieles: die Erschöpfung, Reizüberflutung, das Rückzugsbedürfnis.
An einem Punkt blieb ich aber hängen - die Stimmung der anderen Menschen 
erfassen - wie soll denn das gehen? Wenn es einem nicht gesagt wird?
Nein, das war es also auch nicht. 
 
 
Mit 48 bekam ich die Diagnose Asperger-Autismus.
Und erst in diesem Zusammenhang erfuhr ich, dasz es eine nonverbale
Kommunikation überhaupt gibt - 
 
Erkennen bzw. deuten kann ich sie trotzdem nicht.
Ansonsten hat das schon vieles für mich erhellt. Ich konnte endlich aufhören, 
mir Vorwürfe zu machen. Dasz ich nicht schaffte, was andere schafften. 
Es war Erleichterung zu erfahren, dasz ich eben wirklich anders bin.
Was ich ja nie sein wollte. 
Nun liesz sich im Nachhinein vieles begreifen.
Etwas davon ungeschehen machen ging natürlich nicht.
Das Leben war so ziemlich gelaufen.
Und es war nun mal der falsche Film. C'est la vie! 
Zurück blieben Armut und ein Erschöpfungssyndrom. 
Ich wurde bald darauf aussortiert und berentet.
Mit der Hälfte des Existenzminimums. 
(das geht aber anderen ganz ähnlich, ca. 70% der Autisten schaffen es nicht, dauerhaft im
Berufsleben Fusz zu fassen, selbst mit Studium nicht) 
 
*
 
Ja die Tür zum eigenen Verstehen wurde geöffnet. 
Anders wird das eigene Leben dadurch aber kaum.
Mein Umfeld akzeptierte die Diagnose nicht und, z.B. bei Ärzten, 
habe ich es mir längst wieder abgewöhnt, dies zu erwähnen.
Da erntet man von Kopfschütteln bis Aversion/Aggression so ziemlich alles.
Nur eines nicht: Verständnis für die Andersartigkeit oder gar Hilfe.
Von einer Traumatherapie bin ich als Autistin ausgeschlossen. 
In einem Krankenhaus wurde ich absichtlich in das Vierbettzimmer gesteckt.
Also lieber nichts davon sagen!
 
Im  persönlichen Umfeld das gleiche.
Mutter meinte nur: Eine tolle Ausrede für Bequemlichkeit! 
Und es wurde mir weiterhin all das abverlangt, was ich nicht konnte.
Wofür ich selbst gern endlich einmal Hilfe gehabt hätte. 
Telefonieren, mit Ärzten reden, mich in riesigen Gebäuden zurechtfinden,
lange Zeit durch laute Autostraszen gehen als Begleitung...
 
Nein, das bisherige äuszerliche Leben ändert sich dadurch nicht wirklich.
Ganz ohne Anpassung geht es nicht. Auch jetzt nicht.
Die Auszenwelt ist die Mehrheit sozusagen. 
Da bleibt höchstens der Rückzug von allem.
Und ich bin längst die "komische Alte"  mit meinen Sechundsechzigeinhalb.
 
In jungen Jahren kann man doch vieles besser wegstecken. 
Ticks und Auffälligkeiten verbergen.
Schiefgelaufene Situationen und Miszverständnisse überspielen. 
Später gelingt das nicht mehr so gut.
Da wird man wieder auffälliger, wie in der Kindheit.
Die Zeit zwischen 20 und 30 bleibt die Beste:
bis dahin hat man gelernt, möglichst unauffällig zu funktionieren
und man hat meist auch die Kraft dazu, das so durchzuziehn. 
 


*
 

So, das war meine Geschichte in Kurzform. 
 
Was mir noch sehr wichtig ist zu sagen: 
ich bin nicht glücklich damit, dasz es in den letzten Jahren immer mehr
zur Praxis geworden ist, ADHS und Autismus in einem Atemzug zu nennen.
Weil es einfach völlig unterschiedliche Dinge sind.
 
Natürlich können auch Autisten ADHS-Anteile haben und umgekehrt 
(man kann auch ein Gipsbein und noch die Masern dazu haben)... aber aus 
meiner Erfahrung sind es in den Hauptzügen
zwei sehr unterschiedliche Neurodivergenzen.
 
Autisten haben oft eingeschränkte Interessen, die sie aber gründlich
und lange Zeit (ein Leben lang) verfolgen - während sich ADHSler
für vieles begeistern und das auch schnell wieder fallen lassen.
 
Autisten fokussieren sich ganz und gar auf etwas, ADHSler werden leicht abgelenkt. 
 
Autisten brauchen klare Regeln und sie halten sich daran, sind meistens
pünktlich - was ich von mir bekannten ADHSlern so nie erlebt hab.
 
