Heute kann ich meinen Erntedank feiern.
Das kleine Apfelbäumchen hinten auf der Wiese läszt mich nie im Stich – es hat auch diesjahr wieder gut getragen. Habe es vorhin von seiner Last befreit. Sie müssen nur noch etwas nachreifen, dann schmecken sie köstlich…
Die Frau, die mir den einen Korb schenkte, ist letzten Winter verstorben. Sie kann immer zu den Hoflesungen und hinterläszt eine Lücke nun.
Das rote Bändchen, das sie an den Korb knüpfte, lasse ich daran. Und lege eine Schweigeminute ein für Frau E. –
Das werden vielleicht meine einzigen Äpfel bleiben diesjahr.
Drauszen in der Landschaft, wo ich einige freistehende Bäume abernte sonst (nicht EU-genormte leckere alte Sorten!), ist nicht ein Apfel dran. In diesem kalten Frühjahr konnte wohl keine Bíene fliegen.
Auch der Weizen ist verdorben vielerorts. Erst die Trockenheit, dann der ewige Regen. Im Mittelalter hätten wir bald eine Hungersnot.
Aber jetzt hungert man nur noch woanders -

„…Er begriff jetzt erst allmählich, was es hieß, Bauten so bescheiden und aufrichtig wie möglich zu gliedern, frei und sparsam, ohne Ironie; einfach nur mit der Fähigkeit, sowohl Kummer als auch Trost aufzunehmen: ein Haus, das versteht, dass der gesamte Lebenslauf zum Guten oder zum Schlechten umschlagen kann, wenn jemand einfach nur durch den Raum geht. Ein Raum, der fähig ist, seine ganze Stille auf eine einzige Birne zu konzentrieren, die, in zwei Teile geschnitten, auf einem Teller am Fenster liegt. Ein Schulzimmer, so das eine so schöne Form und Lage hast, dass es zu einer Idee wird….
Büroräume mit Alkoven, in denen man laut lesen kann, und viel Platz zum Arbeiten (Platz zum Denken)…“
- Anne Michaels – aus „Wintergewölbe“




Kein Mond erhellt das Dunkel
doch wenn ich hinausschau
leuchten sie weisz
reflektierend das Licht einer Straszenlaterne
im Garten die japanischen Anemonen
Nur das Bild kann ich nachts nicht fotografieren...
In jeder Kindheit gibt es eine Tür, die sich schließt, hatte Mathilde gesagt. Und: nur wahre Liebe wartet so lange, wie wir durch unseren Kummer reisen. Darin offenbart sich wahres Vertrauen zwischen den Menschen. In allen Epen, in allen Geschichten, die viele Lebensalter überdauert haben, ist es immer dieselbe Wahrheit: die Liebe muss darauf warten, dass die Wunden heilen. Dieses Warten müssen wir füreinander leisten, nicht aus Mitleid oder aus Vernunft, sondern einfach so, als wäre Vergebung ein Rendezvous. Wie viele sind bereit, in diesem Sinne aufeinander zu warten? Sehr wenige.
Anna Michaels
aus „Wintergewölbe“
Das alte Haus.
Dunkel darin
und eine besondere Stille
vom Fenster das Licht.
Das Foto unscharf
vewackelt
sollte ich löschen
doch ich lasse es stehn.
Die Konturen verschwimmen
zeigen dann mehr
wie von dem
was einmal war
was geschehn.
Vergessener Spiegel
in einem verlassenen Haus
Wenn man…
hindurchgehen könnte - ?