Posts mit dem Label Was-auch-immer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Was-auch-immer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 11. April 2026

Frisch gestrichen

 

 


Streicheln Strich und Streichen
Wie sich doch die Worte gleichen
Katzenfell und Kaltmamsell
Hol ich meine Farben schnell
Roszhaarpinsel Dachs und Schlendrian
Das ficht mich doch gar nicht an
Rechnung ist beglichen:
Vorsicht, frisch gestrichen! 
 
*
 
"Frisch gestrichen" war der Impuls der 67.Blognacht mit Anna Koschinski. 
Ich habe so oft in diversen Blogs von dieser Nacht gelesen.
Gestern Abend war ich erstmal live dabei.
Allerdings nicht lange, denn ich bin absolut kein Abendmensch und derzeit noch krank dazu.
Ich fand diese Runde aber sehr schön und vielleicht kann ich in Zukunft 
doch auch mehr dabei mitmachen(?)
Allerdings hab ich irgendwelche technischen Probleme: ich habe 
rein akustisch fast nichts verstanden.
Diese Situation mit Kamera und Mikro ist für mich noch ganz neu
und es ging mir neulich schon mal genauso: beim Gruppentreffen von LittleWorld .
Ich führte das allerdings eher auf die Nicht-Muttersprachler zurück.
Gestern waren es aber Muttersprachler und es war gensauso - 
irgendwas hab ich da noch nicht richtig hinbekommen. Mit Zoom-Meetings
und ählichen Dingen habe ich ja bis jetzt keinerlei Erfahrung. 
 
 
Mehr als eine kleine Sofort-Poesie ist es allerdings nicht geworden bei mir.
Ich weisz, man sollte einen längeren Text schreiben.
Vielleicht nächstes mal!
 
 
 
 
 
 

Samstag, 28. März 2026

Tagessätze. Zehr-Rationen.

 
 
 
 
 

Sonntag

Tiefe Nacht.
Ich war kurz auf und will mich
wieder hinlegen.
Da mauzt es auffordernd vom Schaffell.
Da ist noch einer wach und will 
gestreichelt werden.
Gibt es öfter, 
diese nächtliche Kuschelrunde.
 
 
Montag
 
Wort des Tages: Raffkraft.
 
Wenn die ganze Familie incl. (fast) erwachsener Kinder
beim Foodsharing anrückt und sich dann so
um die Kisten herum positioniert,
dasz niemand sonst mehr herankommt:
ja dann haben sie einfach mehr Raffkraft als Einzelne,
die somit leer ausgehen.
Oder den letzten Beutel restlos verfaulter Möhren
einpacken können, von dem auch nach Abwaschen und Sortieren 
nur noch Kompost übrig bleibt... 
 
So läuft es seit eineinhalb Jahren 
und besagte Familie läszt keine einzige der sieben Abholungen
im Laufe der Woche aus.
Es sei denn, sie sind gerade im Urlaub
(nein, arm sind die nicht, 
aber Foodsharing ist ja auch kein soziales Projekt).
Als es noch etliche Kisten mehr gab,
 fiel das nicht so stark ins Gewicht als jetzt,
 wo nur noch 2-3 Kisten ankommen.
Von Fair-Teilen kann jedenfalls keine Rede sein dort. 
 
 
Dienstag
 
Die SPD steht auf und richtet das Krönchen.
Formuliert ihre Ziele neu.
Für Menschen mit 3000-4000 Euro pro Monat
das Leben besser zu machen.
Also da fühle ich mich nicht abgeholt mit meinem Fünftel
dieser 3000 Euro.
Aber ich bin ja auch Rentnerin.
Warum sollte sich die Partei der Arbeiter
für mich interessieren? 
 
Die Frage ist nur: gibt es diese Arbeiterschaft eigentlich noch, 
für die die SPD immer stand? 
Wer sperrt die Partei denn endlich mal
in eine Museumsvitrine ein?! 
 