ADHSler können sehr spontan sein, Autisten schaffen das selten oder nie. 
 
Und: ADHSler haben durchaus gute soziale Fähigkeiten und können sie
erfolgreich einsetzen - was Autisten so nie gelingt!
 
Ich verstehe nicht ganz, warum viele Menschen nach einer ADHS-Diagnose 
dann auch gleich noch Asperger-Autismus für sich beanspruchen.
Das scheint grad irgendwie Mode zu sein -  
 
Und es führt zu falscher Wahrnehmung von Autismus. Der dann schnell wieder 
heruntergespielt wird, so dasz von Autisten Dinge verlangt werden, die 
sie nicht leisten können bzw. die nötigen Hilfen werden versagt.
Damit ist Asperger-Autisten dann ein Bärendienst erwiesen!
 
Und ich möchte  noch einmal betonen: ein Asperger-Syndrom wünsche ich 
niemandem! Weil es einfach die Arschkarte ist!
 
 

 
 * 
 
Beenden möchte ich meinen Post mit einem Text, den ich einmal
für jemanden schrieb. Er ist schon älter. Gilt aber immer. Genau so.
 
*

Wenn du andere Menschen wie hinter einer Glaswand wahrnimmst,
die du nicht durchdringen kannst
- dann ist das Autismus.
Wenn du Mimik nicht sehen/nicht deuten kannst und selbst kaum
welche hast und kein soziales Lächeln
- dann ist das Autismus.
Wenn Du Menschen nicht ansprechen kannst,
nicht um Hilfe bitten, nicht nach dem Weg fragen
- dann ist das Autismus.
Wenn deine Empathie niemals intuitiv ist, sondern rein rational über
den Abruf selbst ähnlich erlebter Situationen zustande kommt
- dann ist das Autismus.
Wenn du für andere seltsam erscheinende Interessen verfolgst
und dich ganz und gar auf diese fokussieren kannst
- dann ist das Autismus.
Wenn dich Spontanität restlos überfordert und du deine eigenen Abläufe,
Ordnungen und Rituale brauchst um zu funktionieren
- dann ist das Autismus.
Wenn Reisen, Hotels, Krankenhäuser oder sonstige fremde
 Umgebungen und Situationen, 
für die du (noch) kein Handlungsmuster hast, kaum zu meistern sind
- dann ist das Autismus.
Wenn dir ein klingelndes Telefon oder unerwarteter Besuch vor der Haustür
wie ein schwerer Raubüberfall vorkommt
- dann ist das Autismus.
Wenn du dich nicht fotografieren lassen magst,
nicht ständig Selfies oder Reels von dir postest
- dann ist das Autismus.
Wenn du keinen Smalltalk beherrschst und meinst, du solltest auf die Frage
"Wie gehts?" eine ausfühliche Antwort geben
- dann ist das Autismus.
Wenn du mehreren durcheinander sprechenden Personen
an einem Tisch nicht folgen kannst
- dann ist das Autismus.
Wenn du Gemeinschaftsgefühl oder Zugehörigkeit nicht kennst und nicht einsiehst, 
warum du Gruppenmeinungen unreflektiert zu deiner eigenen machen solltest
- dann ist das Autismus.
Wenn du dir keine sozialen Kontakte und Netzwerke schaffen kannst,
weil du ganz einfach die Mechanismen dahinter nicht verstehst
- dann ist das Autismus.
Wenn du Treffen mit zwanzig, dreiszig, fünfzig Frauen nicht organisieren kannst,
denn keine würde deiner Einladung folgen...
- dann ist das Autismus.
Wenn du dich in gröszeren Gruppen sehr unwohl fühlst und du nach
kürzester Zeit deinen Rückzug brauchst
- dann ist das Autismus.
Wenn du unter permanenter Reizüberflutung leidest, also helles Licht, Verkehrlärm,
Dudelmusik und den Grundlärm in gröszeren Speisesälen nicht ertragen kannst
- dann ist das Autismus.
Wenn du soziale Normen und Regeln niemals begreifen lernst
so sehr du auch zur Anpassung erzogen worden bist
- dann ist das Autismus.
Wenn du nicht einmal weiszt, dasz es nonverbale Kommunikation
überhaupt gibt
- dann ist das Autismus.
Wenn dir viele Verhaltens-, Denk- und Urteilsweisen anderer Menschen
seltsam und unlogisch erscheinen
- dann ist das Autismus.
Wenn du keinen Subtext (er)kennst und deine Worte
nur im einfachen Wortsinn gemeint sind
- dann ist das Autismus.
Wenn Du anderen nicht in die Augen schauen magst,
weil dich das zutiefst irritiert und vom Wesentlichen ablenkt
- dann ist das Autismus.
Wenn du trotz fachlicher Kompetenz kaum je einen Job bekommst,
weil du das soziale Darumherum nicht bringst,
- dann ist das Autismus.
Wenn du vor Verlassen des Hauses jede mögliche soziale Interaktion wie eine Rolle
einstudieren muszt und dir drauszen dann doch immer der Souffleur fehlt,
- dann ist das Autismus.
Wenn jegliches Zusammensein und Interagieren mit anderen
ein Quelle für Megastresz statt Freude und Energie ist
- dann ist das Autismus.

