Montag, 6. Januar 2020

Mehr oder weniger?



...ist das Monatsmotto für den Januar bzw. eigentlich fürs ganze Jahr,
aber die Links möchte Die.Zitronenfalterin in diesen Monat sehen.




"Ich hoffe, im neuen Jahr wieder mehr wollen zu können,
und weniger müssen zu müssen."

- Hans „Johnny“ Klein (1931-1996) -


Der Satz könnte von mir sein, wenn er nicht bereits
von jemand anderem formuliert worden wäre.
Den kann ich voll unterschreiben.

Während ich mich mit "weniger Routinen, mehr Leben" schon
 nicht mehr wirklich identifizieren kann.
Für Autisten/Asperger sind Routinen überlebensnotwenig.
denn sie geben dem Alltag Struktur, ein Gefühl der Sicherheit und bilden 
den Rahmen, in dem man überhaupt erst agieren kann.
Sonst ist man aufgeschmissen, extrem gestreszt und handlungsunfähig.
Da stellt sich schnell ein Gefühl der Ohnmacht, Orientierungslosigkeit,
Entwurzelung...gar Heimatlosigkeit ein.
Am schlimmsten ist es in Krankenhäusern,
wo einem jegliche Selbstbestimmung genommen wird.
Auch andre fremde Orte (z.B.Ferienquartier) können sehr viel Stresz bedeuten,
aber da kann man immerhin versuchen, sich selbst wieder einzurichten,
da braucht man nur die nötige Ruhe und etwas mehr Zeit. Dann geht das schon.



Das Schlimmste - so empfinde ich - sind die vielfach gestörten Routinen.
Unterbrechungen mitten in einem Handgriff, einer Tätigkeit, 
wie sie tagtägl. gefühlte hundertmal vorkommen. 
Das ist mein schlimmster Streszfaktor und der macht mich ziemlich krank.

Es ist aber wenig dran zu ändern, sonst hätte ich es längst...
Für Asperger ist es so: erst die erfolgreich absolvierten tägl. Routinen
geben die nötige Energie und den Freiraum für Schönes.
Sonst steckt man völlig erschöpft im Alltagschaos fest
und kommt da nicht raus bzw. hat keine Kräfte mehr frei.

Routinen sind für mich also nicht das tägliche Hamsterrad,
was die meisten Menschen darunter verstehen, sondern der Königsweg,
 im Alltag genügend Freiheit zum Leben zu erlangen.

So, das sollte jetzt kein "Jammern" sein, sondern nur eine sachliche Erklärung.
Weil Menschen nun mal sehr verschieden ticken.
(und, wie ich inzw. gelern habe, in meine Worte und Sätze meist Dinge
hineininterpretieren, an die ich selbst mit keiner Silbe gedacht habe.
Bei mir sind Worte einfach nur sachlich und im einfachen Wortsinn gemeint)




Was ich mir sehr wünsche, ist mehr Selbstbestimmtheit und mehr Zeit für mich.
Zeit, die ich auch mal vertrödeln darf ohne das Gefühl, mich ständig
dafür rechtfertigen zu müssen (bin so erzogen worden, das wirkt lange nach).


Ich wünsche mir eine effektivere und schnellere Alltagsbewältigung
und mehr Freiraum für mich selbst.
Oder sollte ich sagen: einfach weniger Alltag?

Das hakt vor allem an der fehlenden Mobilität, die sehr viel Zeit 
zum Zurücklegen von Wegen verbraucht, 
also nicht wirklich zu ändern ist. 
Ich versuche schon immer, Wege zu rationalisieren oder ganz wegzulassen, 
wo es irgend geht, aber meist geht das nicht
und wenn ich mir gerade einen Weg eingespart hatte, 
wird mir von Mutter dafür ein andrer abverlangt - - -

Also im Prinzip wünsche ich mir mehr Geistesblitze, wie sowas zu verbessern ist.
Kontinuierliches Daran-Arbeiten hats noch nicht gebracht.