 Mittwoch

Türkische Taube, bist wieder da. 
Heute morgen hörte ich erstmals
Deinen Ruf und freute mich.
Warst Du in Mekka
oder wo
hast Du den Winter verbracht?
 
 
Donnerstag
 
Schicksal, Trübsal, Labsal Mühsal, Drangsal... 
Alte Worte,
als Kind in Bildern gedacht.
Das war wie ein Seil oder ein starkes farbiges Band,
das mich da immer an irgendwas festhielt.
Denken eigentlich alle Kinder in Bildern?
Schatz tat es auch.
Ich eigentlich heute immer noch.
 
 
Freitag 
 
Das Genie beherrscht das Chaos.
Ich bin kein Genie, aber ich arbeite daran.
Also am Chaos. 
 

 *

Ein Tagessatz ist das, was ein Bürger ohne festen Wohnsitz ( Amtsbezeichnung),
 also ein Unbehauster, ein Trebegänger, ein Berber, wie sich viele 
selbst bezeichnen... vom Sozialamt bekommt. Wenn er sich dort meldet.  
Nicht alle tun das. Gültige Papiere sind Vorraussetzung.
Wer sich meldet, bekommt die Zehr-Ration für einen Tag. 
Das Geld zum Verzehren, zum Überleben. 

Ein Tagessatz kann aber auch Wörter haben.
Zum Zehren.  Zum Überleben. Oder einfach zum Sagen. 
 
 

Montag, 23. März 2026

Tun sie dies, wenn...

 

 


 

Ja, ich habs mal wieder getan. Habe es mir angetan!
Obwohl ich den Schmu eigentlich kenne - 
 
Ich wollte nur einen Artikel lesen. Hatte nichts mit Gesundheit zu tun.
Aber trotz Zustimmung zu Werbung ging das nicht wirklich.
Ging nicht bis zum Schlusz.
 
Dafür die ewigen Anzeigen "Tun sie dies...und: wie ein kleines Ritual
am Morgen ihre xxxxxx nachhaltig verbessert."
Draufgeklickt.
Sehen sie sich unbedingt dieses Video an!
 
Ja, ich habs durchgehalten, obwohl der Tonfall eher zum Wegklicken war.
In meiner Studienzeit in Havard ...
Der Typ sieht nicht aus, als ob er je in Havard oder wenigstens 
in Kleinmachnow studiert hätte. 
Daran ändert auch der weisze Kittel nichts.
Aber wahrscheinlich ist er eh nur eine KI-Schöpfung.
 
 ...machte ich diese schockierende Entdeckung...
Ja ja, aller 60 Sekunden die nächste schockierende Entdeckung.
Oder kommt mir das nur so vor, weil alles gefühlte
hundertmal wiederholt wird? 
 
Was er erzählt, mag ja nicht falsch sein.
Einige Kräuter. Selen und Kalium. Bekannt.
Die Schädlichkeit von Wassertabletten. 
Mir auch bekannt. Nehme ich nicht. 
Stellen sie sich vor, was da im Körper passiert!
Welch Wunder, dasz ich noch lebe - - - 
Die Gefahr von Pflanzenöl.
Naja, ich kann ja mit Butter braten.
Was dann wieder anders gefährlich ist.
Und sowieso ist das überall drin.
Das ist wie mit Gluten oder Transfetten:
zur Vermeidung kann man dann eigentlich gar nichts mehr essen. 
Auf eine Insel ziehen und alles selbst anbauen/herstellen... 
 
Aaaaaaaaaaber: wir wissen Rat. 
Wie schön!
 
Es läuft am Ende auf einen Kauf hinaus. 
Zwischen 55 und 240 Euro, dann portofrei 
und bei jeder Packung 10 Euro gespart.
Ist das nicht toll? 
 
Und wo bleibt jetzt eigentlich das kleine Ritual?
2 Minuten jeden Morgen... 
 
Selber schuld, sich das Gelaber bis zum Ende anzuhören!
Diese Videos haben natürlich keine Vorspulfunktion.
Naja, ich hatte wohl Langeweile.
 
