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Donnerstag, 23. April 2026

Momentaufnahme.

 

Gestern Abend. Ich bin vom Foodsharing zurück 
und rufe meinen Schatz an, um ihm Gute Nacht zu wünschen.
Zähle ihm meine Foodsharing-Beute auf 
und er meint, das gehöre mal gedruckt, was ich da immer
alles an Ausdrücken zur Zustandsbeschreibung verwende. 
Nun denn:
 
Eine durstige Dipladenia, die ich gleich ins Wasser gestellt habe 
eine nicht mehr runde Grapefruit
eine welke Gurke
drei angeschrumpelte Paprikaschoten
ein Bund vergilbter Dill
eine Schale Matschbirnen zum Sofortverzehr
ein Netz mit drei Zitronen, von denen gerade eine
noch lebensfähig ist...
 
An mehr kann ich mich grad nicht erinnern.
Und das war von mir auch ganz und gar nicht "druckreif" formuliert,
sondern einfach so dahergeschwatzt  und es sollte eigentlich nicht in die 
Öffentlichkeit, wo es ganz sicher wieder miszverstanden wird
 (es ist in keinster Weise abwertend gemeint, sondern drückt nur den Zustand aus, 
im *einfachen* Wortsinn. Subtext gibt es bei mir eh nicht).
 
Es ist halt immer die "sprachliche Vielfalt", die meinen Schatz
in unserer Alltagskommunikation mit mir fasziniert.
Ich sag dazu nur: ich hab seinerzeit in der Schule gelernt,
Wiederholungen zu vermeiden. 
 
 
 Noch etwas in eigener Sache. Die Rubrik "Tagessätze. Zehr-Rationen" habe ich inzwischen endgültig ad acta gelegt. Ich habe zu wenig sprachliches Talent und oft auch nicht die Stimmung, jeden Tag etwas aufzuschreiben. Ich hatte mich mit dieser Rubrik dazu motivieren wollen, aber das sehe ich als gescheitert an.
Ich werde statt dessen die selten erscheinende alte Rubrink "Momentaufnahme"  wieder nutzen, so ich das Bedürfnis habe, tagebuchmäszig etwas aus meinem Alltag zu notieren. Eben mal nicht in Bildern, sondern in Worten erzählt. 
Allzu oft kommt das ja bei mir nicht vor. 

Freitag, 1. November 2024

Momentaufnahme - gestern abend -

 

Es wird langsam dämmerig.
Ich stelle die Friedhofslaterne und einige Grablichte auf die Treppenstufen
und einen Korbteller voller Süszigkeiten dazu.
Mein Katzentier ist anfangs irritiert über die flackernden Lichter,
setzt sich dann aber doch vor die Haustür.
Im fortgeschrittenen Alter ist er nicht mehr so aktiv im Umherrennen,
sondern sitzt vornehmlich am Spätnachmittag/Abend gern stundenlang 
vor der Haustür - unter der Türmatte liegt noch eine warme Decke. 
Da ich am Hang wohne, hat er von dort alles gut im Blick.

Bald geht es los mit den kleinen Geistern und es liegt wieder so ein Summen
von fernem Kinderlachen und diese Atmosphäre der freudigen Erwartung
in der Luft, die ich zu dieser Stunde jedes mal wahrnehme.
 
Sobald sich ein Trüppchen meiner Haustür nähert, geht das Katzentier
jedes mal stiften - aus seiner Streunerzeit ist ihm ein gewaltiges Misztrauen,
eine Menschenscheu geblieben, die er nie ganz überwunden hat.

Und eigentlich ist dies die perfekte Inszenierung: zu Grablichten
und Süszkram läuft den Kindern dann noch eine schwarze Katze über den Weg.
Von rechts nach links, wie es sich gehört.

Er hat perfekt mitgespielt bis es ihm zu bunt wurde.
Dann kam er rein und legte sich aufs Bett.
Heute ist der Spuk vorbei und seine Welt wieder in Ordnung.

 

Donnerstag, 17. Oktober 2024

Momentaufnahme. Donnerstag.

 

Bei der Tafel heute Kopfsalat bekommen aus dem Projekt "Tafelgärten".
Chemiefreier biologischer Anbau.
Ich wasche ihn gründlich und gebe die äuszeren, etwas angewelkten Blätter in den Komposteimer. Klettert doch gleich eine winzige Schnecke auf die oberste Blattrippe. Das Haus nicht mal einen Zentimeter grosz, das Tierchen fast durchscheinend... 
Ich schaue sie mir an, da kommt eine zweite, ebenso winzige Schnecke zum Vorschein. 
Sie winden sich weit aus ihren Häuschen heraus und umarmen sich kurz. Dann verschwindet Schnecke zwei wieder nach unten.
Das ging so schnell, dasz mir nicht die Zeit blieb, die Kamera zu holen und mit Makrolinse auszustatten. War sowieso kein gutes Licht in der Küche.

Ich nutze das wunderbar milde Herbstwetter lesend auf der Dachterrasse.
Liege mit Katze noch einmal - zum letzten Mal? - auf der Matratze. 
Mit ohrenbetäubendem Getöse fliegen einige Militärmaschinen dicht über uns hinweg.
 Die Katze ist völlig verschreckt und rettet sich ins Haus.
Fliegen die zum Atom-Manöver?
Nach Bekanntwerden des Siegesplanes eines immer gröszenwahnsinnigeren 
Ukrainers wird mir himmelangst.

