Montag, 7. Mai 2018

Spielen im Freien



... lautet das Monatsthema von Astrid diesmal.
Zeit, mich zu erinnern, denn ich bin wieder gerne dabei.


Es wurde viel draussen gespielt zu meiner Kinderzeit in den frühen Sechzigern.
Es gab eine Spielstrasse, frei von Autoverkehr, da habe ich gern mit Kreide 
auf den Asphalt gemalt. Oder bin später Rollschuh gelaufen.

Und es gab den Pionierpark mit der einer schlossartigen Villa voller Beschäftigungsräume. Meist durch Gruppen genutzt, konnte man sich als "externes" Kind aber auch öfter mit reinmogeln und mitbasteln - das habe ich gerne gemacht!

Im Park war ein Spielplatz mit Wippe und Klettergerüsten, sowie einem hölzenen Panzer mit Kanone und ein Schiff zum Hineinklettern (pazifistisch war die DDR nicht, immer nach dem Motto "Der Friede muss bewaffnet sein").
Wenn da mal nicht so viele Kinder waren, kletterte ich gerne hinein.
Der Park war aber gross und hatte auch viele stille Ecken und Gebüsche, 
wohin ich mich verkrümeln konnte. Meist war ich dort.

*
Das Spielen mit anderen Kindern war für mich schwierig, weil ich oft ihre Spiele (besonders Rollenspiele) und all die nie genannten, 
aber real existierenden Regeln nicht verstand.
Auch waren mir andere Kinder oft zu laut.
Teilweise wurde ich auch systematisch abgehängt, wenn ich versuchte, mich irgendwo anzuschliessen. Das geschah durchaus nicht bösartig. Ich erinnere mich an Situationen, wo sie mir tolle Dinge versprachen, z.B. für mich ein Schiff zu bauen. 
Aber ich dürfte nicht zuschauen, erst wenn es fertig ist.
Damit schlossen sie dann die Hoftür, ich hörte sie drinnen lärmen, stand dort 2 Stunden (sie waren längst durchs Gartentor auf der anderen Seite weg) und niemand holte mich je wieder rein. Andere Kinder hätten diese Art Diplomatie sicher begriffen,
 mir fällt sowas jedoch bis heute schwer.

*


In Höfen und Gärten wurde viel gespielt, ganze Horden von Kindern übersprangen Zäune, zwängten sich durch Lücken und Hecken. Das ging meist rundherum. Und überall gab es Sandkästen, sommers Zinkwannen voll Wasser etc. 
Das war ganz normal, dass Kinder so immer draussen waren.
Allerdings gefiel es auch nicht allen Leuten, Geschimpftes von irgendwem gab es oft. 
Da wurde so lange weggehört, bis sich jemand bei den Eltern beschwerte.
Nutzte aber auch meist nur begrenzte Zeit...

*


Wie gesagt, ich spielte am liebsten allein und eigentlich war ich gerne im Haus. Weil es dort bessere Beschäftigung gab. Ausmalen, Papier zerschneiden, kleben und so.
Allerdings war ich doch sehr viel draussen, weil es oft ratsam war, 
aus Mutters Einflussbereich zu verschwinden.
Da war so viel Unberechenbarkeit.
Also war ich meist bestrebt, gründlich verschwunden zu sein.
Ausserhalb ihres Zugriffs fühlte ich mich sicherer.
Ergo: ich war viel in der Natur, die war ja nicht so weit weg.
Dort sass ich still beobachtend (von Käfern, Kaulquappen bis Rehen) oder ich suchte nach Mustern, ob im Strassenpflaster oder Sonnenflecken durch Laub unter Bäumen.
Später nahm ich mir Bücher zum Lesen mit.
Ich hatte einen hohlen Baum, das war mein Haus und meine Zuflucht.
Er hat noch lange Jahrzehnte gestanden und wurde trotzdem noch grün.

Inzwischen gibt es ihn nicht mehr.
Und auch die Welt meiner Kindheit, mit ihrer lärmenden Kinderschar, 
ist aus dem Stadtbild ganz und gar verschwunden.
Die Skiwiese, wo ich mit meinen kleinen Skiern oft ganze Tage verbrachte, ist längst zubetoniert und verbaut und in den Gärten hört man keine Kinder mehr lärmen.
Erinnerung an eine versunkene Welt!

Ich möchte heute nicht Kind sein mit all diesen lärmenden beweglichen Spielsachen,
 den heutigen Kinderfilmen (die ich als Erwachsene kaum ertragen kann) 
und all dem digitalen Zeug.
Damals wurde mehr Phantasie gebraucht und die hatten wir auch.
Naja, ich kann das heute schlecht beurteilen, die Kinder sind ja ganz anders.
Aber wenn ich von Alpträumen lese, die hätte ich heute sicher auch. Damals nicht.
Oder kann mich nicht daran erinnern.

(die beiden Fotos machte mein Opa)

Kommentare:

  1. ...wonderful vintage photos!

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  2. Auf dich ist Verlass! Kaum ist ein Thema draußen, hast du schon den passenden Post geschrieben! Und immer mit persönlichen Fotos bestückt ( hast du die den alle eingescannt oder so? )! Ich danke dir!-
    Ja, die Kindheit hat sich dramatisch verändert. Aber als meine Enkelin hier noch in Köln in einer Wohnanlage wohnte mit Laubengängen und Hinterhof, da konnte sie mit den vielen anderen Kindern auch unbeaufsichtigt von Erwachsenen spielen. In München ist das schon ein wenig anders. Dafür haben sie einen traumhaften Spielplatz neben dem Haus. Und viele Kinder sind dann halt alle in der Nachmittagsbetreuung zusammen.
    Wichtig für mich sind auch deine Beschreibungen, wie du als Autistin die anderen erlebt hast. Rollenspiele waren in meiner Kindheit sehr, sehr wichtig.
    Danke fürs Mitmachen! Hab einen schönen sonnigen Nachmittag!
    Astrid

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  3. Liebe Mascha,
    ich habe schon Astrids Post gelesen und jetzt Deinen zum gleichen Thema. Das macht mir wirklich Spaß, weil es mich an meine eigene Kindheit auf einem Dorf erinnert. Und meine Erlebnisse waren doch ähnlich, auch ich war immer draußen und natürlich ganz ohne Aufsicht. Wahrscheinlich kann sich das heute keiner mehr vorstellen, aber wir verließen nachmittags irgendwann das Haus und waren für Stunden weg, wirklich unerreichbar und keiner der Eltern wusste, was wir Kinder alles anstellen würden oder wohin wir gehen würden. Ich fand das schön, draußen in der Natur, und die einzige Grenze, die wir kannten war unsere Fantasie.
    Muster sehe ich übrigens heute noch überall, manchmal ist das schon nervig. So richtig gut verstanden habe ich mich mit den anderen Kindern auch nicht immer und irgendwann haben sich unsere Wege dann auch getrennt; vielleicht habe ich auch zu viel Zeit mit lesen verbracht, was ich auch immer noch tue und auch nicht missen möchte.
    Danke für diesen schönen Post.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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