Samstag, 4. August 2012

Der Text - nochmal lesbarer -

Herr Holkin

1)
Es war einmal ein grauer Tag.
Er schwebte über den Gemütern.
Er schlich sich grau in jedes Herz,
er nieselte auf Höfen, Gütern,
- Scheunen, und in jedem Geist;
Dort malte er Gedanken grau
Und hob ein Mensch den Blick empor,
So sah er dort kein Himmelblau.

Der Tag war öde, er war nass,
ein Wind fuhr kalt in jede Ecke
er trieb sogar im nahen Wald
die Dachse flugs in die Verstecke.
Er schüttelte in seiner Wut
Die Blätter von den Eichenbäumen
Er schlich sich grau in jedes Herz
Und nieselte selbst in den Träumen.

Ein Tag wie er im Buche steht.
Kein Wesen wollte draußen sein.
So rückte jeder dicht zusammen
Bei Kerzen oder Lampenschein
Und malte dort mit warmen Worten
Sich die grauen Stunden bunt
Und kraulte ganz weltverloren
Mal wieder den Familienhund.

Der schätze das ganz überaus
er wedelte und freute sich
und war gewiss der einzige
der wünschte dass der Tag nie wich.
Doch was den Hund im stillen freute
Das trieb die Menschen schnell ins Warme
Man flüchtete aus diesem Tag
In warme Stuben, Augen, Arme.
So war es, und das ganze Land
Ward stille von dem Menschenlärmen
Und warme Lichter strahlten hell
Aus Fenstern, Augen und Tavernen.
So war der Tag, ich sag es euch.
Der grauste den ich jemals sah.
Er schwebte leis´, mit stillem nieseln
Zur Großstadt, die uns nahe war.


2)
Die Großstadt selbst war groß und grau
Und ragte laut und grau ins Land.
Sie rauchte grau aus vielen Schloten
Und aus Beton war jede Wand.
Kurzum : Die ganze Stadt war grau
Und Hochhausburgen standen dicht.
Obgleich die Stadt voll Menschen war:
Man sah sich an, doch grüsste nicht.

Die Stadt war eine echte Stadt,
war groß und laut und sonderbar
und selbst für jeden Atemzug
gab’s irgendwo ein Formular
das sagte ob man atmen durfte,
wenn ja wie oft, wenn nicht warum.
In dese Stadt zog unser Tag.
Er nieselte, und sah sich um.


Sein Regen wusch den Ruß nicht ab.
Er tropfte hilflos auf die Straßen.
Er pochte an die Hochhausscheiben
Und plätscherte auf Menschenmassen.
In Hinterhöfen blies ein Wind
Und heulte voller Übermut.
Er wirbelte Papier umher
Und von so manchem Kopf den Hut.

Die Stadt nahm diesen Tag still hin.
Sie murrte nicht, sie dröhnte nur.
Die Autos fuhren fort und fort,
durch Pfützen und sie höhnten nur.
Den Regen nahm die Stadt nicht wahr
Sie nahm nur wahr was sie betraf.
In keinem Amt in dieser Stadt
Gab’s einen Wetterparagraph.

So war in dieser grauen Stadt
Der Tag so grau wie ihre Mauern
Man stellte seinen Kragen auf
Und stellte sich den Regenschauern
In dieser Stadt, ich sag es euch,
so anonym und groß sie ist
da richtet unser aller Blick
sich jetzt auf den Protagonist,.
(Ein jeder der dies Stück grad liest
starrt gramgebeugt auf seine Listen
und sagt sich still in seinem Kopf:
Es heißt doch wohl Protagonisten????
Sie haben Recht. Des Reimes wegen
Hab ich das ISTEN weggelassen
Das nennt man dichterische Freiheit.
Drum drauf gesch…ähhh…hoch die Tassen)
3)
Am Stadtrand in der Lerchenstraße
Stand das Hochhaus Sechzehn A
Das innerlich und äußerlich
Nicht anders als die andern war.
Es wohnten hundertfünfzig Menschen
Und etwa 40 Katzen dort.
Man kannte sich vom sehen zwar
Doch scheute man ein jedes Wort.

Man lebte dort, dort liess man leben
es gab kein lächelndes Gesicht,
Es gab kein Grüssen, Hände geben,
und das vermisste man auch nicht.
Man war dort fremd und anonym.
Was auch manch Gauner gut gefiel.
Denn wo einen nichts interessiert,
dort fragt man generell nicht viel.

