"Was bedeutet Wertschätzung von Lebensmitteln für Dich?"
ist das Motto der Blogparade von Anke Cras
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Die Mittel zum Überleben gibt es heute im Supermarkt.
Dort kann man sie kaufen, dazu braucht man Geld.
Also ist auch das ein Mittel zum Überleben, das primärste überhaupt -
Alles ist da. In (Plaste-)Hülle und Fülle, appetitlich angerichtet,
länger haltbar gemacht, unter Schutzatmosphäre verpackt undsoweiter.
Niemand braucht sich mehr einen Fisch zu fangen, ein Wildschwein zu jagen
und zu zerlegen (das machen nicht mal die Paleo-Anhänger so) und die
eigenen Hühner, vielleicht aus der Legebatterie gerettet...dürfen
glücklich picken und in Würde sterben.
Ich könnte kein Huhn töten und rupfen. Und das brauche ich auch nicht.
Das erledigen Groszbetriebe, die oft Gastarbeiter unter widrigsten
Umständen beschäftigen und ausbeuten.
Zur Coronazeit war Tönnies mal in die Schlagzeilen geraten.
Das vergiszt man schnell und die anderen sind auch nicht besser.
Für die Gastarbeiter und ihre Familien in der Heimat
geht es einzig ums Überlebensmittel Geld.
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Auf meiner ersten West-Reise - ich lebte früher in der DDR - in eine kleine
Stadt im Schwarzwald sah ich sie zum ersten mal: die Supermärkte.
Da gab es einen Aldi, Lidl, Edeka und einen riesigen "Multimarkt"
drauszen auf der grünen Wiese. Vielleicht auch noch weitere,
die ich gar nicht entdeckt hab(?)
Ich war total schockiert und fragte mich: wer soll denn das alles essen?
So grosz ist das Städtchen doch gar nicht!
Dieses Überflusz-System war mir sofort zutiefst suspekt.
Bei uns hieszen die Märkte Kaufhalle und sie waren viel kleiner.
Übersichtlicher.
Es gab auch kleine Lebensmittelgeschäfte, (private) Bäckereien,
Fleischer, Gemüseläden.
Die Wege zum Einkauf waren nie weit, da ging man zu Fusz.
Viele hatten sowieso kein Auto. Das brauchte man auch nicht unbedingt.
Am Ende des Tages waren Back-und Frischwaren meist restlos ausverkauft.
Aber wir hatten alle genug zu essen.
Weggeworfen wurde damals fast nichts.
Meine eigene Wertschätzung für Lebensmittel ist eher im Mangel begründet.
Nein, ich meine nicht den in der DDR (der keiner war).
Ich hatte in den Jahren nach der Vereinigung eine schwierige Zeit.
Wo ich wirklich oft Hunger hatte.
Wo ich in Containern nach Eszbarem suchte.
Damals ging das glücklicherweise noch, da wurden sie noch nicht
bewacht oder verschlossen.
Und es hat auch noch kein Markt Chemikalien darüber gekippt,
um Lebensmittel unbrauchbar zu machen.
Heute ist das weit verbreitet.
Das klingt sicher altmodisch, aber solche Erfahrung hat mich geprägt.
Und seither versuche ich, ohne Verschwendung zu wirtschaften.
Bei mir wird nichts weggeworfen, auszer es ist Schimmel darauf.
Da achte ich aber, dasz das möglichst nicht passiert.
Da ich fast ausschlieszlich von Foodsharing und der "Tafel" lebe,
bin ich ziemlich kreativ in der Verwendung der zufälligen Dinge.
Gekocht wird nicht nach Plan und Rezept, sondern nach Zufallsprinzip.
Ich lasse mir eben etwas einfallen, was ich mit dem Vorhandenen
zubereiten kann. Das funktioniert meist gut.
Manchmal musz ich meinem Schatz für Mittag auch absagen,
wenn ich nichts zum Kochen auftreiben konnte.
