Mittwoch, 1. Dezember 2010

David Samojlov - Die Worte

СЛОВА

Красиво падала листва,
Красиво плыли пароходы.
Стояли ясные погоды,
И праздничные торжества
Справлял сентябрь первоначальный,
Задумчивый, но не печальный.

И понял я, что в мире нет
Затертых слов или явлений.
Их существо до самых недр
Взрывает потрясенный гений.
И ветер необыкновенней,
Когда он ветер, а не ветр.

Люблю обычные слова,
Как неизведанные страны.
Они понятны лишь сперва,
Потом значенья их туманны.
Их протирают, как стекло,
И в этом наше ремесло.

- Давид Самойлов - 1961

Schön fiel das Laub, / schön schwammen die Dampfer. / Es war klares Wetter, / und Festtagsfeierlichkeiten / beging der uranfängliche September, / der Nachdenkliche, aber nicht Traurige.

Und ich verstand, daß es auf der Welt / keine abgenützten Worte oder Erscheinungen gibt. / Ihr Wesen wird bis zum Allerinnersten / aufgesprengt von erschütterten Genie. / Und der Wind ist ungewöhnlicher, / wenn er ein Wind ist, und nicht ein Zephir.

Ich liebe die gewöhnlichen Worte / wie unerforschte Länder. / Sie sind nur am Anfang verständlich, / dann sind ihre Bedeutungen nebelhaft. / Man reibt sie blank, wie Glas, / und darin besteht unser Handwerk.

Aus „Russische Lyrik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart“ Russisch/Deutsch
Herausg. von Kay Borowsky und Ludolf Müller
Verl. Philipp Reclam jun. Stuttgart

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