* 
     

Der Schlimmste von allen war damals Dr. Hittich.
Der schickte Briefe in einer optischen Erscheinung,
dasz ich ihm am liebsten eine gute Werbefirma empfohlen hätte.
Null Ästhetik, dämliche gelb unterlegte Zeilen.
Und ständige Panikmache:
der grosze grüne Wurm in meinem Magen...
 
Ein Wunder, dasz ich überlebt habe.
Auch ohne Dr. Hittich.
Den es zum Glück nicht mehr zu geben scheint.
Möchte nicht wissen, wie vielen Rentner:innen er Monat für Monat,
Jahr für Jahr die gesamte Rente aus der Tasche gezogen hat.
Mindestens eine davon traf ich lange Zeit bei der "Tafel". 
 
 
 
 

Sonntag, 15. März 2026

Tagessätze. Zehr-Rationen

 

 Montag (16.2.)

Zuckerschnee versüszt die Dächer
für einen sanften Wochenbeginn. 

 

 Mittwoch

Мокрый снег во дворе
und über mir 
der Schneegänse Ruf
läszt den Himmelsdom 
erahnen
so hoch, so weit.
Nichts davon zu sehen. 
 
 
Donnerstag
 
Ich gehe zur Tafel, wie alle zwei Wochen.
Um etwas zu bekommen, ist ein Sozialpasz Pflicht.
Den stellt das Sozialamt aus, nach eingehender Bedürftigkeitsprüfung. 
Tolles Amtsdeutsch immer.... 
Ich musz meinen Rentenbescheid und alle Belastungen nachweisen.
Das Amt heftet sich meine Kontoauszüge ab.
Das ist demütigend - sie könnten sie doch auch einfach
in meinem Beisein kontrollieren und mir dann zurückgeben - 
Jedenfalls, das wird gründlich und regelmäszig geprüft.
Bisher reichte das dann aber aus.
Nun digitalisiert die "Tafel" und speist alle ein in ihr System.
Zwecks dessen verlangt auch sie nun noch zusätzliche Nachweise von mir.
Datenschutz gilt nicht für Arme.
Wenns mir nicht paszt, könne ich eben nichts mehr bekommen -  
 

 Sonntag

Die linde Luft ist angekommen
ein Pelargonienblatt liegt auf dem Boden
der Himmel weint 
 
 
*****************************************************************************
Später weiter - wieder 10 Tage ausgelassen -  ich schaffe es oft nicht...
 
 Freitag
  
Das Land ist Jahrtausende alt.
Die heutige Kultur in 1400 Jahren gewachsen.
Da kommt ein Verrückter daher
der die Welt zu seinem Spielplatz erklärt
und bombt das Land kaputt.
Steckt die ganze Region in Brand. 
Einfach so.

Ich werde täglich fassungsloser -  


Sonntag 
 
Life ist short - eat dessert first
denkt sich neuerdings das Katzentier 
und verlangt die morgendlichen "Dreamis" 
vor dem Näpfchen Fleisch.
Musz ich mir Sorgen machen? 
 
 
Montag
 
Ein Bild in der Zeitung:
bei Teheran brennt das Öl.
Eine Reihe Leute steht da mit ihren Handys
um das zu filmen.
Schon in der Ukraine posierten sie 
vor ausgebrannten Panzern.
Ist Krieg nur ein Event?
Ich bin zutiefst befremdet. 
 
 
Dienstag 
 
Amsel.
Regenvogel.
Wirtschaftet im efeubewachsenen Hof.
Sammelt trockenes Laub aus dem Efeu
wendet jedes Blatt einzeln hin und her.
Wirft es dann hinaus aus dem Efeu
so dasz ich es auffegen kann.
Schwarze Helferin mit der tollen Stimme.
Gerne schaue ich dir stundenlang zu.
Hinterm Küchenfenster verborgen.
 
Hab dir dein Bad gleich sauber gemacht. 
 