Und soweiterundsofort.
Verständlich erklären kann man es sowieso nicht.
 Wie sich das anfühlt,
wissen nur die, die es selbst betrifft.

 

***

PS: manche Aussagen zu persönlichen Umständen finden sich derzeit ähnlich in mehreren Bloposts 
wieder  - das kommt, weil die Artikel für unterschiedliche Blogparaden geschrieben sind
 - sorry für die Wiederholungen, wer sich davon inzwischen gelangweilt fühlt. 
Und natürlich ist auch niemand zum Lesen von Blogs verpflichet - )

 


Donnerstag, 9. Juli 2026

Die Mittel zum Überleben

 

 


"Was bedeutet Wertschätzung von Lebensmitteln für Dich?"
ist das Motto der Blogparade von Anke Cras 
 
*
 
Die Mittel zum Überleben gibt es heute im Supermarkt. 
Dort kann man sie kaufen, dazu braucht man Geld. 
Also ist auch das ein Mittel zum Überleben, das primärste überhaupt -  
 
Alles ist da. In (Plaste-)Hülle und Fülle, appetitlich angerichtet,
länger haltbar gemacht, unter Schutzatmosphäre verpackt undsoweiter.
Niemand braucht sich mehr einen Fisch zu fangen, ein Wildschwein zu jagen
und zu zerlegen (das machen nicht mal die Paleo-Anhänger so) und die
 eigenen Hühner, vielleicht aus der Legebatterie gerettet...dürfen 
glücklich picken und in Würde sterben. 
Ich könnte kein Huhn töten und rupfen. Und das brauche ich auch nicht.
Das erledigen Groszbetriebe, die oft Gastarbeiter unter widrigsten 
Umständen beschäftigen und ausbeuten. 
Zur Coronazeit war Tönnies mal in die Schlagzeilen geraten.
Das vergiszt man schnell und die anderen sind auch nicht besser. 
Für die Gastarbeiter und ihre Familien in der Heimat 
geht es einzig ums Überlebensmittel Geld. 
 
 
Auf meiner ersten West-Reise - ich lebte früher in der DDR - in eine kleine
Stadt im Schwarzwald sah ich sie zum ersten mal: die Supermärkte.
Da gab es einen Aldi, Lidl, Edeka und einen riesigen "Multimarkt"
drauszen auf der grünen Wiese. Vielleicht auch noch weitere, 
die ich gar nicht entdeckt hab(?)
Ich war total schockiert und fragte mich: wer soll denn das alles essen?
So grosz ist das Städtchen doch gar nicht! 
Dieses Überflusz-System war mir sofort zutiefst suspekt.
 
Bei uns hieszen die Märkte Kaufhalle und sie waren viel kleiner.
Übersichtlicher.
Es gab auch kleine Lebensmittelgeschäfte, (private) Bäckereien,
Fleischer, Gemüseläden. 
Die Wege zum Einkauf waren nie weit, da ging man zu Fusz.
Viele hatten sowieso kein Auto. Das brauchte man auch nicht unbedingt.
Am Ende des Tages waren Back-und Frischwaren meist restlos ausverkauft.
Aber wir hatten alle genug zu essen. 
Weggeworfen wurde damals fast nichts. 
 
 

 
Meine eigene Wertschätzung für Lebensmittel ist eher im Mangel begründet.
Nein, ich meine nicht den in der DDR (der keiner war). 
Ich hatte in den Jahren nach der Vereinigung eine schwierige Zeit.
Wo ich wirklich oft Hunger hatte.
Wo ich in Containern nach Eszbarem suchte.
Damals ging das glücklicherweise noch, da wurden sie noch nicht
bewacht oder verschlossen.
Und es hat auch noch kein Markt Chemikalien darüber gekippt,
um Lebensmittel unbrauchbar zu machen. 
Heute ist das weit verbreitet. 
 
Das klingt sicher altmodisch, aber solche Erfahrung hat mich geprägt.
Und seither versuche ich, ohne Verschwendung zu wirtschaften.
Bei mir wird nichts weggeworfen, auszer es ist Schimmel darauf.
Da achte ich aber, dasz das möglichst nicht passiert. 
 
