Montag, 22. Oktober 2012

Ein schöner Text

Wenn der Wind weht

Dort unter dem öden Himmel
fallen meine einst begeisterten Träume
toten Vögeln gleich
einer nach dem anderen
zur Erde nieder.

Das Wehen des Windes, hat man das gesehen?
Ob es nicht so ist? Lebt auf dieser Welt ein Riesentier, dessen Puls alle 100 Jahre einmal schlägt, das alle 1000 Jahre einmal atmet, das alle 100 000 Jahre einmal Mahlzeit hält, und ist dieser Wind, der jetzt weht, nicht vielleicht ein Takt des Liedes, das dieses Tier singt, ein Lied, dessen Ende erst in 1 000 000 Jahren ertönt, ist er nicht aus einem solchen Lied nur eine Note (von der unsereiner gar nicht wissen kann, welcher Teil des Ganzen sie ist)? Wir werden es wohl nicht wissen können. Auch wenn ein solches Riesentier lebte, wenn solch ein großes Tier mit einem derart mächtigen Atem ein so großartiges Lied sänge, wir würden es wohl nicht wissen können. Selbst im Traum nicht wissend, dass dies das Lied des Tieres ist, finden wir es zuweilen lästig und zuweilen begeisternd und ab und zu erfreuend und manchmal auch zum Verzweifeln, und so leben wir denn bis zu unserem Tode.
Es gab einen Dichter, der, wenn der Wind wehte, sagte: „Ich habe Lust zu leben.“ Ich möchte Fragen stellen, wenn der Wind weht. Ob in jenem Wind nicht auch ein Tier heranwächst?

Im Mai 1995
Choi In-Suk

aus „Der Brunnen meiner Seele“ Erzählungen
aus dem Koreanischen von Kim Sun-Hi und Edeltrud Kim
Middelhauve 2000

Sonntag, 21. Oktober 2012

Ein nostalgisches Gefühl

Ein Outfit aus Vintage-Teilen
und ein Buch, das ich als Kind geliebt hab:
"Die Prinzessin von China und der Drache
und andere Märchen"
von Johann Fabricius
(Union Deutsche Verlagsgesellschaft
Stuttgart)

Und ich geniesze es dasz man
um diese Jahreszeit noch drauszen
sitzen und lesen kann...





Für mein Gefühl bedingen
bestimmte Orte, Stimmungen, Tage...
auch immer ganz besondere
Kleidung

Und ich überlege fast
ob ich nicht auch noch ein
do-it-yourself-Fashion-Blog
anlegen sollte
für meine Kreationen
und zur Anregung
(nur dasz ich als Model dann
nicht unbedingt geeignet bin - )

Samstag, 20. Oktober 2012

Einfach Blumen aufs Dach...

Und sie blühen noch immer -



(wegen Krankheit und techn. Probleme muszte ich schon wieder Blogpause machen - ich hoffe, ich bekomme bald endlich auch mal ein ordentliches DSL - )

Dienstag, 18. September 2012

Bella Achmadulina

«По улице моей который год...»
По улице моей который год
звучат шаги - мои друзья уходят.
Друзей моих медлительный уход
той темноте за окнами угоден.

Запущены моих друзей дела,
нет в их домах ни музыки, ни пенья,
и лишь, как прежде, девочки Дега
голубенькие оправляют перья.

Ну что ж, ну что ж, да не разбудит страх
вас, беззащитных, среди этой ночи.
К предательству таинственная страсть,
друзья мои, туманит ваши очи.

О одиночество, как твой характер крут!
Посверкивая циркулем железным,
как холодно ты замыкаешь круг,
не внемля увереньям бесполезным.

Так призови меня и награди!
Твой баловень, обласканный тобою,
утешусь, прислонясь к твоей груди,
умоюсь твоей стужей голубою.

Дай стать на цыпочки в твоем лесу,
на том конце замедленного жеста
найти листву, и поднести к лицу,
и ощутить сиротство, как блаженство.

Даруй мне тишь твоих библиотек,
твоих концертов строгие мотивы,
и - мудрая - я позабуду тех,
кто умерли или доселе живы.

И я познаю мудрость и печаль,
свой тайный смысл доверят мне предметы.
Природа, прислонясь к моим плечам,
объявит свои детские секреты.

И вот тогда - из слез, из темноты,
из бедного невежества былого
друзей моих прекрасные черты
появятся и растворятся снова.

- Белла Ахмадулина - 1959

Durch meine Straße, viele Jahre schon,/ hallen Schritte: meine Freunde gehen fort./Das zögernde Fortgehen meiner Freunde/ paßt der Dunkelheit dort hinter den Fenstern.

Die Angelegenheiten meiner Freunde liegen im argen,/ in ihren Häusern ist keine Musik, kein Gesang,/ und nur die Mädchen von Degas/ streichen wie früher ihre blauen Federn glatt.

Sei’s drum, sei’s drum; möge die Angst/ euch Schutzlose nicht aufwecken mitten in der Nacht./ Eine geheimnisvolle Leidenschaft für den Verrat,/ meine freunde, trübt eure Augen.

O Einsamkeit, wie schroff ist dein Charakter!/ Mit einem eisernen Zirkel blitzend,/ schließt du so kalt den Kreis/ und achtest nicht der nutzlosen Beteuerungen.

So rufe mich und belohne mich!/ Als dein verwöhntes Kind, freundlich behandelt von dir,/ werde ich mich, an deine Brust gelehnt, trösten,/ werde mich waschen in deiner blauen Eiseskälte.

Laß mich auf Zehenspitzen in deinem Walde stehen/ und mich am Ende dieser verlangsamten Bewegung/ Blätter finden und sie ans Gesicht heben/ und die Verlassenheit als Seligkeit empfinden.

Schenke mir die Stille deiner Bibliotheken,/ die strengen Motive deiner Konzerte;/ weise geworden, werde ich jene vergessen,/ die gestorben sind oder die heute noch leben.

Und ich werde die Weisheit und die Trauer kennenlernen,/ die Dinge werden mir ihren geheimen Sinn anvertrauen./ Die Natur, sich an meine Schulter lehnend,/ wird mir ihre kindlichen Geheimnisse mitteilen.

Und dann werden aus den Tränen, aus der Dunkelheit,/ aus der armen unwissenden Vergangenheit/ die schönen Züge meiner Freunde/ erscheinen und wieder verschwimmen.

- deutsch von Kay Borowsky 1962 - 









Donnerstag, 6. September 2012

Sommertag

Jetzt ist wieder
die Zeit
der Dankbarkeit
für jeden einzelnen
Sommertag

Ganz bewuszt will ich ihn
genieszen
denn er könnte
der letzte sein
für sehr lange - - -







(Die Fotos hat wieder mein Liebster gemacht)