 

Freitag

Wir machen groszen Gartentag.
Das Katzentier schaut zu 
wie ich
Wintergestrüpp beseitige
Durchgänge schaffe 
Katzenwege wieder wegbar mache
und lang vergessene Sitzplätze 
wieder sitzfähig.
Wo ich Kräuter schneide 
riecht es lecker
so dasz es sich erst einmal 
drin wälzen musz
und es macht den letzten 
kümmerlichen
winterüberlebten Rest 
des Katzengamander 
nun auch noch nieder.
Werd ich wohl neu anpflanzen müssen.
Die Freude mach ich dem alten Herrn
doch gern! 
 
 
Samstag
 
Ich gönne mir ein Baguette. 
Eingeschweiszt und vorgebacken.
Lange haltbar. 
Nur noch kurz in den Ofen zu tun.
Es riecht fast wie frisch und ich denke zurück
wie wir Kinder in den Sechzigern
morgens zum Bäcker geschickt wurden. 
Die Schlange stand schon früh halb sieben.
Im Konsum gab es auch Brot und Brötchen
(und den Spruch "Dumm wie ein Konsumbrot!")
aber bei den wenigen Privatbäckern waren sie besser.
Unermüdlich zählte die Bäckersfrau noch warme Brötchen 
in mitgebrachte Stoffbeutel und Körbe.
Plastetüten hatten wir damals noch nicht 
(und so heisz, wie die Brötchen noch manchmal waren - ).
Ein einfaches Brötchen Fünf Pfennig, ein Fettbrötchen Sieben,
die Semmel für Zehn - schnell waren die Körbe leer.
Dann stockte es, bis der Bäcker aus der Backstube kam 
mit einem Brett voller Brötchen und den Korb wieder füllte.
Hmm, hat das immer geduftet! 

*

Ein Tagessatz ist das, was ein Bürger ohne festen Wohnsitz ( Amtsbezeichnung),
 also ein Unbehauster, ein Trebegänger, ein Berber, wie sich viele 
selbst bezeichnen... vom Sozialamt bekommt. Wenn er sich dort meldet.  
Nicht alle tun das. Gültige Papiere sind Vorraussetzung.
Wer sich meldet, bekommt die Zehr-Ration für einen Tag. 
Das Geld zum Verzehren, zum Überleben. 

Ein Tagessatz kann aber auch Wörter haben.
Zum Zehren.  Zum Überleben. Oder einfach zum Sagen. 
 
 
 

Sonntag, 15. Februar 2026

Tagessätze. Zehr-Rationen.

 

Ich weisz nicht, warum ich dieses Projekt nicht damals weitergeführt habe. 
Die noch vorhandenen Einträge sind von Ende August.
Es geht immer so vieles im Alltag unter. Im grauen Alltag ;)
Jetzt, im Winter, ist er grau im wahrsten Wortsinn, aber vielleicht
sollte ich meine Tagessätze endlich einmal weiterführen?
Trotz des Graus. Oder gerade deshalb? 
Und mal sehn, wie lange ich diesmal damit durchhalte!  
 
Das sind die alten Einträge: 
 

Montag

Im Traum läuft ein Dackel im Schwimmbad herum.
Mein Schwimmbrett liegt am Beckenrand.
Er schnappt es sich und läuft davon.
 
Paar Tage später begegne ich ihm in der Stadt: er plagt sich
noch immer tapfer mit meinem Schwimmbrett herum.
 
 
Dienstag
 
Im Garten ist Herbst. Tiefe Trockenheit.
Nicht einmal der Giersch will wachsen. 
Im Fangkorb des Rasenmähers mehr trockenes Laub
als Gras - es war sowieso erst das dritte mal diesjahr,
dsaz ich überhaupt gemäht habe.
Nachmittagsstille im Faulenzer.
Amsel beobachtet, die Nachfischerei nach dem Mähen betreibt.
Kommt bis auf zwei Meter heran,
die schlafende Katze auf mir stört sie überhaupt nicht.
 