Da ich fast ausschlieszlich von Foodsharing und der "Tafel" lebe,
bin ich ziemlich kreativ in der Verwendung der zufälligen Dinge.
Gekocht wird nicht nach Plan und Rezept, sondern nach Zufallsprinzip.
Ich lasse mir eben etwas einfallen, was ich mit dem Vorhandenen 
zubereiten kann. Das funktioniert meist gut.
Manchmal musz ich meinem Schatz für Mittag auch absagen, 
wenn ich nichts zum Kochen auftreiben konnte.
Aber vielleicht hab ich dafür zwei Kuchenstücke ergattert?
Dann gibts eben gemeinsamen Nachmittagskaffee - irgendwas ist immer da.
 
 


Was auf meinen Teller kommt, da denke ich mich nicht allzu sehr rein.
Ich bin ein Genuszmensch. Und dankbar für das, was ich habe.
Es interessiert mich wenig, wenn das unkorrekt hergestellt, mit zuviel
Plaste verpackt ist oder zuviel Zucker enthält.  
Kaufen würde ich diese Produkte sicher nicht, aber 
solche Auswahl steht bei mir eben nicht an.
Natürlich achte ich auf Gemüse. Wenns irgend geht.
 
 


 
Früher, als ich noch die Wahl hatte... war ich Vegetarierin.
Heute esse ich öfter Fleisch, gedenk der buddhistischen Lehre, dasz man 
das, was einem geschenkt wird, auch essen darf.
Das Tier ist dafür gestorben, ändern kann ich das ganze System nicht.
Wenn Foodsharing das Fleisch vor dem Container gerettet hat, 
esse ich es mit Genusz und Dankbarkeit. 
Bei mir gelten eben andere Korrektheits-Regeln. 
Ich lebe auf meine Art gegen Verschwendung.
 
 

 
 
Ich würde gerne in einem Hofladen einkaufen.
Doch dazu fehlt mir das Geld und vor allem das Auto.
Zu Fusz oder per Rad  komme ich da niemals hin und der Bus (falls es 
ihn überhaupt gibt) ist viel zu teuer.
 
Und so bin ich eben auch in keiner Kooperative oder alternativen
Landwirtschaft Mitglied. Das ist immer zu weit weg, das kann ich nie erreichen.
 
Mein sind dafür die freistehenden Obstbäume oder Beerensträucher drauszen.
  Die Pilze im Wald, sofern ich sie mit Sehschwäche noch finde.
Und was man alles so ernten kann im Vorbeigehn. 
Auch das hat Wertschätzung und Dankbarkeit verdient.
 
 

 
Was mich heute sehr nachdenklich macht, ist das gesamte System.
Da wird die Milch aus Bayern nach Brandenburg gekarrt zur Verarbeitung.
Die Produkte dann in ganz Deutschland verkauft.
Tiere zum Schlachten viele Stunden in Laster eingepfercht und 
über Autobahnen transportiert. Manchmal mehrtägig unterwegs.
Ist das alles wirklich nötig?
Dieses unnütze Leid und  dieser gigantische Spritverbrauch?
Ich hoffe, es gibt in Zeiten knapper Treibstoffe endlich mal 
ein Überdenken dieser Praxis und eine wirksame Regulierung dafür. 
 
In der DDR war zwar nicht alles besser ;) ... 
aber das Prinzip der Lebensmittelversorgung schon.
Unsere kleine Stadt mit ihren umliegenden Dörfern hatte eine Molkerei,
einen Schlachthof, der die kleinen Fleischereien mit Rohmaterial
versorgte (und jeder Fleischer hatte so seine Rezepte - es schmeckte also 
durchaus nicht jede Wurst gleich)... Eine staatliche Groszbäckerei für die 
Kaufhallen und diverse kleine Privatbäcker zum Direkteinkauf. 
Es gab eine Brauerei und zwei Getränkehersteller. 
Eine Schweinemastanlage  war ca. 40km entfernt, die leerten überall
die Biotonnen und die Hühner-Lege-und Mastställe (genannt Hühner-KZ)  
waren auch nicht weit weg.
All diese Produkte gab es dann in unserer Region. Und nur hier.
Das ging alles ohne so viel Spitverbrauch. 
 
Ich erinnere mich als Kind noch gut an die Milchkannenbänke vor einzelnen Gehöften.
Da kam eine Art Tankwagen am Morgen und holte die Milch ab zur Molkerei.
 