Ich wünsche mir mehr Kreativität und mehr Flow (ohne aller 10min gestört zu werden).
Im Moment ist ein Puzzlespiel so ziemlich der einzige Flow-Zustand,
der auch recht schmerzlos und jederzeit unterbrochen werden kann
und trotzdem erlange ich ihn dann schnell wieder.
Zum Malen, was ich am liebsten täte... ist das schon schwieriger,
da komme ich nicht aller Viertelstunde so ganz ohne Anlauf wieder rein in den Prozesz,
da benötige ich zusammenhängende 3-4 Stunden, am liebsten den ganzen Tag...



Ich wünsche mir wieder mehr Mayröcker-Lesen bzw. Mayröcker-Abschreiben 
zum meditativen Durchdringen ihrer Texte. 
Für sie ist Schreiben ein Alpenglühn und dieser Glanz
färbt ab auf den, der das Lesen zu zelebrieren vermag.
Die Jahre, wo ich das tat, tun konnte... waren sehr glücklich für mich.

Also Flow beim Malen und beim Lesen.




Ich wünsche mit bald Frühling und mehr Regen als die letzten Jahre,
hier in unserer Region.



Ich wünsche mir mehr leckeres Essen.
Gute Zutaten zum Kochen und weniger selbst kochen müssen - 
einfach kochen lassen und genieszen in einem Lokal... 


Weniger Bratkartoffeln, Maisgriesz, Buchweizen...
 dafür mehr schönes glutenfreies Brot und süszes Gebäck.




Mehr Himmelstheater!

Überhaupt: mehr Kultur.
Mal ein Menschen-Theater besuchen zu können oder ein Konzert.
Mal einen Ausflug machen und etwas Schönes sehn, was ich nicht alle Tage hier habe.




Ich wünsche mir mehr frische Luft in der Natur.
Weniger in Haus und Garten sein, mehr in den Wald gehen.




Und mehr Frischluft-Kick beim Schwimmen im Freibad.
Öffnungszeiten vom 15.5. bis 15.9. - wie es früher immer war.
Dieser Tage im September, wenn sie dann wieder vorzeitig geschlossen haben...
fehlte mir der Frischluftkick meines 1000m-Bahnen-Ziehens ganz ungeheuer.
61 000 m waren es letztes Jahr und ich kann
den Tag der Wiedereröffnung kaum erwartwn.
Zähle jetzt schon die Tage.



Ich wünsche mir manchmal Schwimmen in einem See. Denn ein See bedeutet 
Freiheit, Bahnen ziehn im Becken ist dagegen wie ein Tier im Käfig...
(ein Wunsch, für den eine gute Fee nötig wäre, hoffe, sie kommt bald!)




Ich wünsche mir mehr Zeit mit meinem Liebsten.
Diese kam durch seine mehrfache Erkrankung und die Situation
mit seinen Eltern, sowie auch mit meiner Mutter(93) im letzten Jahr
absolut zu kurz.



Wenn mal eine gute Fee hier vorbeikäme zur Wünscherfüllung:
Ich wünsche mir weniger Isolation und mehr Menschen.
Nicht im Web, sondern vor Ort, für einen guten Kontakt
und um etwas gemeinsam zu unternehmen.
Mehr Mobilität ohne Stresz durch die permanente 
Reizüberflutung, die Wege zum Bahnhof und Nutzung des ÖV für mich bedeuten.

Das alles sind Dinge, an denen ich selbst nichts ändern kann.
Sonst hätte ich es längst getan.



Hatte da nicht mal jemand ein Buch über 
"Bestellungen ans Universum" geschrieben? ;-)


So, und jetzt wünsche ich allen ein schönes Neues Jahr
in dem jeder nach eigener Fasson selig werden kann und darf.

Und vor allem: weniger Lärm und mehr Stille,
weniger Dunkel und mehr Licht!

Kommentare:

  1. Liebe Mascha,
    als "Steinertante" (=Waldorf-Erzieherin) kann ich Dir mit der Routine nur recht geben, das war immer unser allererster Tipp für fragende Eltern: Eine gute Routine macht alles andere leichter weil dann alles selbstverständlich abläuft und nicht ständig ein kräfteraubender Kampf ist - Routine schafft ironischerweise mehr Freiheit für den schönen Teil des Lebens. Ich wünsche Dir ein gutes neues Jahr! LG ♥nic

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  2. ...Masha, I wish you the best for the new year.