Mittwoch
 
Sommerhitze flirrt.
Noch einmal der Sommer zurück mit aller Kraft.
Über mir im Blauhimmel ziehn Wolken auf,
geformt wie die Kuppeln einer Moschee.
Ich träume mich nach Mekka.
"Das Halsband der Tauben". *
 
*Buchtitel 
 
 
* * * * * * * * * 
 
Jetzt weiter mit der aktuellen Woche: 
 
Sonntag
 
Ein wahrhaft fürstliches Frühstück.
Salatbox mit Chilisauce und Pulled Pork.
Eine Croissantstange mit Tomatenfüllung, 
ich weisz nicht, ob die einen bestimmten Namen hat - jedenfalls
war ich gestern Abend beim Foodsharing sehr erfolgreich.
 
Da geht mir ein Satz durch den Kopf, aus irgendeinem Kinderbuch,
das ich früher gelesen habe. Ein armes, hungriges Kind bekam ganz
unverhofft etwas Leckeres zu Essen und dachte bei sich:
"Sowas essen die Engel im Himmel nun jeden Tag"
 
Denke ich öfter. Mit Dankbarkeit.
 
 
Montag
 
Morgendliche PC-Sitzung. 
Erfahren, was in der Welt geschah.
Der Newsletter des Tagesspiegels trägt den Titel
Morgenklage 
Ach nein - da hab ich mich doch glatt verlesen! 
 
 
Mittwoch
 
chao-tisch
 

 
 Donnerstag
 
 Frühe Vögel in
Dunkelheit und Regen singend
mein Katz musz hinaus
 
 
Freitag
 
Weisz auf den Dächern
Kälte bohrt sich in die Haut
Frühling wo bist du 
 
*
 
 
Ein Tagessatz ist das, was ein Bürger ohne festen Wohnsitz ( Amtsbezeichnung),
 also ein Unbehauster, ein Trebegänger, ein Berber, wie sich viele 
selbst bezeichnen... vom Sozialamt bekommt. Wenn er sich dort meldet.  
Nicht alle tun das. Gültige Papiere sind Vorraussetzung.
Wer sich meldet, bekommt die Zehr-Ration für einen Tag. 
Das Geld zum Verzehren, zum Überleben. 

Ein Tagessatz kann aber auch Wörter haben.
Zum Zehren.  Zum Überleben. Oder einfach zum Sagen. 

Sonntag, 6. Juli 2025

Tagessätze. Zehr-Rationen.

 
 
 Montag
 
Die Dreamies (Katzen-Leckerli) sind in einem fest
verschlieszbaren Gläschen.
Die gibt es nur abgezählt und einzeln serviert.
Bis mir das Gläschen aus der Hand rutscht. 
Der Inhalt verteilt sich übers Bett.
Die Katze hats gefreut, dasz so ein Füllhorn ausgeschüttet wurde.
 
 
Dienstag
 
Hitzetag.
Das Bad ist unbenutzbar. 
Шум до небес - Lärm bis zum Himmel.
 
 
Mittwoch
 
Heut hab ich Hitzearrest.
War früh um Sieben drauszen und selbst das war schon
einfach zu brutal heisz.
37° im Schatten und die Sonne scheint unerbittlich 
als wolle sie alles verbrennen.
Sogar zum Denken ist es zu warm.
Also wische ich endlich Staub und mache alles gründlich rein.
Etwas, das sonst immer liegen bleibt.
 
 
Donnerstag
 
Ein dünnes leises Plätschern in die Regentonne
klingt wie Musik für mich.
Ich scheuere fix im Morgengrau die Tonne sauber
in der Hoffnung auf frisches Wasser.
Derweil grölt das alte Katzentier lautstark im Hof herum,
weil es seine morgendliche Aufmerksamkeit nicht bekommt. 
 
(weiteres Wasser gab es dann aber nicht)
 
 
Freitag 

Bedeckter Morgen. Leichter Wind.
Riffelt die ruhige Wasserfläche im Bad.
Eintauchen. Das Muster zerstören.
Ein eigenes schaffen.


