Es wird Zeit, wieder mal einen russischen Dichter vorzustellen. Anatoli Sofronow. Ich erwähnte ihn ja schon…
Geb. 1911, aufgewachsen in einem Kosakendorf am Don, Schlosser und Betriebszeitungsredakteur, später Frontkorrespondent, auch für “ Iswestija“. Später Lyriker und Dramatiker, der zu Sowjetzeiten das Glück mehrerer Reisen nach Indien, China, Japan, England, Australien, Südamerika genosz… und darüber geschrieben hat.
Ins Deutsche übersetzte Bücher sind mir jedoch keine bekannt.
Es starb 1990.
Mir gefällt vor allem die Lyrik, der Rhythmus seiner Sprache…
In der Übersetzung läszt sich die Stimmung, welche da entsteht, nicht gut wiedergeben... und glücklich bin ich mit solchen Übersetzungen auch nicht. Wer also des Russischen mächtig, sollte die Verse lieber laut vorlesen und den Klang auf sich wirken lassen.
Aber da dies ein deutschsprachiges Blog sind, musz ich wohl eine ungefähre Inhaltsangabe mitliefern…
Ничто не забывается. Ничто.
И снова не рождается. Ничто.
Ничто не повторяется. Ничто.
А если и рождается - уже
Иное все на новом рубеже.
Припомни все, что было у тебя;
Что горько стыло в сердце у тебя;
Что, может, и мертво но, память теребя,
еще в душе осталось у тебя.
Припомни все: десятилетья и часы,
В которых жизнь ложилась на весы,
Когда ты и рождаясь - умирал,
Но вновь из пепла к жизни восставал.
А все, что отгорело и ушло, -
Уже не радость больше и не зло.
Bсе прошлое...И только лишь одно
Осталось жизни теплое зерно.
Но если в нем тепло еще живет,
Оно, как стребель, властно прорастет,
Pаздвинет землю стылую, пробьет
И вновь увидит солнечный восход.
...Ничто не забывается... Ничто.
Ничто не повторяется. Ничто.
А если и рождается - уже
Иное все на новом рубеже.
- Анатолий Софронов –
Nichts wird vergessen, nichts geht verloren. Doch nichts wiederholt sich – was neu geboren, erlangt eine neue Dimension.
Erinnere dich an alles, was dein Herz bewegt… was, lang vorbei, noch immer die Seele fegt.
Jahrzehnte und Stunden, da das Leben dich fast niederwarf und du doch wie aus der Asche erstandest.
Alles was verglüht ist und vorbei, keine Freude mehr und auch kein Schmerz… Alles ist vergangen und manchmal bleibt nur noch ein einziges Samenkorn, das lebt.
In ihm ist Wärme noch und Kraft. Die harte Kruste der Erde zu durchstoszen und sich emporzurecken zum Sonnenlicht.
Nichts wird vergessen, nichts geht verloren. Doch nichts wiederholt sich – was neu geboren, erlangt eine neue Dimension.
- Zur Feier des Tages und des Mondes –
Schon ist wieder August. Ich weisz nicht, wohin das Jahr verschwunden ist bis jetzt. Die Zeit verfliegt… und so vieles geht im Alltag unter. Wird aufgefressen von Kleinkram und notwendigem Tun.
Fast schon Herbst – und ich habe es kaum bemerkt.
Klar, ich gammele auch öfter mal herum… Das ist genuszvoll, aber nicht sehr bewuszt.
Und so beschliesze ich, endlich mal wieder den Vollmond zu feiern. Einfach so. Auf meine Art.
Eine bewusztere Einstellung zu bekommen zu den Jahreszeiten, zur Natur.
Der alltägliche gebräuchliche Kalender kann mir das nicht vermitteln. Der ist zu alltäglich in seinen Daten. Die auf der Tageszeitung stehn…
Aber jetzt (24. 8.) ist Vollmond.
Bei allem Alltags-Tun mache ich den Tag trotzdem ein wenig zum Fest. Versuche, beides zu verbinden.
Am Tag zuvor hat es geregnet. Dieser Morgen ist klar, die Sonne kommt hervor. Und leckt die Feuchtigkeit auf.
Es riecht nach erstem trocknendem Laub, gemischt mit dem Duft von geschnittenem Gras. In der Stadt. Am Weg, wo ich entlanggehe.
Nach dem Mittag habe ich Zeit und gehe in den Wald. Die Natur empfängt mich sehr grün.
Es ist etwas eintönig um diese Jahreszeit – die feinen Nuancen des Frühsommers fehlen, die Herbstfarben sind noch nicht da. Etwas matt ist das Grün stellenweise. Das macht die Trockenheit.
Ich gehe den Weg weiter hinauf. Hohe Bäume wölben sich über mir wie ein Dom. Es wird dichter. Ein Wandelgang. Und Stille.
Nur das Bächlein murmelt wieder. Es hat durch den Regen neue Nahrung bekommen.

Ich gehe bergan und komme an einen Teich. Vertraute Umgebung. Den groszen Kastanienbaum habe ich schon als Kind sehr gemocht.

Im klaren Wasser spiegelt sich das Ufer. Es ist fast still, nur in dem Mönch (Überlauf) höre ich es leise rauschen. Der Teich hat einen Zulauf durch die Wiese, eine Stelle am Ufer, wo es immer feucht ist. Und natürlich läuft dann auch immer etwas ab. Und das hört man.

(weiter in Teil II - V)
Am Abend ziehe ich mein blaues Lieblingskleid an und gehe hinaus aufs Dach. Der Mond ist klar und rund zu sehen.
Die Abendkühle umfängt mich.
Ich gehe wieder hinein zu meinen Kerzen. Ein Kreis, der leuchtet und wärmt. Im Gegensatz zum kalten Mondenlicht.
Das durchs Fenster hier hereindringt.
Ich lege mir eine ganz bestimmte Musik auf, die für mich eine „Mondbedeutung“ hat. Schaue abwechselnd in die Kerzen und hinaus zum Mond.
Als die Musik verstummt, halte ich eine kleine Lesung. Zwei Texte von Anatoli Sofronow, die mir viel bedeuten.
Über die ich lange nachdenken kann.
Ich denke auch an einen ganz besonderen Menschen - - -
Dieses Outdoor-Möbelstück heiszt bei mir Faulenzer. Und wird winters sogar manchmal im Haus aufgestellt...
Und da ich hier offenbar schon vermiszt wurde… möchte ich jetzt meine Leidenschaft fürs genüszliche Faulenzen bekanntmachen. Manchmal brauche ich das einfach.
Aber keine Sorge – ich melde mich wieder!
Und wünsche jetzt alles Lesern erstmal einen schönen und erholsamen Sonntag – vielleicht auch im Faulenzer?