Herr Holkin fragte ebenfalls
Nicht nach woher und nach wohin..
Das interessierte ihn auch nicht
Es kam ihm gar nicht in den Sinn.
Er war ein unscheinbarer Mann.
War mittelgroß und mittelschlank.
Er hatte kurzes, graues Haar,
er trank kein Bier, war selten krank.
Herr Holkin war ein ganz normaler
Anzugträger, Bürokrat
Der angemessen und diskret,
Stets höflich in Erscheinung trat.
Er arbeitete dienstbeflissen
Im Amt für Liegenschaft und Grund.
Er hatte eine Hochhauskatze
Die schnurrte und hiess Kunigund´.
Und nach der Arbeit ging er gern
Nach Hause wo er Fernsehen schaute
Oder spielte Squash mit Freunden
Denen er sich anvertraute.
Er war ein ganz normaler Mann
Der ganz normale Dinge tat.
Er ahnte diesen Morgen nicht
Welch Abenteuer vor ihm lag.



4)
Es war einmal ein grauer Tag
der schwebte über grauen Straßen
Und rüttelte an Hochhausfenstern
Hinter denen Menschen saßen.

Er trommelte mit Nieselregen
Gegen sie und winkte ihnen
Leise zu mit Wolkenarmen
Und wollte ihre Gunst gewinnen.

Die Menschen aber hoben nicht
Den Blick von ihren Flachbildschirmen
Sie waren da, doch warn sie fort
Und sah´n den grauen Tag nicht stürmen.
Der heulte und grämte sich.
Er hatte sich doch so gefreut
Auf einen Tag in dieser Stadt
Auf Spaß und Action, Land und Leut´

Doch jetzt war alles stumm und leer
Die Stadt war grauer als der Tag.
Herr Holkin sah den Tag nur nicht
Weil er noch still im Bette lag.

„Das kann nicht sein!“, so sprach der Tag
„dass ich vorm Grau der Stadt erschrecke.
Der Ort hier macht mich still und trüb!“
- Ein Wind fuhr heulend um die Ecke.
„Wie schwermütig die Häuser sind,
Mit Fenstern, die zwar helle strahlen
In denen doch nur Leere ist
Und Formulare, Geld und Zahlen.
Ich will an diesem Ort nicht sein,
er macht mich traurig und benommen
und in den grauen Häuserschluchten
fühl ich mich einsam und beklommen.“
So heulte der graue Tag
Weil ihn die Stadt so deprimierte
Und hoffte dass die nächste Zeit
Doch noch was Spannendes passierte.


5)
Jeder Mensch der Katzen hat
Der weiss das Katzen seltsam sind.
Die Katze ist zwar kuschelig
Doch unter uns gesagt: Sie spinnt!
Mal kotzt sie auf den Frühstückstisch
Mal maunzt sie völlig ohne Grund
Dann wieder ist sie lieb und süß
Und dann verprügelt sie den Hund.

Und trotzdem hat man Katzen lieb
Man knuddelt sie und herzt sie gerne
Man nennt sie liebevoll „Minusch“
Und gibt ihr alle Herzenswärme.
Doch wenn man nun einmal bedenkt
Dass sie da draußen Mäuse frisst
Und unter ihrem süßen Fell
Ein gnadenloser Killer ist,
dann mag sich wohl bei manchem Mensch
ein andres Katzenbilde geben,
doch jeder Mensch der Katzen hat
ist seiner Katze stets ergeben.

Kunigund´, die Hochhauskatze,
gähnte kurz und streckte sich.
Sie spreitzte alle viere ab
Sie maunzte, und sie reckte sich.
Sie gähnte und sie streckte sich
Wie Katzen das beim aufstehn tun
Und stiefelte dann kurzerhand
Zu Holkins Bett, auf leisen Schuhen.

Sie war zwar eine Hochhauskatze,
doch ging sie gern auch mal nach draußen
und ganz besonders mochte sie
den Regen und das Sturmesbrausen.
Sie schlich dann gerne durch das Grün
Und lauerte in dichten Hecken
Und so beschloss die Kunigunde
Herrn Holkin erstmal aufzuwecken,
der ihr dann, so war der Plan,
zu allererst das Frühstück brachte,
sie streichelte und niedlich fand
und dann das Fenster offen machte.
Dann würde sie nach draussen gehen
Und all das tun was Katzen machen:
In Hecken lauern, Mäuse fressen
Hunde schlagen….solche Sachen.

Sie sprang zu Holkin auf das Bett,
sie stupste ihn mit ihrer Tatze
und wurde kurz darauf geschnappt
und durchgewuschelt: „Süsse Katze!“
Kunigund´ war kurz davor
Die Niederlage einzusehen
Da sprach Herr Holkin kurzerhand:
„Du willst gewiss nach draußen gehen!
Und weißt du was? Ich komme mit,
bei Regen geh ich gern spazieren.
Und heute ist mein freier Tag.
Was hab ich also zu verlieren?“

Kunigunde dachte sich:
„Na also, alles gut gegangen.“
Und freute sich aufs Regenwetter,
Heckenlauern, Mäusefangen.
„Und die Moral von der Geschicht´“,
so dacht´ die Katze sich im Stillen,
„Auch wenn es nicht mein eig´ner ist,
so krieg ich trotzdem meinen Willen!“



6)
Der graue Tag war müd und still
und nieselte ganz leis´ und traurig
Bürgersteige regennass
Und heulte in den Gassen schaurig.