Samstag

Blätterfall aus dem Efeu.
Stark wie ein Baum.
Herbstrascheln.



*
 
Ein Tagessatz ist das, was ein Bürger ohne festen Wohnsitz ( Amtsbezeichnung), also ein Unbehauster, ein Trebegänger, ein Berber, wie sich viele selbst bezeichnen... vom Sozialamt bekommt. Wenn er sich dort meldet.  
Nicht alle tun das. Gültige Papiere sind Vorraussetzung. Wer sich meldet, bekommt die Zehr-Ration für einen Tag. Das Geld zum Verzehren, zum Überleben.

Ein Tagessatz kann aber auch Wörter haben.
Zum Zehren.  Zum Überleben. Oder einfach zum Sagen.

Samstag, 21. Juni 2025

Tagessätze. Zehr-Rationen

 

Montag
 
Achtundzwanzig Paar Schuhe aussortiert.
All die hübschen Pumps und Ballerinas in den besonderen Farben.
Die ich ganz selten mal - zu einem bestimmten Kleid - getragen hab.
Ich hatte sie wohl 20 Jahre - einige viel länger schon -
und meine Füsze sind derweilen  leicht gewachsen .
Fair ist das nicht! Nun musz ich sie alle weggeben.
An den Füszen nimmt man ja auch nicht wieder ab,
also ein Kleidungsstück könnte wieder passen wenn ich diszipliniert bin.
Bei Schuhen keine Chance. Nein, das ist nicht fair! 
 
 
 
Dienstag 

Sommermorgen.
Eintauchen ins kühle Wasser.
"Wie Seide" meint die Frau, die ich vom Schwimmbad kenne.
Wie recht sie hat!
Dankbarkeit, wenn ich das haben kann.

 
 
Mittwoch
 
Kulturkirche. Übel zugerichtet: das wundervolle Flair der Barockkirche
durch grauenhaft-spieszige Polstersessel zunichte gemacht.
Denkmalgeschützte Teile erhalten, aber durch Einbauten gründlich verhunzt.
Nie wieder will ich das sehen müssen! 
 
Heute schaue ich mir das öffentliche Training einer Ballettschule an.
Hat mich neugierig gemacht.
Die Mädchen - private Einzelschülerinnen - geben sich sehr viel Mühe.
Bei einer Lehrerin, die dabei so gut wie nichts korrigiert.
Es ist auch nichts falsch daran, was sie gelernt haben.
Doch ziemlich vieles fehlt. 
Zwei Takte bewegt sie sich, secht Takte steht sie still. Wie im Turnunterricht.
Ich vermisse die flieszende Bewegung, das Aufgefangen-Werden 
und Sich-Hineingeben in die Musik. Das macht ja gerade den Zauber.
Eine Übung geht über in die Nächste, so läuft das gewöhnlich beim Exercise. 
Kurze Pausen nach längeren Bögen.
Hier wirkt alles stückig und abgehackt. 
Dann graziles Trippeln quer über die Bühne. Digitale Orchestermusik. 
Sprünge werden nie ausgeführt, höchstens mal angedeutet,
wie ein Ballettmeister das während der Probe so macht. Wenn er erklärt.
Dabei haben Kinder eine natürliche Spungkraft und auch Spasz an Sprüngen.
Warum wird das nicht genutzt? Mir unverständlich.
Dasz Ballett auch Schweben und Fliegen ist...kommt hier nicht zum Ausdruck.
Wird offenbar kaum vermittelt.
Tüllröckchen und glänzende Schuhe sind wohl das Wichtigste dabei. 
 
 
 
Donnerstag 
 
Fronleichnam. Sakraler Garten.
Setzt an zum ganz groszen Geläut.
Ein Heer vonGlockenblumen in Blau, Lila, Weisz.
Mönchsgrasmücke singt dazu die Litanei. 
 
