Samstag, 8. August 2026

Warum ich keine To-Want-Listen mag

 

 


 

In diversens Blog ploppen regelmäszig To-Want-Listen auf. 
Angelegt meist für jeweils drei Monate, soll man da seine Wünsche und Ziele
aufschreiben und dabei selbst über diese mehr Klarheit gewinnen.
Eben keine To-Do-Liste, sondern die Wohlfühlversion selbiger.
Nun ja, es mag ein Weg sein, der hilfreich sein könnte und den viele schätzen.
Warum auch nicht?! 
 
Für mich ist das keine Option.
Aber ich mache sowieso nichts, nur weil es alle machen ;)
Ich fühle mich nämlich nicht von meinen tägl. To-Do-Listen, sondern 
eher von To-Want-Listen unter Druck gesetzt.
Und es macht mich traurig, am Ende des Quartals nur immer festzustellen,
dasz ich rein gar nichts davon umsetzen konnte.
Das ist kein gutes Gefühl!
 
Die Gründe können ganz verschieden sein: zu heiszes/kaltes Wetter,
zu wenig Kräfte, die mir vom Alltag übrig bleiben  (merke: ich habe
 ein chron. Erschöpfungssyndrom) und diese ganz nervige Recherche, 
wie sich etwas - z.B. ein Ausflug - überhaupt realisieren läszt. 
Also: gibt es Busse dorthin (oft nicht bzw. zu selten), 
wann  und wo fahren die ab, geht das überhaupt an einem Tag 
hin-und zurück, wie weit sind die Wegstrecken von Haltestellen zum Ziel, 
könnte ich die Fuszwege überhaupt schaffen...wo kann ich am Ausgangspunkt 
mein Fahrrad verstecken, denn ich musz ja da erstmal hinkommen etc. etc. 
Meist erweist es sich als unmöglich. Oder zu teuer.
Reisen oder andere Dinge werden hier eh nicht geplant.
Und was hab ich davon meine Wünsche zu notieren  - ein Konzertbesuch, 
ein Flohmarkt, einmal Eislaufen, ein Badesee, ein Museum etc.
- es scheitert letzten Endes doch immer an der fehlenden Mobilität
 oder ,am Geld für ÖV und/oder Eintreittspreise.
Das führt mir immer nur die Unmöglichkeit vor Augen, jemals einen
Wunsch überhaupt erfüllt zu bekommen. 
 
Und eine Nummer kleiner, z.B. in Form einer Leseliste...mag ich es auch nicht.
Ich lese nicht gerne nach Liste, sondern eher ergibt sich aus dem Buchinhalt, 
während des Lesens, was dann als nächstes Buch folgt.
Ich mäandere am liebsten durch die Literatur, weil ich davon das meiste habe.
Und nicht im Abarbeiten von Listen. 
 
 

 
Meine tägliche To-Do-Liste hat  dagegen durchaus ihren Wert.
Gar nicht so sehr im Sinne von Müssen.
Höchstes bei Terminen, die einzuhalten sind. An die mich die Liste erinnert.
Denn sie ist ein eine Art Leuchturm im Alttag: schafft Ordnung und Struktur.
Jeweils am Abend zuvor setze ich mich hin, den nächsten Tag nicht zu planen,
 sondern eher zu bedenken. Das ist ein Unterschied.
Und was dann drauf steht, sind neben nötigen Erledigungen auch sowas wie 
Rote-Bete-Suppe oder "Schatz kommt 14:00".
Also allerhand positive Dinge , die mir, schriftlich fixiert, Vorfreude bereiten.
Und wenn am Ende das Tages irgendwas nicht durchgestrichen ist,
 macht mir das meist wenig aus: entweder hat sichs von selbst erledigt,
anders ergeben... oder es kommt halt später mal dran.
 
 
Ich lasse mir gerne viel Freiraum für das, was sich einfach ereignet.
Wie es eben so kommt. Wetter schön - bissel raus radeln.
Nebeltag - Friedhofsbesuch und Fotos.
Total geschafft - ein Lesestündchen im Liegestuhl. Mit Katze.
Viele Bromberen reif - etwas draus machen. 
Toller Himmel - einfach eine Weile anschauen.
Appetit auf Pilzgericht - losghen mit Korb und Messer. 
Und all die Kleinigkeiten mehr.
Die Momente, die das Leben schön machen.
 
Ich wurde erst neulich zu einer regelmäszigen Malgruppe eingeladen.
Da hab ich schon ein wenig überlegt.  
Aber das mag ich eben so gar nicht: 
freiwillige Verpflichtungen, die immer wieder kehren.
Montag Yoga, Dienstag Töpfern, Mittwoch Malen, Donnerstag Tafel (musz sein!),
Freitag Schwimmhalle.. - nein, so mag ich mein Leben nicht!
 
Ich denke, ich bekomme die Balance zwischen Nötigem und
Angenehmem besser ohne dreimonatige To-Want-Liste hin.  
Und darüber bloggen möchte ich auch nicht. 
 
Das mag jede halten, wie sie es für sich richtig empfindet. 
 
 
 

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