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  3. Routine kann wirklich sehr heilsam sein und Halt geben, da hast Du wirklich recht. Doch wenn man sich dazu in der Lage fühlt, ist ein kleiner Schritt hinaus und eine zumutbare Herausforderung bestimmt Balsam, wenn man sie gemeistert hat.
    Dir wünsche ich ganz viele erfüllte Wünsche für das erträumte Mehr-und-weniger!
    Ich finde, dein Beitrag ist ein wunderbarer Einstieg in das Thema!!
    Herzliche Grüße
    Andrea

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  4. Liebe Mascha,
    so schön, dass Du Dir die Zeit genommen hast das zu schreiben und mit Bildern zu untermalen. ich hatte Dich schon vermisst. Aber ich ahnte ja schon, dass gerade über die Feiertage Deine Routinen ziemlich durcheinander geraten würden ...
    Und jetzt, wo ich das hier bei Dir so lese, ahne ich, warum ich mich an so vielen Tagen auch nur erschöpft fühle und eigentlich nirgendwo ankomme. Mein Leben hängt einfach von zu vielen unkalkulierbaren Faktoren ab und eigentlich reagiere ich immer nur auf neue Situationen, die meist so gar nix mit meinen urspünglich angestrebten Tages-/Wochenplan zu tun haben ...
    Dir wünsche ich, dass viele Deiner Wünsche in diesem Jahr endlich mal wieder in Erfüllung gehen!
    Ganz liebe Grüße von Silke, die nun eine recht chaotische Arbeitswoche vor sich hat, aber noch nicht so recht in Gang kommt ;-(

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  5. Ein sehr schöner, lesenswerter und bereichernder Beitrag, liebe Mascha, der zum Nachdenken anregt.

    Das mit den Routinen kann ich sehr gut verstehen, ich brauche diese auch und habe versucht, das Gefühl dafür auch unserem Sohn mit auf den Weg zu geben. Ich glaube, Routinen geben allen Menschen Halt, unabhängig von Diagnosen. Ich wünsche dir, dass die gute Fee wenigstens das ein oder andere Mal bei dir Halt macht und dir Kraft gibt für die großen und kleinen, die schönen und auch die unschöne(re)n Momente im Leben, dass dein neues Jahr voll von Liebe und Glück und vor allem voller Gesundheit und Dankbarkeit sein soll.

    Herzliche Grüße

    Anni | antetanni.wordpress.com

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  6. Liebe Mascha, das ist ein wundervoller Beitrag zu diesem Thema. Ich hoffe für Dich, dass wenigstens ein paar deiner Wünsche in Erfüllung gehen. Die eine oder andere Fee darf mal bei Dir anhalten.
    LG
    Magdalena

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  7. Gewohnheiten ( gleich Routinen ) haben dauerhaft mehr Erfolg als Willenskraft und Selbstdisziplin, so ein Forschungsergebnis.
    Ich persönlich brauche weniger feste Rituale und laufe zu Höchstform auf, wenn Pläne umgestoßen werden ( und stoße auch gerne selber um - die Tochter nennt mich anarchisch) und mein Improvisationstalent gefragt ist. Das war im Beruf von großem Vorteil. Und auch heute noch freue ich mich immer wieder, wenn ich dem Plan ein Schnippchen geschlagen habe. Die Tochter ist hingegen wie du, das macht es nicht immer einfach. Ich kann das Bedürfnis aber gut nachempfinden.
    Gewohnheiten erleichtern das Leben, das merke ich jetzt in Bezug auf den Sport oder die Kocherei. Als ich noch unterrichtet habe, habe ich mich immer schwarz angezogen, da passte alles zusammen und ich musste nicht überlegen, konnte mich also innerlich auf das, was beruflich auf mich zukam, konzentrieren. Die Kinder mochten es nicht...
    Dass du mehr Zeit für/mit dem Liebsten haben möchtest, kann ich mir gut vorstellen. Und ich wünsche es euch von Herzen!
    Gute Nacht!
    Astrid

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  8. Ich wünsche dir, dass das Unviversum hier ganz genau mitliest und von deinen schönen so verständlichen und so gut nachvollziehbaren Wünschen doch Einiges in Erfüllung geht. Herzliche Grüße ins schöne WR - Ghislana

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  9. The moth looks like a kaleidoscope!

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