Zugegeben: bei der gestrigen Blognacht habe ich wieder
mit Voll-Abwesenheit geglänzt.
Ich hatte gerade ein kuscheliges Date mit meiner Katze.
Der Sommer ist vorbei, sie ist wieder mehr im Haus und sowieso
ist diese Stunde, kurz vor dem Schlafengehen, immer "unsere" Zeit.
Da mochte ich nicht einfach die Tür schlieszen und sie aussperren.
Für Nichtkatzenbesitzer ist das vermutlich jetzt eine
besonders dumme Ausrede ;)
Der Impuls ist diesmal "Freizeichen".
Und da denke ich natürlich an mein gestörtes Verhältnis zum Telefon.
Naja, einen gleichnamigen Roman von Ildiko von Kürthy gibt es auch noch,
aber diese Bücher liegen mir so gar nicht.
Also: Telefon und ich - das geht so gut wie garnicht.
Aus uns wird kein Paar!
*
Nun komme ich aus einem Land, wo es völlig unüblich war, dasz Normalbürger
ein Telefon besaszen - das war Vorrecht der Funktionäre und sonstigen wichtigen
Leute, wie z.B. Ärzten und Klempnern.
Nach vielen Jahren der Wartezeit bekam meine Oma ein Telefon,
dafür hatte sich der Blindenverband vehement eingesetzt.
Ansonsten: Null Chance!
Hat mich aber nicht weiter gestört.
Wenn man wirklich mal telefonieren muszte (mit Firmen oder Behörden),
ging man zur Telefonzelle, warf drei Groschen ein, wählte und dann ertönte das
Freizeichen.
Oder auch nicht, denn oft waren die Geräte kaputt oder gerade besetzt
und manchmal stand da auch eine Schlange vor der Zelle.
Das förderte dann die ungeplante Kommunikation.
"Sozialistische Wartegemeinschaft" nannte man die Schlangen,
derer es nicht wenige gab.
Hatte man darauf keine Lust, ging man zur nächsten Zelle weiter (viele gab es
davon gerade nicht) und so kam man gleich zu einem Spaziergang.
War alles ganz easy und wenns wirklich mal dringend war,
wurde einfach ein Telegramm verschickt.
Muszte man natürlich zum Postamt laufen.
Oder wir zur Oma.
Erst als ich in der Lehre war, lernte ich die Nervigkeit eines unerwartet
klingelnden Telefons kennen.
Die Lehrwerkstatt hatte nämlich eines und das klingelte öfter.
Die ältere Meisterin sasz oft gerade an einer komplizierten Arbeit und
konnte nicht immer so schnell aufstehen. Also rief sie "Geht doch mal einer ran!"
Ich flüchtete meist sofort aufs Klo, um nicht rangehen zu müssen.
Ich wuszte einfach nicht, was ich da sagen soll so schnell und überhaupt
überforderte mich die Situation, da ohne jegl. Vorbereitung mit einem fremden
Menschen, den ich nicht einmal sehen konnte... Kommunikation zu führen.
(merke: Autisten müssen sich quasie auf jede kleine soziale Situation
vorher einstellen und vorbereiten können, sowas geht nie intuitiv).
Also meist drückte ich mich und ich habe auch selten im Leben jemanden
von mir aus angerufen. Es liegt mir einfach nicht bzw. die Situation
überfordert mich bis heute.
Allerdings musz ich noch sagen, dasz ich die alten Wählscheiben toll fand.
Das war das einzig faszinierende am Telefon.
*
Erst Mitte der 90er wurden wir hier flächendeckend mit
Telefonanschlüssen versorgt. Und dann hatte ich auch eines.
Bis auf wenige Ausnahmen - gute Gespräche mit Menschen, die ich real nie
treffen konnte (z.B. Musiker oder CD-Tauschpartner aus der Gothicszene)
und die meist vorher vereinbart waren... habe ich meine Telefon-Aversion
nie wirklich abgelegt.
Ein klingelndes Telefon bedeutet auch heut noch eine mittlere Katastrophe.
So etwas wie ein Raubüberfall. Ich stottere dann herum und brauche 2 min. bis
ich mich akklimatisiert habe und ein Gespräch führen kann.
Bis dahin hat der andre meist genervt und frustriert aufgelegt - - -
Auch die Tatsache, mal einen Telefonjob gemacht zu haben, hat daran
nichts geändert. Denn im Job spiele ich eine Rolle - das bin nicht ich.
Das ist quasie auswendig gelernt.
Und es klingelte da auch nie unverhofft, denn ich war die ganze Zeit über
im System geschaltet: ergo eine Dienstsituation.
Ich privat kann immer noch nicht telefonieren.
Ausnahme ist mein Schatz, aber auch diese Gespräche
finden meist zu vereinbarter Zeit statt. Sind ein lieb gewordenes Ritual.
Wir leben zwar in der gleichen Stadt, aber in getrennten Wohnungen.
Übrigens nutze ich immer noch diesen uralten schnurgebundenen Apparat,
den Mitte der 90er Jahre kaufte.
Nein, eine Wählscheibe hat er (leider!) nicht mehr. Und auch kein Display.
Dafür macht es aber noch immer ganz einfach nur tut-tut.
Ein Handy habe ich nie besessen und brauche das auch nicht.
Ich würde es einfach nur furchtbar finden, beim Spazierengehen
oder sonst in einer aushäusigen Situation auch noch telefonieren zu müssen.
Auf die übrigen Segnungen eines Smartphones verzichte ich freiwillig.
Ist mir nicht wichtig genug.
*
Zum Abschlusz noch etwas, das ich mal in einer Zeitschrift las.
Die Katze einer Familie liebte es, des nachts, wenn alle schliefen..den Hörer
vom Telefon zu schubsen und auf den Tasten herumzutrampeln.
Offenbar erwischte sie dabei oft die Wahlwiederholung und die Fam. bekam
Beschwerden von Bekannten wegen nächtlicher Anrufe.
Die Katze hat das Tut-tut wohl geliebt.
Gerade in der nächtlichen Stille.

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