Samstag, 4. Juli 2026

Habe ich ein Bild vor mir?

 

 


"Vorbilder" ist der Impuls der 70. Blognacht bei Anna Koschinski.

Vorbild.
Nachbild. Abbild. Selbstbild.
Habe ich ein Bild vor mir?
Sehe ich dann 
noch meinen eigenen Weg?
 
Du sollst dir kein Bildnis machen.
 
 
Nach einem Vorbild befragt, damals als Kind, muszte ich passen.
Musz ich auch heute noch. Ganz genau so.
 
Vorbilder, die die Schule mir anbot - Angela Davis,
Rosa Luxemburg, Lenin... waren viel zu fern.
Menschen in meinem Umfeld sah ich nicht als Vorbilder an. 
Idole wie John Lennon oder Jimmie Hendrix...hatte ich als Teenie nicht.
 
Ich merkte frühzeitig, dasz andere Menschen anders sind als ich.
Man nennt es Autismus - das wuszte ich damals noch nicht.
All meine Versuche, andere nachzuahmen, waren vergebens.
Ich schaffte es nicht.
Ich war ich. 
Anders. 
 
Anderen nachzueifern ergab für mich sowieso keinen Sinn.
Müszig, sich mit anderen zu vergleichen.
Und jegliches Wettbewerbsdenken war mir sowieso fremd. 
 
Ich denke, ich bin ganz gut ohne Vorbilder durchgekommen. 
Der eigen Weg hatte Wegmarken, Kreuzungen, Umwege.
Labyrinthe. Mäander. Steine. Gestrüpp.
Daran konnte ich wachsen. Leben lernen. 
 
Von Auszen kamen Belehrung, Rat oder Anweisung, die zu befolgen war. 
So läuft das nun mal, wenn man klein ist. 
Und auch später noch.
Meine Eltern waren teils das Gegenteil von Vorbild.
Meinem Vorsatz, später vieles anders zu machen, bin ich treu geblieben.
Für mich war das genau richtig so. 
 
Nur einmal, so Anfang zwanzig, gab es ein Vorbild für mich im Schreiben.
Eva Strittmatter. 
Ich habe sie eher geistige Mutter genannt.
Ihre Gedichte waren beliebt, die Bücher deshalb nicht zu kriegen.
Ich schrieb die Gedichte ab in der Bibliothek. Mit der Hand. 
Der Inhalt war genau meines, die Liebe zur Natur.
Ihre Betrachtung. 
Des Groszen wie des Kleinen.
Mensch sein und Mitmensch. Liebe. Trost. 
Der Schreibstil kurz und prägnant.
Poetisch. Verdichtet.
Ein Wort und Punkt.
Solche Sätze mag ich bis heute.
Dabei bin ich geblieben.
 
*
 
Es gibt allerhand Menschen - ferne und nahe - 
die mir etwas bedeuten. Von denen ich gelernt habe.
Vor denen ich Hochachtung empfinde.
Als Vorbilder bezeichnen würde ich sie dennoch nicht.
 
Übrigens fand ich es auch immer höchst unangenehm,
wenn sich andere mich zum Vorbild nahmen.. 
 
  

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