 
 
Samstag
 
Morgen am Teich. Abstecher einer Einkaufsfahrt.
Noch tief stehende Sonne vergoldet das Schilf.
Alles ist zugewachsen, Wasser ist kaum noch zu sehn.
Wo sind all die Frösche geblieben?
Seblst die Weiden am Weg dürsten.
Wo steckt die Weidenhexe, die hier mal
Regenzauber wirkt?
 
 
*
 
 
Ein Tagessatz ist das, was ein Bürger ohne festen Wohnsitz ( Amtsbezeichnung), also ein Unbehauster, ein Trebegänger, 
ein Berber, wie sich viele selbst bezeichnen... vom Sozialamt bekommt. Wenn er sich dort meldet.  
Nicht alle tun das. Gültige Papiere sind Vorraussetzung.
Wer sich meldet, bekommt die Zehr-Ration für einen Tag. Das Geld zum Verzehren, zum Überleben. 

Ein Tagessatz kann aber auch Wörter haben.
Zum Zehren.  Zum Überleben. Oder einfach zum Sagen. 

*

Ich schaffe es nicht immer, etwas vom Tag aufzuschreiben.
Daran musz ich mich erst gewöhnen - ich hab so etwas noch nie gemacht...

Samstag, 31. Mai 2025

Tagessätze. Zehr-Rationen.

 

 

Sonntag

Aus den Dingen schwindet die Wärme.
Lese ich bei Andrea Karimé.
Manchmal schwindet auch einfach der Strom.
Wie hier und heute morgen. PC-Leiste defekt.
Manchmal haben auch Gegenstände 
längst Rente verdient und sie wollen nicht mehr.
Ersatz zu beschaffen wird nicht so schwer.
Dinge sind austauschbar.
Menschen sind es nicht.
Was, wenn die Wärme schwindet?
 
 
 
Dienstag 

Baldrianstaude zu Füszen.
Blüht schon fast.
Und dieser grosze Frauenmantelbusch.
Katze auf dem Schosz.
Schwarz auf violetter Decke.
Schläft ganz fest.
Buch ausgelesen.
Nicht aufstehn.
Katze nicht wecken.
Dunkle Wolke beobachten.


Mittwoch

Monatsende. Leergut zählen.
Noch einen Coupon vom letzten mal finden. Freu.
Für Katzenfutter reicht es.
Rückweg am Teich vorbei.
Atempause.
Vergebens erhofftes Froschkonzert.
Dafür Nieselregen. Noch erhoffter fast.
 
 
 
Freitag
 
Ein Hochsommertag mit Blauhimmel.
Altag geschafft.
Stiller Spätnachmittag im Garten.
Betörender Duft von Baldrianblüten.
Zum ersten mal riechen.
 Letztes Jahr hier ausgepflanzt.
Nicht der Katzenduft der Wurzeln,
sondern fast wie ein tolles Parfüm.
So eins würd ich mir wünschen.
Katze schläft auf mir, träumt und zuckt mit den Ohren.
Eines nur fehlt heute:
der Krach vom Schwimmbad, der an solchen Tagen
immer bis hier rauf zu hören ist.
Bad ist und bleibt verschlossen.
Nur Bül Bül singt ein kurzes Lied.
Hat mich noch nicht ganz vergessen.

 
*
 
Ein Tagessatz ist das, was ein Bürger ohne festen Wohnsitz ( Amtsbezeichnung), also ein Unbehauster, ein Trebegänger, 
ein Berber, wie sich viele selbst bezeichnen... vom Sozialamt bekommt. Wenn er sich dort meldet.  
Nicht alle tun das. Gültige Papiere sind Vorraussetzung.
Wer sich meldet, bekommt die Zehr-Ration für einen Tag. Das Geld zum Verzehren, zum Überleben. 

Ein Tagessatz kann aber auch Wörter haben.
Zum Zehren.  Zum Überleben. Oder einfach zum Sagen. 


Samstag, 24. Mai 2025

Tagessätze. Zehr-Rationen.

