Ein Gedicht, das ich mag... und das in den November paßt. (Ich hoffe, ich handle mir keinen rechtlichen Ärger ein, wenn ich diese Gedicht hier verwende - alle übrigen Texte und Bilder sind natürlich von mir )
Armut
Ich kann dir keinen Engel dalassen, wenn ich nachts von dir geh. Nur Gott allein weiß noch, wie alles geschah: Irgendwann hab ich vielleicht meinen Engel gekränkt, und irgendwo hab ich ihn vielleicht auch verschenkt, er ist nicht mehr da.
Ich könnte dir nur meine Traurigkeit dalassen, wenn ich geh. Aber es wohnt ja schon deine genügsam im leeren Haus, Und füllt dir die dunklen Stuben und Herzkammern aus, sanft und tröstlich wie die Winterwolke der Schnee.
Was also kann, wenn ich geh, ich dir wirklich dalassen ? Nichts als eine Stunde von meinem Schlaf und den regennassen Abschiedsweg nach dem knarrenden Gartentor, ein par Schritte, die man erst hört, wenn sie fern verhallen, einen späten Stern, dessen Namen mir längst entfallen, und den Nachtwind singend am wachen Ohr.
- Christine Busta -
aus "Der Regenengel", St.Benno Verlag Leipzig, 1978