Aber vielleicht hab ich dafür zwei Kuchenstücke ergattert?
Dann gibts eben gemeinsamen Nachmittagskaffee - irgendwas ist immer da.
Was auf meinen Teller kommt, da denke ich mich nicht allzu sehr rein.
Ich bin ein Genuszmensch. Und dankbar für das, was ich habe.
Es interessiert mich wenig, wenn das unkorrekt hergestellt, mit zuviel
Plaste verpackt ist oder zuviel Zucker enthält.
Kaufen würde ich diese Produkte sicher nicht, aber
solche Auswahl steht bei mir eben nicht an.
Natürlich achte ich auf Gemüse. Wenns irgend geht.
Früher, als ich noch die Wahl hatte... war ich Vegetarierin.
Heute esse ich öfter Fleisch, gedenk der buddhistischen Lehre, dasz man
das, was einem geschenkt wird, auch essen darf.
Das Tier ist dafür gestorben, ändern kann ich das ganze System nicht.
Wenn Foodsharing das Fleisch vor dem Container gerettet hat,
esse ich es mit Genusz und Dankbarkeit.
Bei mir gelten eben andere Korrektheits-Regeln.
Ich lebe auf meine Art gegen Verschwendung.
Ich würde gerne in einem Hofladen einkaufen.
Doch dazu fehlt mir das Geld und vor allem das Auto.
Zu Fusz oder per Rad komme ich da niemals hin und der Bus (falls es
ihn überhaupt gibt) ist viel zu teuer.
Und so bin ich eben auch in keiner Kooperative oder alternativen
Landwirtschaft Mitglied. Das ist immer zu weit weg, das kann ich nie erreichen.
Mein sind dafür die freistehenden Obstbäume oder Beerensträucher drauszen.
Die Pilze im Wald, sofern ich sie mit Sehschwäche noch finde.
Und was man alles so ernten kann im Vorbeigehn.
Auch das hat Wertschätzung und Dankbarkeit verdient.
Was mich heute sehr nachdenklich macht, ist das gesamte System.
Da wird die Milch aus Bayern nach Brandenburg gekarrt zur Verarbeitung.
Die Produkte dann in ganz Deutschland verkauft.
Tiere zum Schlachten viele Stunden in Laster eingepfercht und
über Autobahnen transportiert. Manchmal mehrtägig unterwegs.
Ist das alles wirklich nötig?
Dieses unnütze Leid und dieser gigantische Spritverbrauch?
Ich hoffe, es gibt in Zeiten knapper Treibstoffe endlich mal
ein Überdenken dieser Praxis und eine wirksame Regulierung dafür.
In der DDR war zwar nicht alles besser ;) ...
aber das Prinzip der Lebensmittelversorgung schon.
Unsere kleine Stadt mit ihren umliegenden Dörfern hatte eine Molkerei,
einen Schlachthof, der die kleinen Fleischereien mit Rohmaterial
versorgte (und jeder Fleischer hatte so seine Rezepte - es schmeckte also
durchaus nicht jede Wurst gleich)... Eine staatliche Groszbäckerei für die
Kaufhallen und diverse kleine Privatbäcker zum Direkteinkauf.
Es gab eine Brauerei und zwei Getränkehersteller.
Eine Schweinemastanlage war ca. 40km entfernt, die leerten überall
die Biotonnen und die Hühner-Lege-und Mastställe (genannt Hühner-KZ)
waren auch nicht weit weg.
All diese Produkte gab es dann in unserer Region. Und nur hier.
Das ging alles ohne so viel Spitverbrauch.
Ich erinnere mich als Kind noch gut an die Milchkannenbänke vor einzelnen Gehöften.
Da kam eine Art Tankwagen am Morgen und holte die Milch ab zur Molkerei.
Grundschulklassen machten regelmäszig Ausflüge, mal zu einer LPG oder
zur Molkerei - da wurde den Kindern erklärt, wo die Lebensmittel herkommen.