Grundschulklassen machten regelmäszig Ausflüge, mal zu einer LPG oder 
zur Molkerei - da wurde den Kindern erklärt, wo die Lebensmittel herkommen.
Damals dachte noch kein Kind, Kühe seien lila ;) 
 
 

 
Ich kriege jedenfalls immer noch das Grausen, wenn ich über die heutige 
Lebensmittel-Marktwirtschaft nachdenke und den Überflusz in den Märkten sehe.
Es sind auch längst nicht alle, die ihr Nichtverkauftes zur Tafel geben 
oder dem Foodsharing überlassen. 
 
In meinem kleinen Rahmen gehe ich sorgsam mit Lebensmitteln um.
 
 

Dienstag, 7. Juli 2026

Von Verlusten und Gänseblümchen

 

 


 

"Über Liebe, Verlust und Aufbruch." lautet das Thema
der Blogparade von Gabi Kremeskötter
 
 
Ich habe Menschen verloren, wie andere auch. 
Durch Tod, Trennung oder weil sie einfach weggezogen sind.
Unerreichbar wurden. 
Das ist schmerzhaft, aber ich habe es meist gut geschafft,
die Trauer kreativ umzusetzen und mit den Verlusten fertig zu werden.
 
Nur in einem Fall gelang mir das nie.
 Das war der Verlust meines Landes. 
Das eines Tages einfach verschwand. 
 
Ganz friedlich wurde es aufgegeben, eingegliedert oder wie man es nennen mag. 
Das Wort Wiedervereinigung hat für mich keinen tröstlichen Klang. 
Die Kräfte, die das Land nur besser machen wollten, wurden ganz schnell übertönt.
Niedergetrampelt. 
 
 Damit einher ging nicht nur für mich der Verlust des
persönlichen Lebens, der eigenen Identität und der gesamten Existenz. 
 
 *
 
Ich konnte zuvor mehrere male in den "Westen" reisen, zu Verwandtenbesuch.
Konnte ein wenig Freiheitsluft schnuppern, Reisezüge erleben, die nicht 
ohrenbetäubend quietschten und Bahnhöfe mit ganz anderem Duft.
Den typischen "Ostmief " - ja den gab es wirklich und nur bei uns.
So, wie vieles andere Vertraute. Das lange verschwunden ist.
 
Ich wäre niemals freiwillig - mit Ausreiseantrag - in den Westen gegangen.
 Dazu liebte ich mein Land viel zu sehr. Hier war ich tief verwurzelt. 
Hier war mein Alltag. Mein Leben. 
 
1989/90 wurde ich Flüchtling, ungewollt und ganz und gar ohne Flucht.
Von vielen Bundesbürgern als eine von "16 Millionen Wirtschaftsflüchtlingen"
betrachtet. Noch heute begegnet mir diese Ansicht.
Und das geht ganz schön an die Substanz. 
 
Von uns aus gesehen war es ein Verlust der gesamten Existenz, nicht nur materiell.
Alltägliche Strukturen weg, die Werke geschlossen, als Konkursmasse verramscht.
Es gab immer jemanden, der daran verdient hat.
Wir selbst waren das aber meist nicht.
Für viele Menschen begann ein Abstieg.
Ein Fall, der tief werden konnte.
 
Nein, ich werde hier nicht meine Geschichte schreiben.
Das würde viel zu lang.
Die ersten zehn Jahre waren die härtesten. 
Ich hab alles versucht, hab gekämpft, alles gegeben, bin fleiszig gewesen.
Weitergebracht hat mich das nicht.
Es hat nicht mal zum Überleben gereicht - ich habe oft Hunger gehabt..
Was fehlte, waren die Connections, die Netzwerke, die Mobilität
und ganz einfach das Geld. Eine Rücklage, ein Grundkapital.
Ohne das man nichts beginnen, nichts aufbauen,
 ja nicht einmal  in eine andere Stadt ziehen kann.
Höchstens mit dem Pappkarton unter eine Brücke. 
 
Die schöne Grenzöffnung, die groszee Freiheit - was ist sie wert,
wenn man nicht einmal mehr in die nächstgröszere Stadt fahren kann? 
Der bessere Lebensstandard, der aber nicht für alle gilt -  

Aufbrüche habe ich etliche gewagt.
 Immer wieder. Voller Elan, voller Illusion.
Gescheitert am Geld, an mangelnder Mobilität oder einfach an der Kleinstadt.
 Am falschen Ort. Im falschen Kontext.
Der Richtige blieb unerreichbar. Fern. 
 
Nach dem Verlust all meiner Bilder - der Besten und Ausstellungsreifen
(ingesamt über 100, die zerstört wurden oder abhanden kamen) 
 konnte ich endgültig nicht mehr.
Das Malen habe ich damals verlernt.
Das ist nie wiedergekommen. 
 