Er wollte gleich die Stadt verlassen,
so hatte er sich vorgenommen,
die ihn so unglücklich gemacht,
und wollte nie mehr wieder kommen.

„Die Stadt macht alles grau und doof!“,
so murmelte der graue Tag.
„Ich ziehe wieder raus aufs Land,
dorthin, wo man mich gerne mag.“
So nahm er seine Regenwolken
Und wandte sich dem Stadtrand zu,
er nieselte und heulte
und ärgerte sich immerzu.

Am Stadtrand endlich angekommen
Sah er in den Hochhausgassen
Herrn Holkin mitsamt Regenschirm
Und Kunigund´ das Haus verlassen.
Der Tag fand das bemerkenswert
Er donnerte kurz ganz verlegen
Er sah die beiden Wesen an
Und schwebte über grauen Wegen.



7)
Kunigunde mochte es
Dass Holkin mit nach draußen kam.
Sonst ging sie immer ganz allein,
das hatte er noch nie getan
und so beschloss die Katzendame
Herrn Holkin etwas zu begleiten
und würdevoll und königlich
Neben ihm einherzuschreiten.
Sie wandten sich dem Stadtrand zu.
Von dort aus ging ein Weg aufs Land.
Mit Äckern auf der rechten Seite
Und einem Wäldchen linkerhand.
Herr Holkin fand das alles toll
Und liess seine Gedanken schweifen
Und sah die Katze Kunigunde
Neben ihm durchs Wäldchen streifen.

„Ein toller Tag, so frisch und kühl!“,
So sprach Herr Holkin kurz bei sich.
Der graue Tag, der das gehört
Der freute sich ganz fürchterlich.
Er jubelte und donnerte
Weil da ein Mensch war der ihn mochte
Der rauskam und spazieren ging
Wenn Regen an sein Fenster pochte.
„So wird am Ende alles gut!“,
so sprach der graue Tag ins Leere.
Er fühlte sich ganz warm und froh
Und von ihm wich die ganze schwere.
So sann der Tag und freute sich
Und fasste wieder neuen Mut
Und hörte dann Herrn Holkin sagen:
„Hallo? Wer spricht da? Was wird gut?“


8


Der Tag war etwas überrascht
Daß ihn Herr Holkin sprechen hörte,
was diesen ebenfalls verwirrte
und ihn bei dem Spaziergang störte.


Der Tag sprach:“ Öhm…!“, gefolgt von:“ Äh…“
Und sah sich etwas hilflos um.
Er hüstelte einmal verlegen
Und stellte sich dann still und stumm.

Herr Holkin fiel darauf nicht rein,
und wollte wissen wer da sprach.
Drum holte er noch einmal Luft
Und fragte dann sehr deutlich nach:
„Wer hat da grade was gesagt?“,
fragte Holkin in den Regen.
Der plätscherte das Wäldchen nass;
Die Wolken hüstelten verlegen.
„Seit wann können Wolken hüsteln?“,
fragte Holkin in die Gräue.
„Du hast dich sicher nur verhört!“,
das sprach der Tag voll Bauernschläue.
Herr Holkin sah die Sache anders
Und sprach:“ Ich muss doch wirklich bitten!“
Er hatte sich bisher noch nie
Mit einer Wetterfront gestritten.

Der Tag gab nach, denn er sah ein
Er war enttarnt und aufgeflogen
Und erklärte nun Herrn Holkin
Warum er in die Stadt gezogen
Und wie die Reise für ihn war,
die Wärme in den Menschenherzen
die er, der graue Tag gebracht;
erzählte von dem Licht der Kerzen,
und von dem Rauschen in den Bäumen
als sein Wind die Pappeln striff
und wie der Herr am warmen Feuer
relaxt ins Fell des Hundes griff.

( Wovon der, unter uns gesagt,
noch seinen Enkelhunden schwärmte,
Dass er an diesem kalten Tag
Die Füsse seines Herrchens wärmte )

Der Tag erzählte seinen Wunsch
Ein mal nur in die Stadt zu gehn,
zu spürn wie dort das Leben war.
Er wollte Hochhäuser und Kirchen sehn.
„Doch dann sah ich nur grauen Stein
und Ruß und Augen ohne Glanz.
Kein Lächeln und kein warmes Wort
Kein Hallo, keinen Kindertanz.
Es war dort alles stumm und grau.“,
So sprach der Tag leis´ in die Runde.
Herr Holkin sagte:“ Das ist schad!“
Und „Mau“ machte die Kunigunde.