 

 
Ein Tagessatz ist das, was ein Bürger ohne festen Wohnsitz ( Amtsbezeichnung), also ein Unbehauster, ein Trebegänger, 
ein Berber, wie sich viele selbst bezeichnen... vom Sozialamt bekommt. Wenn er sich dort meldet.  
Nicht alle tun das. Gültige Papiere sind Vorraussetzung.
Wer sich meldet, bekommt die Zehr-Ration für einen Tag. Das Geld zum Verzehren, zum Überleben. 

Ein Tagessatz kann aber auch Wörter haben.
Zum Zehren.  Zum Überleben. Oder einfach zum Sagen. 

*

Freitag

Der Wundervogel Bül-Bül singt in meinem Garten.
Fast wie eine Nachtigall.
Ich weisz nicht, wer er ist und krieg ihn nie zu sehn.
Bül-Bül eben.
 
Mal in der Blutpflaume, mal im toten Pflaumenbaum.
Vielleicht wird der deshalb nun doch wieder grün?
 
Singt ein langes Lied, ist plötzlich fort.
Dieses ewige Warten auf Regen.
 
*
 
Samstag
 
Jetzt ist die Zeit, die Wiese zu mähen.
Die Blätter der Schneeglöckchen sind müde und matt.
Sie haben genug Licht und Wärme getankt.
Ich schneide das Gras und den Giersch, lasse Margariten,
Glockenblumen und Blauäuglein unversehrt. Kleine Inseln.
Eine Taube spricht türkisch mit mir.
Ich mag fremde Sprachen.
Himmelgrau schickt endlich etwas Regen.
ich will nicht unbescheiden sein, aber: bitte bitte mehr davon!
 
* 
 
 Sonntag
 
Der Morgen ist immer Katzenzeit 
die ist zum Schlaf noch nicht bereit
hat den Schwanz zum Haken gelegt
wie ein rechter Winkel. 
Knickschwanz.
Was Katzen so drauf haben eben.
Mrrrrrrrrrrrrr.

 
Montag
 
Schwarze Äuglein der Melone, winzig klein.
Da fallen mir die Kindheitszeiten ein. 
Da waren sie gröszer und viel mehr.
Als Vielauge kam die Melone daher.

Damals war eine Melone ein Ereignis.
Es gab sie nicht im Laden und auch nicht auf dem Markt.
Irgendwann im Sommer stand irgendwo ein Wagen an einer Straszenecke
Melonen wurden von der Ladefläche herunter gereicht.
Die Kunde verbreitete sich wie ein Lauffeuer.
Kinder rannten heim, holten Geld und rannten hin.
Manchmal schon ausverkauft. Ging schnell.
Meist aber glücklich mit der leckeren Kugel unterm Arm.
Wieder rennen.
Tropfen, schmatzen, drauszen essen.

 
Mittwoch

Morgens in der Altstadt.
Das ursprüngliche Katzenkopfpflaster hat man vor Jahrzehnten
entfernt um es jetzt durch pseudo-Buckelpflaster zu ersetzen.
Alptraum nicht nur aller Inlineskater.
Die alte Dame mit dem Rollator kommt vom Blumengeschäft.
Balanciert eine hohe Pflanze darauf.
Ganz behutsam über den Stuckerweg.
Die Freude sieht man ihr deutlich an.


Freitag

Alltag friszt die Worte auf. 
Einfach so.
Erschöpfung bleibt zurück.
Verstummen.
Es steht nicht immer gut um Wegzehrungen.

*


Das ist ein Experiment. Schon lange wollte ich das versuchen.
Ich weisz aber noch nicht, ob ich es weiterführe. Es ist nicht immer leicht, dem Alltag Worte abzutrotzen.
Ich bin kein Wortmensch.  Auch wenn ich Sprachen mag. Bin eher eine Visuelle.
Der langsam aber sicher die Bilder ausgehn. Mit zunehmender Gehunfähigkeit, sprich: Immobilität.

Momentan wenig Neigung zum Bloggen. Kommt noch dazu.
Ich weisz es jetzt einfach (noch) nicht. Ob und wie es weiter geht. Hier im Blog.