In diesem Monat fragt Erik nach Kommunikationwegen: Brief, email, Chat?
Vor sehr langer Zeit - Jahrzehnten - war ich eine begeisterte Briefschreiberin.
Und natürlich auch genau solche Brief-Empfängerin.
Ob an die Freundin beim Studium oder in ferne Länder - es machte mir einfach Freude.
Telefone hatten die Normalbürger damals nicht (ich rede von 60er - Anf. 90er),
aber das hab ich auch nie vermiszt - ich mag telefonieren bis heute nicht wirklich.
Mit dem Zusammenbruch der DDR verfünffachte sich das Porto (ins Ausland
noch mehr) und ich geriet in eine so prekäre Situation, dasz ich mir
Briefmarken einfach nicht mehr leisten konnte.
Und ich hatte ganz andere Sorgen als Briefeschreiben damals.
So verlor ich alle meine Kontakte.
Wer sich nicht meldet...oder nicht antwortet, wird vergessen.
Erst 2003 bekam ich meinen allerersten - alten aussortierten - PC geschenkt.
Ich hatte davon null Ahnung, aber ich bin gleich ins Internet.
Damals lag überall diese AOL-Software rum und das war dann
auch recht einfach. Nur teuer: ultralangsames Modem und Minutenpreise.
Wer nicht aufpaszte (und manche Anbieter hoben ihre Preise rückwirkend an!)
konnte ganz schnell reinfallen. Also ein Angststück das Ganze und - für mich -
auch wieder eine Art Luxus. Aber ich nutzte meine wenigen Stunden voll aus.
Oftmals durch fixes Trennen der Verbindung, wenn ich eine
Seite/ein Textdokument erst einmal geladen hatte.
Mensch, das kann man sich heute kaum noch vorstellen und doch hab ich das
bis 2013 so praktiziert, erst da kam für mich die Flat und DSL.
Langsam blieb es trotzdem noch viele Jahre.
AOL hatte damals so einen Messenger, der nervte mich tierisch.
Ich habe das Web ja immer nur für Informationen genutzt zu Themen,
zu denen ich keine Fachbücher hatte und auch in der kleinen Biblio hier nichts bekam.
Es war also nie Spiel oder Unterhaltung und Bloggen kam auch erst später.
Da nervte es mich gewaltig, wenn häufig so ein Fensterchen aufploppte und
jemand, der kein Anliegen und nichts zu sagen hatte... mich von der Seite
her anmachte. Ich meine: im Lesesaal der Biblio will ich ja auch lesen
und nicht sinnnlos angequatscht werden!
Ich habe also, sobald ich das technisch konnte, diesen Messenger gekillt.
Und ich habe nie wieder Messenger benutzt, weisz gar nicht, was es
da heute alles so gibt. Interessiert mich auch nicht.
Chatten ist nicht mein Ding. Erstens sind die Chatpartner meist gerade
dann online, wenn ich endlich vom PC verschwinden möchte,
zweitens sind diese Fensterchen und die Schrift immer so klein, dasz ich da
garnix lesen kann und nur blind tippe. Voller Fehler bis zur Unlesbarkeit.
Anders ist es mit emails: das habe ich von Anfang an genossen, dasz man
völlig ohne Zusatzkosten jemanden einen Brief schreiben konnte,
wenn auch nur virtuell. Da haben sich schöne Kontakte ergeben und
eifriger Gedankenaustausch. Das möchte ich nie mehr missen!
Faxe habe ich nie verschickt, dazu fehlte mir immer die Technik.
WhatsApp oder Telegram habe ich nicht, da ich kein Handy besitze.
Vermisse ich auch nicht.
Im dringenden organisatorischen Fall geht auch mal ein Anruf vom Festnetz.
Und unterwegs will ich ja sowieso nicht auch noch telefonieren müssen.
Die Situationen, wo das mal doch ganz gut wäre... sind echt selten.
Das kann ich verschmerzen.
Früher hatten wir sowas ja auch nicht und wir sind nicht schneller
und öfter gestorben deshalb... -
Die Kunst des Briefeschreibens ist mir über die letzten dreiszig Jahre
leider völlig abhanden gekommen. Vielleicht zweimal im Jahr an
Schwiegermama. Aber auch damit tue ich mich schon schwer.
Was ich eigentlich schade finde. Denn ein handgeschriebener Brief
ist gerade heute eine seltene Kostbarkeit.
Und ich denke oft: ich sollte den alten Füllfederhalter wieder
öfter benutzen und diese Kunst wieder üben.
Wäre auch ein guter Vorsatz für dieses Jahr.
Das sinnlose Schreiben von Weihnachts-und sonstigen Feiertagskarten,
auf denen nichts steht als ein kurzer Grusz... habe ich niemals praktiziert.
Und das werde ich auch nie.

Danke für deine Teilnahme. Die Bedeutung des Begriffs Messenger hat sich ein wenig gewandelt. Während früher ausschließlich die Kommunikation von PC zu PC gemeint war, handelt es sich heute hauptsächlich um die Kommunikation zweier Smartphones.
AntwortenLöschenBeim Lesen deines Artikels ist mir eingefallen, dass ich in den 80ern einen französischen Brieffreund hatte. Wir schrieben uns zwei Jahre in der jeweiligen Fremdsprache. Dann schlief der Kontakt ein.