Donnerstag, 3. Mai 2018

Stadt - Land - Versorgung


Susanne fragt in ihrer Aktion Stadt-Land diesen Monat nach Versorgung.



Die Wasserversorgung ist gesichert ;-)

Mit anderen Sachen sieht es nicht immer so gut aus.




Leider werden Lebensmittelmärkte fast nur draussen vor der Stadt auf die grüne Wiese gebaut. Das nimmt Insekten und anderem Getier den Lebensraum und nichtmobilen Bürgern die Chance, sich schnell mal zu holen, was gerade nötig ist.
2016 schlossen gleich 3 der kleineren Märkte in Wohngebieten bzw. Innenstadt,
 was das Problem wesentlich verschärfte.
Es wird ja argumentiert, dass es noch einen (!) Versorger in der Innenstadt gibt, aber der hat - nun konkurrenzlos - seine Preise derart erhöht, dass mit geringer Rente nichts anderes bleibt als eine Busfahrt nach weit draussen plus Hamsterkauf. 
Wobei die Busse extrem unwillig sind, grössere Gepäckstücke oder sperrige Gegenstände mitzunehmen, dann darf man den Rückweg zu Fuss antreten,
 so man dies noch kann oder muss sich ein Taxi rufen.
Stadtbusse grasen normalerweise auch die gesamte Prärie ab und sind dann auch für eine Strecke 45 min unterwegs - da kann man schon viel Zeit dafür einplanen und sie fahren auch nur aller 30 bzw. 60 Minuten.


Ich bin glücklich, noch Fahrrad fahren zu können, aber natürlich habe ich nicht immerzu Lust auf Lärm und Gefahren dieser grossen Strassen, so dass ich meine Einkaufsfahrten auf 1-2 mal im Monat beschränke.
Neuerdings gibt es in der Innenstadt wieder zwei kleine Gemüsehändler
 (Vietnamese und Türke), und der zweimal wöchentliche 
Markttag mit 4-5 Ständen ist auch ein gutes Angebot.
Sonst wäre vernünftige Ernährung kaum möglich.




Fleischerläden gibt es mehrere, aber für mich nicht von Bedeutung bzw. für bezahlbares Katzenfleisch (Rinderherz) muss ich sowieso in den Grossmarkt, das wird sonst zu teuer.
Einen Öko-Markt gibt es auch noch und ein Reformhaus, 
aber dort könnte ich niemals einkaufen.
Glücklicherweise ist noch ein "Pferdmann"-Drogeriemarkt in der Stadt, nachdem leider auch "dm" sich nach draussen expandiert hat und nun von mir nicht mehr frequentiert wird - schade darum! Die hatten so schönes Angebot, auch glutenfreies Brot, das krieg ich nun in der Nähe gar nicht mehr.
"Albi" ist ja auch weg. Seufz!


*




Die Touristenstadt ist natürlich voll von teuren Klamottenläden, Schuhgeschäften etc. 
In den meisten war ich noch nicht einmal drin. - Zu preisintensiv!




Folglich kaufe ich Schuhe und Kleidung meist online bei "Amazonas" , "Teichmann" oder "Bonp..x". Gut finde ich das jedoch nicht! Denn es wäre mir wesentlich lieber, die Sachen erst einmal in der Hand zu halten, Material zu fühlen, 
anzuprobieren... bevor ich bezahle.
Natürlich ist immer Rücksendung möglich, aber das erhöht Co2-Ausstoss und verschwendet Ressourcen für Verpackungsmaterial
 und ist so gesehen auch lieber zu vermeiden.
Auf ökologisch und fair produzierte Sachen kann ich nicht achten,
 das ist einfach nicht drin!



Früher hatte das DRK eine grosse Kleiderkammer, da habe ich mich meist dort versorgt und damit Nachhaltigkeit praktiziert... aber inzwischen wurde dieses Angebot auf ein Minimum reduziert und da kriegt man rein garnix mehr.
Auch Flohmärkte oder kommerzielle Altkleiderfirmen sind ohne Auto unerreichbar.
 Sozialkaufhaus, Oxfam oder ähnl. gibt es hier nicht.
Einen priv. Gebrauchtmöbelhändler mit absolutem Schrott zu Wucherpreisen, aber Möbel braucht man ja eh nicht, wenn man schon welche hat. Oder ich finde mal ein Stück auf dem Sperrmüll, das sich aufarbeiten, anstreichen lässt...


Mit einem normalen Einkommen, ohne permanent auf Angebote, Halbpreis-Verfalldatums-Produkte und "Tafel" angewiesen zu sein.... würde ich meinen gesamten tägl. Bedarf nur noch online bestellen, das würde meine unerquickliche autolose Situation ungeheuer erleichtern und eine Menge Lebensenergie sparen.
Langfristig läuft es in strukturschwachen Regionen wohl ohnehin darauf hinaus.

