Das Thema der gestrigen Blognacht mit Anna Koschinski war "Verplappern".
Ich hab es mir heute morgen erst geholt, denn ich war einfach zu müde,
um da - auch wenigstens ganz kurz - noch persönlich zu erscheinen.
*
Plappern - ein Kleinkind plappert vor sich hin... das ist okay, Kinder machen
das eben so. Und brauchen es für ihre Sprach-und geistige Entwicklung.
Ansonsten hat Plappern für mich keinen so guten Klang.
Ich denke oft und ziemlich resigniert "die ganze Welt plappert",
wenn ich an die Unzahl der vielen Podcasts denke, die es heute so gibt.
Sicher gibt es darunter sehr viele Gute, Lohnenswerte...aber:
wer mag, wer kann sich das alles anhören,
schon rein vom Zeitlichen her?
Und wer hat eigentlich die Nerven, dieses ganze Gerede auszuhalten???
Ich jedenfalls nicht.
Ich hab noch jeden Podcast lange vor Ende ausgeschaltet.
Falls ich es überhaupt erstmal damit versucht hab.
Da merkt man wohl wieder meine Neurodivergenz (Autismus).
Ich lasse mich nur sehr ungern zutexten, vollquatschen etc.
Doch wenn es nur von einem Gerät kommt und nicht von einem direkten
Gegenüber - dann kann ich es wenigstens abschalten!
Das ist der grosze Vorteil daran.
Auch Nachrichten/Interviews etc. lese ich lieber, statt sie zu hören.
Nur weniges ist für mich schlimmer, als unterwegs auf Leute zu treffen,
die dann einen kurzen Plausch anfangen wollen.
Wenn ich Glück hab, komme ich mit "Du, ich habs grad sehr eilig!" davon.
Ich weisz ja eh nie, was ich da sagen oder eben nicht sagen soll.
Das fängt schon bei der blöden Frage "Wie gehts Dir?" an...
und geht munter so weiter.
Das überfordert mich meist restlos.
Ich hoffe immer schnell wieder rauszukommen aus solcher Situation.
Schlimm finde ich die leutseligen Leute, die von sich aus Gespräche anfangen
um die dann immer weiter am Laufen zu halten.
Trotz meiner Einsilbigkeit.
Und die dann meinen, mir auch noch gute Ratschläge geben zu müssen.
Du wirkst so traurig... - nein, verdammt, ich will nur meine Ruhe!
Und am Ende komme ich völlig genervt eine ganze Stunde später
dort an, wo ich hin wollte - ich hab mich mal wieder verplappert!
Ohne es selbst zu wollen, wohlgemerkt.
Ver-plappern, ausplaudern - ja, seufz, wer macht das nicht?!
Das habe ich immer wieder erfahren und nicht selten
hat es mich fassungslos gemacht.
Auch das ist ein Grund, warum ich so ungern etwas sage.
Und im Übrigen, für mich selbst kaum verständlich... bin ich scheinbar
so "anders", dasz das, was mich ausmacht und was ich von
mir vielleicht erzähle, vom Gegenüber offenbar gar nicht verstanden wird.
Und so manches mal begegnet mir das dann in völlig verdrehter Form
irgendwo wieder. Wohin es weitergetragen wurde.
Noch nicht mal in böser Absicht.
Nur aus Verständnislosigkeit.
Das ist für mich zutiefst verletzend und entmutigend zugleich.
Schon allein deshalb mag ich keine Gespräche führen.
Nicht mit Menschen, die ich nicht so gut kenne.
Höchstens mit solchen, von denen ich weisz,
dasz sie mich richtig verstehn und meine Gedanken, Wahrnehmungen
und Gefühle richtig einordnen können.
Zugegeben, das sind nicht allzu viele.
Aber im Grunde reichen die mir auch.
Ich mag echte Gespräche: einander verstehen und durchdenken,
warum der andre vielleicht genau die umgekehrte Meinung hat.
In die Tiefe gehn. Gemeinsam schweigen.
Statt ewig zu reden, nur um des Redens willen.
Etwas, das heute in der Gesellschaft immer mehr aus der Mode kommt.
Da gibts scheinbar nur noch Reden und ganz fixes Aburteilen,
In-Schubladen-Stecken, wenn der andre eine konträre Meinung hat.
Da wird nicht mehr wirklich zugehört. Hingehört. Bedacht.
Wie es so nötig wäre.
Mir macht diese Entwicklung ganz viel Angst.

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