Donnerstag, 8. April 2021

Digital Detox. Unfreiwillig.

 

 So, das Web hat mich wieder, hurra!

Digital Detox ist eine feine Sache, wenn es denn freiwillig ist.
Solch unerwartete, unfreiwillige Abschaltung hat schon etwas Brutales.
Lustig ist das nicht.

Wenigstens konnte ich mich von den wichtigsten Kontakten fix noch veabschieden
und auch hier im Blog einen Hinweis darauf bringen.
Ein Tafel-Helfer, der mir machmal  Infos zuschickt, meldete daraufhin der Tafel,
ich käme nicht. Vermutlich dachte er, ich sei im Krankenhaus oder auf Reisen.
Grosze Verwunderung, als ich dann doch erschien 
(und meine Kiste hab ich dann auch noch bekommen).

Vermutlich haben die meisten Menschen ihre Routinen
und sind dann erstmal irritiert, wenn diese wegfallen bzw. sich ändern.
Für Autisten bricht damit jedoch buchstäblich die Welt zusammen
 und der gesamte Alltag ist down.
Das ruft Krankheitssymptome hervor...
und so waren die ersten Tage wirklich schlimm für mich.

Und wenn ich dann so völlig von der Rolle bin, passieren natürlich auch Sachen,
die sonst vielleicht nicht passiert wären:
gleich am ersten Tag verlor ich meine Bankkarte.
Dann brach mir ein Zahn entzwei, richtig halb durch, bis unters Zahnfleisch.
Mit der ZA-Praxis hatte ich dann aber wenigstens Glück:
 die sahen das eher locker und ich konnte dableiben, auch ohne Anruf.
Muszte das zweimal in Anspruch nehmen und demnächst wird er gezogen.

Mein schmerzhafter Tennis-Ellenbogen wurde auch immer schlimmer,
aber zur Ärztin konnte ich nicht gehen.
Groszes Schild: ohne vorherigen Anruf darf man nicht mal an der Praxistür klingeln.
Aber das ist ja fast überall so - zum Tierarzt hätten wir auch nicht gekonnt.
Katz war wieder leicht unpäszlich, es hat sich aber zum Glück von selbst gegeben -
wahrscheinlich ist das jetzt schon ein kritisches Alter.

Als ich in einem NonFood-Markt etwas (bestimmtes) kaufen wollte...
wurde ich nicht hinein gelassen: nur mit vorheriger telefonischer Anmeldung.
Dann eben nicht!

In der Apotheke war man auch nicht begeistert, als ich mir dort einen Termin
für der Corona-Test persönlich abholte: haben sie denn KEIN Smartphone???
Nun ja, so wirklich geglaubt hat mir das wohl niemand.

Nach einer Woche begann ich, den informationsfreien Zustand richtig zu genieszen.
Endlich einmal Zeit für alles.
Ich bilde mir ja ein, bisher nur mäszigen Konsum gepflegt zu haben
(Facebook selten, Twitter oder Instagram sowieso nicht), doch auch bei mir
war Bloggen, Lesen, Fotos und das alles irgendwie zum Vollzeitjob geworden.
Jetzt hatte ich endlich Zeit für allen Kleinkram, der sonst immer übrig blieb:
den Nähkram (Änderungen, Ausbesserungen) aufzuarbeiten, Blusen zu bügeln,
die ich seit Jahren nicht trug, eben weil ich nicht zum Bügeln kam...
Fenster zu putzen, Zeug zu sortieren, Bücher auszumisten,
Garten Garten Garten... ach war das schön!

Meinen Augen hat die bildschirmfreie Zeit sichtlich gut getan
und Heizkosten habe ich auch gespart,
 indem ich den groszen Raum früh nicht aufheizen brauchte.
Bis Schatz zum Mittagessen kam, schien die Sonne schräg herein
und die wärmte schon richtig gut.

Fazit: es läszt sich zeitweise auch ohne leben, selbst wenn man völlig abgeschnitten ist.
Infektionszahlen beunruhigen einen dann nicht mehr
und ich war völlig raus aus dem Weltgeschehen und der Politik.
Das kann zeitweilig auch mal gut sein.
Für immer möchte ich das jedoch nicht.
Schatz brachte mir am Samstag eine "Volksstimme" (reg. Tageszeitung) mit
und die hab ich gründlich gelesen - buchstäblich zelebriert habe ich das!
Die regelmäszige Tageszeitungslektüre fehlt mir schon sehr seit Mutters Tod,
aber ein Abo könnten wir beide uns nie leisten.
TV hab ich nicht und Radio-Dudelsender bieten mir zu wenig Information,
also komme ich am Internet doch nicht so ganz vorbei.

Ich telefoniere ja sowieso kaum, und eigentlich nur mit Schatz.
 Das hat mir dann schon sehr gefehlt!
Wir sehen uns ja nicht täglich, benötigen beide unsere "Wüstentage".
An denen wir aber doch mal telefonieren.
Nun war es mal wirklich eine Einsiedelei für mich.


Es ist schon ein Unsicherheitsfaktor, so ganz ohne Telefon zu sein.
Gerade jetzt, wo ohne vorherigen Anruf ja nicht mal ein Arztbesuch geht.

Früher in der DDR hatten wir fast alle kein Telefon, aber es gab reichlich Telefonzellen.
Und man hortete "Telefongroschen" für den Ernstfall - auch das gibts heute nicht mehr.

Ich bin froh, diesen doch etwas beunruhigenden Zustand jetzt hinter mir zu haben.
Mit Internet werde ich künftig wohl etwas sparsamer umgehn.
Evtl. einen Modus finden, den PC nicht täglich zu nutzen,
internetfreie Tage beizubehalten.
Mal sehen, ob und wie lange mir das gelingt!
 
 

 

Kommentare:

  1. Willkommen zurück!LG Gundula

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  2. Liebe Mascha, deine Schilderung macht mich nachdenklich. Wir gehen ja immer davon aus, dass wir (unsere Generation) leicht auf Internet und Co. verzichten können, wenn es sein muß. Aber wir hängen doch schon ganz schön dran und drin. Verschärft durch die Pandemie, in der frau Gott und die Welt um einen telefonischen Termin bitten muß. Ich habe mich auch schon gefragt, was wäre, wenn eine kein Telefon zur Verfügung hat, um diese Hürde zu meistern.

    Es hat sich vieles verändert und es wird wohl so weitergehen. Und vielleicht ist das nicht das Schlechteste. Mir hilft diese Zeit auch, um mich wieder mehr mit mir und meinen Talenten und Wünschen auseinander zu setzen. Aber hin und wieder fällt es mir schwer.

    Was mir diese Zeit bringt ist auch, mich stärker zu hinterfragen, brauch ich dies oder das wirklich? Es gibt ein schönes Zitat der Göttin. Das lautet: "du hast immer das, was du brauchst". Mit diesem Gedanken komme ich gut in meine Mitte und ich überlege mir, wenn ein Wunsch oder Bedürfnis auftritt, brauche ich das wirklich? Habe ich nicht mehr als genug? Und fast immer verschwinden materielle Wünsche ins Nichts. Ich fühle mich stärker eins mit dem was ist. Und überlege, was ist der nächste Schritt ....
    Hoffentlich ist das nicht zu "wirr" formuliert. Je näher mir ein Thema ist, um so mehr neige ich dazu, doch am Kern vorbei zu schreiben.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende! Mit Sonnenschein und Gartenlust und guten Dingen.
    Alles Liebe
    Erika

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