Dazu kam ein Unfall, der mangels Krankenversicherung
nicht ärztlich versorgt werden konnte. So etwas prägt. 
Ein Erschöpfungssyndrom nach einer schweren Krankeit.
 Autismus, der mir vieles nicht leichter gemacht hat.
  
2008 wurde ich aussortiert in die EU-Rente. 
Halbes Existenzminimum zum Leben. Dauerhaft.
Inzwischen ist es zur Altesrente geworden.
 
 
An Aufbrüche denke ich nicht mehr. 
Mich treibt nun nichts mehr an. 
Hab mir mein Leben, so gut es geht, eingerichtet.
Mich auf die begrenzten Möglichkeiten beschränkt.
Da geht schon noch einiges. Eine andere Art Reichtum.
Nichtmaterieller Art.
Und Lebensfreude im ganz Kleinen. 
Ein wenig Kreativität im Alltag musz sein.
Schreiben. Visuelle Stories. 
Oder einfach durchkommen, wenn es schwierig ist 
- das braucht oft ganz viel Kreativität.
 Mit normalem Lebensstil darf ich mich nicht vergleichen.

 
Meine nähere Umgebung, so wie ich sie seinerzeit geliebt hab
und niemals verlassen wollte... gibt es so nicht mehr. 
Die Natur und die Landschaft sind weitgehend zerstört und zubetoniert.
 Mit Gewerbegebieten und Riesenmärkten übersät,
die teils schon wieder leer stehen. Abgerissen werden.
Gebaut werden nur noch Autostraszen statt menschlicher Wege.
Das Gute des Landes ist fast alles hin.
 
Käme ich heut nach Jahrzehnten der Abwesenheit hierher zurück, 
würde ich es nicht mehr wieder erkennen!
 
 
Heimat geworden ist mir dieses vereinte Land nie. 
Als wirklich vereint empfinde ich es auch nicht. 
Dazu fehlen noch 200 Jahre. Bis sich das wirklich angleicht.
Oder auch nicht. 
Ich bin in diesem Deutschland nie wirklich angekommen. 
Und in den letzten Jahren nimmt die Fremdheit - Befremdung - immer weiter zu. 
 
Ich fühle micht nicht als Deutsche und auch nicht als Europäerin.
Was ja immer nur Westeuropa meint mit all seinem Gröszenwahn.
Der mich so fassungslos macht. 
Ich kann mich mit der jetzigen Gesellschaft und Politik nicht identifizieren.
Und schon gar nicht mit all diesem Kriegsgeschrei.
 Freiwillig würde ich kein Land wählen, das der hochaggressiven NATO angehört.
Real bleibt mir nur die innere Emigration. 
 
 
Nun gibt es nur noch das ganz kleine persönliche Leben.
Tür zu und fertig. Das immer rauhere Klima drauszen lassen.
Osten war immer eine "andere Welt", eine andere Sozialisation.
Keine jahrzehntelang gewachsene demokratische Gesellschaft.
Und heute erst recht keine Spur mehr von Solidarität oder Toleranz. 
Kein Sicherheitsgefühl. Nirgends.
Fremdes, Andersartiges ist wieder ganz und gar unerwünscht. 
War es eigentlich schon immer.
Doch das wird immer härter jetzt. 
 
Das kann man nur irgendwie zu überleben versuchen.
Weghören, wegschauen und sich nicht weiter reindenken
(glücklich, wem solches gelingt!). 
Und dankbar sein für Kleinigkeiten, zu denen sonst niemand hinschaut.
 
Liebe gedeiht im Verborgenen.
So, wie die Gänseblümchen auch. 
 
 

*
 
PS: Autisten kennen keinen Subtext, sondern verwenden Worte rein sachlich
und im einfachen Wortsinn. Die Lesart neurotypischer Menschen, die automatisch
immer vieles zwischen den Zeilen lesen bzw. hineininterpretieren, ist ihnen völlig fremd.
Auch wenn das wohl wenig Zweck hat, möchte ich diesmal darauf hinweisen.
Dieser Text ist nichts weiter als die Beschreibung meines Erlebens und Beobachtens
von Ereignissen in meinen kleinen Umfeld.
Es ist weder Jammerei, noch Anklage noch Vorwurf. 
Einfach nur in Worte gefaszt, wie es für mich war und ist. 

 

Samstag, 27. Juni 2026

Bin ich Kind geblieben?

