Montag (16.2.)
Zuckerschnee versüszt die Dächer
für einen sanften Wochenbeginn.
Mittwoch
Мокрый снег во дворе
und über mir
der Schneegänse Ruf
läszt den Himmelsdom
erahnen
so hoch, so weit.
Nichts davon zu sehen.
Donnerstag
Ich gehe zur Tafel, wie alle zwei Wochen.
Um etwas zu bekommen, ist ein Sozialpasz Pflicht.
Den stellt das Sozialamt aus, nach eingehender Bedürftigkeitsprüfung.
Tolles Amtsdeutsch immer....
Ich musz meinen Rentenbescheid und alle Belastungen nachweisen.
Das Amt heftet sich meine Kontoauszüge ab.
Das ist demütigend - sie könnten sie doch auch einfach
in meinem Beisein kontrollieren und mir dann zurückgeben -
Jedenfalls, das wird gründlich und regelmäszig geprüft.
Bisher reichte das dann aber aus.
Nun digitalisiert die "Tafel" und speist alle ein in ihr System.
Zwecks dessen verlangt auch sie nun noch zusätzliche Nachweise von mir.
Datenschutz gilt nicht für Arme.
Wenns mir nicht paszt, könne ich eben nichts mehr bekommen -
Sonntag
Die linde Luft ist angekommen
ein Pelargonienblatt liegt auf dem Boden
der Himmel weint
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Später weiter - wieder 10 Tage ausgelassen - ich schaffe es oft nicht...
Freitag
Das Land ist 6000 Jahre alt.
Die heutige Kultur in 1400 Jahren gewachsen.
Da kommt ein Verrückter daher
der die Welt zu seinem Spielplatz erklärt
und bombt das Land kaputt.
Steckt die ganze Region in Brand.
Einfach so.
Ich werde täglich fassungsloser -
Sonntag
Life ist short - eat dessert first
denkt sich neuerdings das Katzentier
und verlangt die morgendlichen "Dreamis"
vor dem Näpfchen Fleisch.
Musz ich mir Sorgen machen?
Montag
Ein Bild in der Zeitung:
bei Teheran brennt das Öl.
Eine Reihe Leute steht da mit ihren Handys
um das zu filmen.
Schon in der Ukraine posierten sie
vor ausgebrannten Panzern.
Ist Krieg nur ein Event?
Ich bin zutiefst befremdet.
Dienstag
Amsel.
Regenvogel.
Wirtschaftet im efeubewachsenen Hof.
Sammelt trockenes Laub aus dem Efeu
wendet jedes Blatt einzeln hin und her.
Wirft es dann hinaus aus dem Efeu
so dasz ich es auffegen kann.
Schwarze Helferin mit der tollen Stimme.
Gerne schaue ich dir stundenlang zu.
Hinterm Küchenfenster verborgen.
Hab dir dein Bad gleich sauber gemacht.
Freitag
Wir machen groszen Gartentag.
Das Katzentier schaut zu
wie ich
Wintergestrüpp beseitige
Durchgänge schaffe
Katzenwege wieder wegbar mache
und lang vergessene Sitzplätze
wieder sitzfähig.
Wo ich Kräuter schneide
riecht es lecker
so dasz es sich erst einmal
drin wälzen musz
und es macht den letzten
kümmerlichen
winterüberlebten Rest
des Katzengamander
kümmerlichen
winterüberlebten Rest
des Katzengamander
nun auch noch nieder.
Werd ich wohl neu anpflanzen müssen.
Die Freude mach ich dem alten Herrn
doch gern!
Samstag
Ich gönne mir ein Baguette.
Eingeschweiszt und vorgebacken.
Lange haltbar.
Nur noch kurz in den Ofen zu tun.
Es riecht fast wie frisch und ich denke zurück
wie wir Kinder in den Sechzigern
morgens zum Bäcker geschickt wurden.
Die Schlange stand schon früh halb sieben.
Im Konsum gab es auch Brot und Brötchen
(und den Spruch "Dumm wie ein Konsumbrot!")
aber bei den wenigen Privatbäckern waren sie besser.
Unermüdlich zählte die Bäckersfrau noch warme Brötchen
in mitgebrachte Stoffbeutel und Körbe.
Plastetüten hatten wir damals noch nicht
(und so heisz, wie die Brötchen noch manchmal waren - ).
Ein einfaches Brötchen Fünf Pfennig, ein Fettbrötchen Sieben,
die Semmel für Zehn - schnell waren die Körbe leer.
Dann stockte es, bis der Bäcker aus der Backstube kam
mit einem Brett voller Brötchen und den Korb wieder füllte.
Hmm, hat das immer geduftet!
*
Ein Tagessatz ist das, was ein Bürger ohne festen Wohnsitz ( Amtsbezeichnung),
also ein Unbehauster, ein Trebegänger, ein Berber, wie sich viele
selbst bezeichnen... vom Sozialamt bekommt. Wenn er sich dort meldet.
Nicht alle tun das. Gültige Papiere sind Vorraussetzung.
Wer sich meldet, bekommt die Zehr-Ration für einen Tag.
Das Geld zum Verzehren, zum Überleben.
Ein Tagessatz kann aber auch Wörter haben.
Zum Zehren. Zum Überleben. Oder einfach zum Sagen.
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