Mittwoch, 2. Oktober 2024

Tristesse eines Nebeltages

 
 
 

 Ein paar müde, beim Foodsharing gerettete Nelken versuchen
in ihrer blauen Glasvase etwas Farbe hineinzubringen
in das Grau des Nebel-Nieseltages und mein septemberliches
Arrangement aus trockenen Samenständen
 mit den fliehenden Schwalben darüber...
 

 
Heute habe ich zum ersten mal geheizt -
es ging einfach nicht mehr anders!
 

 
Die Katze musz sich nun wieder an angelehnte, 
statt sperrangelweit geöffnete Türen gewöhnen.
 
 


Meine Sommerblusen und Kleider habe ich heute weggehängt.
 


Meine pinkfarbene Herbst-Ecke ist völlig durchnäszt.
In der Stadt sah ich eine Frau mit einem Südwester...
 
 Geteilt mit Friday-Flowerday

Samstag, 23. März 2024

Momentaufnahme. Gestern.

 

Die Straszensammlung der Gartenabfälle steht an.
Für autolose Leute wie uns ein wahrer Segen.
 
An der oberen Schuppenwand steht eine Batterie grüner Abfallsäcke aufgereiht.
Voll mit Kleinholz, Pflanzenteilen, vorjährigem Laub.
Die Abfuhr im Herbst ist immer viel zu früh,
da hängen die Blätter noch an den Ästen.
Inzwischen ist vieles vermodert und riecht auch so. 
Nicht unangenehm, aber eben nach Moder.

Der fleiszige Hasel streut herbstens immer paar Nüsse in die Säcke hinein.
Ich mache mir nicht die Mühe, die da wieder herauszulesen 
zwischen stacheligem Brombeerzeug.
Die gönne ich den Mäusen - ich finde allemal noch genug auf der Wiese.
 
Mäuse wohnen über Winter gern in den Säcken.
Sie beiszen sich Löcher in den Boden und bauen sich Wohnunggen aus.
Ich traf schon öfter aufgestörte Mäuse, wenn ich an die Säcke ging.
Ich liesz sie jedes mal in Ruhe entkommen.
 
Diese musz geschlafen haben. Oder sie hat ganz unten drin gewohnt.

Ich stelle also den Sack auf den Weg. 
Schatz übernimmt ihn dort, trägt ihn die Stufen hinunter, 
durch den Korridor nach vorne, die Treppe hinab und plötzlich
sieht er ein graubraunes Fellchen fliegen.
Es landet im Nachbargarten auf dem Rasen und bleibt reglos liegen.
Schatz meint zu mir: da war eine tote Maus drin. Ein herumschnipsender Stecken
musz sie hinausgeschleudert haben - da liegt sie nun!

Katze, neben der Treppe, hat die Bewegung auch gesehn.
Springt hinzu, tatzt, guckt und bleibt reglos sitzen.
Schnuppert. Wartet.
Aber da bewegt sich nichts.
Sie schaut mächtig irritiert drein, die Katze.
So vermodert riecht keine lebendige Maus!

Schlieszlich trollt sich die Katze.
Und dann kommt Leben in die Maus. Sie bewegt sich zur Mauer.
Gefahr vorbei. Im Schutze der Mauer kann sie entkommen.
Um für Katzen attraktiv zu sein,
hätte sie wohl erst einmal duschen müssen.
 
*
 
Nachträglich geteilt mit Christianes Maunztag

Freitag, 9. Februar 2024

Momentaufnahme - die Ubiquität der Katze -

 

Ich sehe die Katze auf dem Brett vorm Fenster.
Ich öffne es, um sie hereinzulassen.
Sie will aber nicht.
Kommt öfter vor, dasz sie lange da drauszen sitzen will.
Ich schliesze das Fenster erstmal, 
um sie dann später hereinzuholen.
Denn sie klettert da nicht mehr so gern hinunter,
jetzt, wo sie älter ist. 

Ich drehe mich um und nehme den Papierkorb.
Gehe zur Haustür, um ihn in die Papiertonne zu leeren.
Vor der Haustür sitzt, als hätte sie schon 
Stunden dagegessen:
die Katze!
 
Ist das nun dieselbe oder wie viele Katzen habe ich?

Montag, 25. Dezember 2023

Momentaufnahme. 25. Dezember.

 

Montagmorgen. - Montag? - Ja, Montag.
Dunkel und kalt.
Weihnachten hat sich klammheimlich
durch die Hintertür davongeschlichen.
Die Katze hats gesehn.
Hat dreimal gefaucht und ist reingekommen.
Wo die andre Katze schon da war.
Krieg oder friedliche Koexistenz?
Jeden Tag dieselbe Frage...
 
Nachdem die Katzen zufriedengestellt sind,
Kunststück, das braucht Engelsgeduld...
versuche ich es am PC.
Der Weihnachtmann hat die Verbindung geklaut.
Oder versteckt.
Wenn sie mal hervorlugt...kriecht sie unterhalb
von 150kb/sek - so kriege ich keine Seite geöffnet!
Ich beschliesze, lieber ein Puzzle zu machen.
Das braucht weniger Geduld.

Sollte es heut hell und regenfrei werden,
ist der Apfelbaum dran mit Auslichten.
Das kommt ja auch von Licht...
Die Maus im Keller (eine??) 
hat sich den Köder
schmecken lassen.
In die Falle gegangen ist sie nicht.
Wozu sind Katzen 
eigentlich gut?
 
 

 
PS: der Apfelbaum ist fertig.
Die Internetverbindung bringts immer noch nicht. 
Kann nicht mal Schatz anrufen heut...