 

 

 
Als Kind mochte ich meinen Geburtstag nicht.
Denn erstens war da immer noch Weihnachten... und zweitens kaltes graues Wetter.
Ich träumte von Gartenpartys zu Ferienbeginn und beneidete
eine Schulfreundin, die ihren Geburtstag auf der Terrasse 
 und im Garten zwischen Rosenbüschen feiern konnte.
Das war immer der schönste Kindergeburtstag, den ich miterlebt habe. 
 
Heute feiere ich meinen Halbjahresgeburtstag mehr als den Echten.
Und gerade heute ist dieser Tag. 
Heut bin ich Sechsundsechzigeinhalb Jahre.
Am Morgen las ich den Newsletter von Karinas Röpcke,
die zu einer Blogparade einlädt: 
 
 Kindheitserinnerungen, die ich dieses Jahr unbedingt wiederholen möchte. 
 
 
 


Zeit, einmal nachzudenlen.
Allerdings fällt mir dabei auf, dasz ich das, was ich als Kind geliebt habe,
heute immer noch gern und selbstverständlich tue.  
Oder inzwischen längst wieder.
Und all das, was ich zu gern wiederholen möchte, geht einfach nicht mehr. 
 
 
 
Als Kind habe ich gern Zeitschriften zerschnippelt - die Figuren aus Mutters 
Modeheften ausgeschnitten, das konnte ich stundenlang tun. Wenn Mutter
zum Frisör ging (Dauerwelle dauerte damals Stunden)...wurde eine "Sybille" 
und eine Schere mitgenommen und dann sasz ich dort in der Ecke an 
einem kleinen Tisch und war ruhig... - und heute klebe ich Collagen.
Vorwiegend aus Zeitschriftenmaterial. 
 
 

 
Ich liebte den Wald, habe mich oft in einem hohlem Baum versteckt.
- Der Baum - die alte Eiche - hat ungefähr bis zu meinem 50. Lebensjahr
noch gestanden und wurde regelmäszig besucht, im Wald bin ich auch heute
 noch gern, auch wenn ich es laufmäszig kaum noch realisieren kann.
 
Auf Wiesen sitzen.
 - Auch das habe ich mein Leben lang beibehalten.
Bevor ich einen Garten hatte, nahm ich mir ein Buch mit auf eine Waldwiese...
  und auch heute noch sitze ich gern lieber im Gras statt auf einer Bank 
(auch wenn ich manchmal nicht mehr so schnell wieder hochkomme - )
 
Vogel-und Froschkonzerte hören.
Keine Frage, dasz ich das heute genauso noch geniesze.
 
Insekten beobachten.
 
Mich im Sommer naszregnen lassen.
 
Am Wasser sein, Füsze kühlen.
 

 
Dinge nach Farben sortieren. 
 
Bücher lesen.
Auch heute noch lese ich gern Kinderbücher, allerdings doch mit etwas
anderen Augen. Dasz z.B. das Märchen "Allerleirauh" ein Inzestmärchen
ist, habe ich damals natürlich nicht begriffen -  
 
 

 
Bilder anschauen, egal wo. 
Litfaszsäule, Schaufenster, Galerie, Museum, Zeitschrift oder Bildband 
- keine Frage, das funktioniert heute noch genauso und da kann ich mich
hinein versenken. Tue ich oft.
 
Fremde Sprachen anhören und mich an ihrem Klang begeistern,
auch ohne ein Wort zu verstehen - das ist heute noch genauso mein Plaisier.
 
Wolken beobachten.
 
Irgendwo herumklettern, auf Baugerüsten, Türmen, Dächern...möglichst weit oben sein. 

 
 


 
Gesichter finden in Gegenständen - auch das macht mir noch immer Spasz.
 
Buchstaben in Wörtern verdrehen - aus Frackknöpfchen
wird Knackpfröpfchen... - sowas begeistert mich immer noch.
 
Schatten beobachten, Schattenspiele machen.
 
 
 
 
Irgendwo sitzen und mit den Beinen baumeln - auch das mag ich noch 
und freue mich, eine Sitzgelegenheit zu finden, die hoch genug ist. 
 

Mich verkleiden. 
- Später, in einem Job als Brockenhexe, hatte ich dazu wieder Gelegenheit..
  
Schaukeln.  
 


Sterne gucken.
 
Wunderkerzen abbrennen. 
 
Springkraut berühren und springen lassen. 
 
Diverse Dinge sammeln, Kastanien, Herbstblätter, Gräser, Samenkapseln... 
 

 
 Durch trockenes Laub rascheln, mich ganz darin einbuddeln.
 
Schneemann bauen - im letzten schneereichen Winter wieder entdeckt.
 
 

 
Mit der Schuhspitze Eis auf Pfützen zertrümmern. 
 
Katzen streicheln. Mit Katzen reden. 
 