Damals dachte noch kein Kind, Kühe seien lila ;)
Ich kriege jedenfalls immer noch das Grausen, wenn ich über die heutige
Lebensmittel-Marktwirtschaft nachdenke und den Überflusz in den Märkten sehe.
Es sind auch längst nicht alle, die ihr Nichtverkauftes zur Tafel geben
oder dem Foodsharing überlassen.
In meinem kleinen Rahmen gehe ich sorgsam mit Lebensmitteln um.
Hallo Mascha,
AntwortenLöschendanke für den schönen Beitrag!
Ich kann genau verstehen, was du meinst und ich vermisse die regional unterschiedlichen Wurstsorten und auch die Äpfel, die zwar damals noch am Ende des Winters schrumpelig waren, aber noch Geschmack hatten und nicht nur Glanz.
Bei mir wird auch nichts verschwendet. Dafür ist meine Prägung von früher viel zu stark.
Ich esse keine Fertigprodukte. Schmeckt einfach nicht, wenn man den Geschmack von echten Lebensmitteln kennt.
Lass es dir gut gehen,
Sibylle
Liebe Mascha!
AntwortenLöschenVielen Dank für deine Gedanken zu meiner Blogparade.
Deine Sichtweise gibt einem wirklich viel zum Nachdenken über unser Konsumverhalten. Ich finde deine Gedanken und Handlungsweise sehr inspirierend.
Liebe Grüße
Anke
Auch im Westen war das früher mal so, wie Du es beschreibst. In den 70ern kam dann Real als großer Supermarkt, aber davon profitierten wir in den Anfangsjahren auch nur, da meine Mutter damals im Gebäude gegenüber gearbeitet hat. Ansonsten gab es den kleinen Tante Emma Laden in der Siedlung, den Bäcker, den Fleischer und den Wochenmarkt. Und selbstverständlich auch die Wertschätzung der Lebensmittel.
AntwortenLöschenJa, es hat sich viel verändert. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir im Studium mal Silvester zusammen feierten und Wolfgang mit einem Freund zuvor in die Markthalle ging, um dort exotische Früchte für einen Obstsalt zu kaufen. Sauteuer und dafür auch noch geschmacklos, da viel zu früh für den langen Transport geerntet.
Und heute wird alles lieber unter Folie angebaut, damit die Bauern schneller mit ihrer Ware am Markt sind. Ach ja, und 'regional' ...
Schlimm finde ich, was Du da über die Entsorgung von Lebensmitteln beschreibst. Ich kann mich allerdings daran erinnern, dass es vor langer Zeit mal einen Bericht im Fernsehen über das Thema gab. Und da war das Verhalten der Geschäftleute verständlich. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist. Aber damals mußten die Geschäfte für verschenkte Waren die Umsatzsteuer abführen. Doch vielleicht hatte ich das auch falsch verstanden. Jedenfalls ist es eine Schande, wenn noch eßbare Lebensmittel im Müll landen :-(
Ich glaube, das war früher so mit der Umsatzsteuer. Und es war recht aufwändig, nachzuweisen, dasz man es z.B. der Tafel gespendet hat. Und die Tafel wiederum musz nachweisen, dasz es nur wirklich Bedürftigen zugute kommt. Da haben sich die Regeln längst weiter verschäft zu Ungunsten von Tafel-Besuchern: jetzt reicht nicht mehr der vom Sozialamt ausgestellte Sozialpasz, jetzt kassiert die Tafel selbst auch noch von den Besuchern Einkommensnachweise ein und reicht sie dem Finanzamt weiter (behaupten sie zumindest). Datenschutz natürlich null, aber damit müssen Arme leben (die sich ja schon bei Ämtern völlig nackig machen müssen).
LöschenFür die Märkte hat sich da wohl einiges inzw. erleichtert. Aber trotzdem ist es noch gängige Praxis. Eine Spendepflicht, wie in Frankreich, gibt es in Deutschland noch nicht, obwohl Umweltverbände und ähnl. Organisatoren dies fordern.