9)
„Warum ist eure Stadt so grau?
Und eure Häuser und Gesichter?
Die ganze Stadt ist kalt und stumm
Und neonfarben eure Lichter.
Sag, wird man da nicht selber grau
Wenn man das jeden Tag erlebt?
Wenn ihr euch nicht einmal im Haus
In dem ihr wohnt ein Lächeln gebt?“

„Du bist doch selber nass und grau.
Und regnest alle Menschen voll.
Sie wickeln sich in Mäntel ein
und sind ganz stumm und sorgenvoll.
Ein jeder flieht vor deinem Blick.“
Herrn Holkin tat der Tag sehr leid.
„Die Stadt ist schön und wuselig
und farbenfroh zur Sommerzeit.
Dann hört man Lachen in den Straßen
und Kinderspielen, Hundebellen
Selbst Vögel zwitschern von den Dächern
und Brunnen sieht man überquellen.
Bei Regen ist doch alles grau.
Und alles stumm, und alles leise.“
Der graue Tag seuftze betrübt.
War das das Ende seiner Reise?

„Ich bin halt nur ein Regentag
und alle laufen vor mir fort.
Ich werde in die Berge ziehen
und donnere und blitze dort.
Ach, wär ich nur ein Sommertag.“
Der Tag war traurig und betrübt.
„Alle würd ich lächeln lassen
von allen würde ich geliebt.“

Herr Holkin sprach: „Ich mag dich auch.
Dein Regen wäscht die Pflanzen rein.
Wie gut es nach dem Regen riecht.
Ich mag nicht immer Sonnenschein.
Im Regen geh ich gerne raus
und wandre durch die stille Welt.
Dann bin ich ganz und gar bei mir
und wie dein Rauschen mir gefällt.
Selbst Kunigunde mag dich sehr
und das, wo Katzen Regen hassen.
Doch Kunigunde geht dann raus,
und spielt im Matsch. Sie kanns nicht lassen.“

Kunigunde machte „Mau!“
Sie fand das durchaus angemessen
und schlich dann leise in den Wald
und wollte ein paar Mäuse fressen.

Herr Holkin sprach zum Tag:“ Pass auf.
Ich glaub ich habe einen Plan..“
Der Tag fand das nicht wirklich schlecht
und sprach zu Holkin:“ Also dann!“



10)
Es war einmal ein grauer Tag.
Er schwebte über einer Stadt
und nieselte die Strassen nass.
Die Menschen hatten ihn so satt.

Der Tag war öde, er war kalt
und Wind schlich heulend durch die Straßen.
Er zerrte an den Regenmänteln
und wehte schaurig durch die Gassen.
Kurzum: Es war ein schlimmer Tag
Die Menschen wollten schnell nach Haus
und hasteten ganz still und stumm
und ohne Worte geradeaus.

Der graue Tag, er regnete
aus schweren Wolken auf die Stadt
und alle Menschen fluchten still
und fühlten sich ganz nass und matt.

Doch dann rissen die Wolken auf.
Ein Sonnenstrahl ganz warm und licht
umflutete die stummen Menschen
und wärmte ihnen das Gesicht.
Er strahlte auf die Häuserdächer
und durch die Tropfen an den Bäumen
und liess wie Diamant sie funkeln
und flutete in allen Räumen,
ergoss sich strahlend in die Stadt
und alle Menschen blieben stehn
und badeten im Sonnenlicht
und lachten im Vorübergehn.

Dann zog ein Regenbogen auf.
Und strahlte übers ganze Land
er leuchtete so bunt und schön.
Der ganze Himmel war entbrannt.

In allen Farben die es gab
erstrahlte er die grauen Strassen
und liess die grauen Regenwolken
und auch den Regen sanft verblassen.

Der Regenbogen war so bunt
und strahlte und war wunderschön
und alle Menschen in der Stadt
verharrten um ihn anzusehn.
Sie hielten sich nicht bei den Händen
um sich das Schauspiel zu besehn
doch manch ein Mensch sprach leis zum andern:
„Ey mann, ist das nicht wunderschön?“

Der Tag blieb allen im Gedächtnis
und alle sprachen oft davon.
Der Regentag, er jubelte
und zog am nächsten Tag davon.

Das Hochhaus in der Lerchenstrasse
War auch am nächsten Morgen grau
Herr Holkin sah dem Tag lang nach
und Kunigunde machte:“Mau!“

- Pugsley -

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