Eisenbahn gucken (die Dampfbahn gibts heute noch) 
 
Fingerspiele.
(Gute Übung bei Handarthrose) 
 
Eine bestimmte Art Zungenschnalzen. - Kann und tue ich heut noch.
 
Spielgeräte entdecken und ausprobieren.
 

 
 
 
 
In die Badeanstalt gehen.
- Vor einigen Jahren als absolutes Vergnügen wiederentdeckt. 
 
 
 
 
*
 



 
Natürlich gibt es viele Dinge, die ich heute nicht mehr kann.
Physisch nicht oder aus anderen - teils auch finanziellen - Gründen.
 
Die Salzbergtalwiese runter Rad schlagen. Eins nach dem anderen.
 
Auf Omas Kuchentablett (ein olles Plasteding) den Wiesenhang 
runter rodeln (wir haben oft Tee und Kuchen mit zum Spaziergang genommen,
aber dieses Tablett oder ein anderes geeignetes Teil existiert nicht mehr). 
 
Auf einem Bein zum Einkaufen hüpfen 
(letztmalig mit Ende Vierzig praktiziert, als ich ein Kind von der Schule abholte 
und wir nach hause gehüpft sind - hat nochmal Spasz gemacht trotz etwas Mühe) 
 
Flickflack. Oder auch nur ein stinknormaler Purzelbaum.
 
Gemeinsam mit Opa ein Lied singen. Er spielte Gitarre dazu
und es störte ihn überhaupt nicht, wenn ich völlig falsch sang. 
Nur mit ihm habe ich gesungen als ich noch nicht zur Schule ging - dort wurde
mir dann beigebracht, dasz ich nicht singen kann und ich kann es bis heute nicht. 
 
 
(da rief mich die Mutter zum Heimgehen, aber ich wollte noch nicht)
 
In einem Rappelbus bis zum Bergtheater rauf fahren und ein
Märchenstück ansehen.
(da fährt heut kein Rappelbus mehr rauf, das geht nicht mehr ohne Auto) 
 
Die Schaffnerin beobachten, die so eine interessante Geldtasche hatte
mit Röhren für die verschiedenen Münzen. 
 
Von der Rosztrappe aus das Bodetal runterlaufen
(mangels Lauffähigkeit leider nicht mehr möglich) 
 
Dem "singenden Brunnen" zuhören.
Den gibt es nicht mehr, das war eingemauerte Röhre im Salzbergtal 
drauszen, da konnte man in Abständen ein dumpfes Glucksen hören. 
 
 


Opa in der Werkstatt beim Arbeiten zuschauen.
 
Ins Kino gehen. 
 
Am Meer sein, Muscheln sammeln und herummoddern. 
(jegl. Reisen sind finanziell nie mehr möglich) 
 
 
 
 
Auf  Vaters Schultern reiten, getragen werden statt zu laufen.
 


Mich durch die Luft werfen lassen... an Ringen turnen etc.
 
*
 
 
Mit zunehmendem Alter und körperlichen - oder auch wirtschaftlichen -
Einschränkungen verlieren Bucketlists und auch das Wort "Unbedingt" 
zunehmend an Bedeutung. Da nimmt man die Dinge gelassen, freut sich über das,
was spontan kommt bzw. doch mal unverhofft möglich wird (ein Ausflug, ein Eis?). 
Mit Etwas-Vornehmen ist es dagegen so eine Sache. 
Da geschieht eh immer mehr nur noch im Kopfkino.
Insofern fällt mir jetzt nichts ein, was ich dieses Jahr unbedingt 
 noch wieder tun möchte oder tun könnte. 
 
Oder?
 
Vielleicht ein Moosgärtchen anlegen?
Das zeigte mir Oma, es wurden Moosbatzen auf einem groszen Teller
arrangiert und regelmäszig gegossen 
 
Steine karren. 
Das fand ich in der Mappe mit Omas Zeichnungen wieder.
Habe es damals von Opa gelernt: einfach die Stirn an einer Tür herunter 
rappeln - wir haben ja immer viel Quatsch gemacht damals mit Opa.
 
 

Vielleicht hilft das gegen mancherlei Alltagsstresz und -Frust?
- Ich werds versuchen! 
 
 
 
Ansonsten schliesze ich jetzt meine Augen und lasse mit von Oma Elsbeth (sie hat im Oktober 127. Geburtstag) eines ihrer selbst ausgedachten Märchen erzählen. 
 
 
Nachgedacht am 26.6., aufgeschrieben und Bilder dazu gesucht am 27.6. 
Die beiden Zeichnungen sind von Oma Elsbeth, die Collagen fertigte ich, die Fotos knipste
mein Schatz, Vater, Opa oder ich.