Bücher und Medikamente bestelle ich schon lange nur noch online,
 Apotheken vor Ort sind zu teuer. 
Und der Weltwild-Buchladen besorgt keine Bücher ausserhalb 
des eigenen Katalog-Sortiments.
Ich mag sie sowieso lieber günstig und gebraucht.

Ja, da wird immer geschimpft auf den Amazonas-Giganten, aber wo die Ursachen
 für dessen Expansion liegen, fragt keiner so genau -

*

Unser einziges Kino wird seit 2 Jahren umgebaut, soll aber wieder eröffnen.
Nun, das Programm dort reizt mich nicht, und so war ich seit fast 30 Jahren in keinem Kino mehr. Autolos ist kein Interessanteres zu erreichen.

Immerhin haben wire noch eine Stadtbibliothek.

*



Die Gottesdienst-Angebot der Volkskirchen halte ich für ausreichend, 
gemessen an der Besucherzahl.
Die Ev. Freikirche ist in 3 ihrer versch. Strömungen präsent, die Lutheraner (SELK) 
haben eine kleine, die Neuapostolen eine grössere und sehr engagierte Gemeinde.
Wir gehen dort zweimal im Jahr zum Blutspende-Sonntag und geniessen 
die angenehme und herzliche Atmosphäre.
Die Wachturm-Gemeinschaft hat ihren Königssaal im nächsten Dorf neu gebaut
 (sie waren früher in der DDR verboten).
Andere, wie z.B. Adventisten, Orthodoxe, Christengemeinschaft, Mormonen,  Bahai, buddistische oder moslemische Gemeinschaften oder eine Synagoge 
sucht man hier vergebebns.


*

Die medizinische Versorgung ist katastrophal und häufig nicht zu kriegen.
Die gut funktionierenden Strukturen der DDR-Versorgung (Polikliniken) wurden zerschlagen, die teils sehr guten Ärzte von damals sind längst in Rente oder verstorben. Neue siedeln sich hier zu wenige an.

Es gibt ein Klinikum mit schlechtem Ruf, den ich von Mutters dortigen Aufenthalten nur bestätigen kann. Über meine eigenen Erfahrungen mit dem Klinikum der Nachbarstadt erzähle ich lieber gleich garnix.
Sollte ich jemals noch bei Bewusstsein/Kräften sein, werde ich mich mit Händen und Füssen gegen erneuten Aufenthalt dort wehren.

Es gibt Allgemeinärzte, aber fast niemand nimmt neue Patienten auf und die zwei Neurologen, die Hautärztin etc. tun das schon gar nicht. No way!
Der einzige Augenarzt der Stadt ist unter aller Würde und so versucht fast jeder, woanders unterzukommen. Deswegen kriegt man auch in keiner auswärtigen Praxis im Umkreis von 100km überhaupt noch einen Termin. Oder man muss, trotz Kassenpraxis, erstmal 100 Euro privat hinlegen für "umfassende Beratung" - -

Exoten wie Proktologen, Endokrinologen, Rheumatologen sucht man vergebens oder bekommt Termine in bis zu einem Jahr und oft ist es der einzige Weg, sich stationär einweisen zu lassen (irgendwo auswärts),
 wenn man dringend eine Untersuchung braucht. 


Ich war ja gerade fast 2 Monate krank: mein übliches chron. Schmerzsyndrom war plötzlich so heftig wie noch nie! Hätte nur noch schreien können und konnte ohne Gehhilfe nicht mehr laufen. Aber der einzige Orthopäde empfängt mich erst in 4 Monaten - 
bis dahin ist es auch von selbst vorbei.

Bei einem Blutspende-Termin wurde mir gesagt, dass mein Hämoglobin-Wert zu niedrig ist. Daraus folgerte ich, dass mir Eisen fehlt und seit ich dieses nun nehme, sind die Schmerzen auf das übliche Ausmass zurückgegangen -
 es war also ausserdem noch ein muskuläres Sauerstoffmangel-Problem.
Gut, selbst ein Minimum an med. Ausbildung zu haben!
Blutspenden ist oft die einzige Möglichkeit, um an ein Blutbild und Infos heranzukommen, die einem dann bei der Selbsthilfe nützen.
Natürlich tue ich es nicht nur deswegen, sondern auch aus Überzeugung.
Aber es ist gerade in ärztl. unterversorgter Region nicht zu unterschätzen.


Das Allerschlimmste ist jedoch der sonntägliche Bereitschaftsdienst.
Ja, es gibt eine kassenärztl. Notsprechstunde mit einem Allgemeinarzt, 
soviel ist gesichert.
Aber bis zum Zahnarzt darf man dann schon manchmal eine Stunde Bus fahren,
 sofern am WE überhaupt ein Bus fährt.
Und Facharzt-Bereitschaft wird inzw. über mehrere Landkreisgrenzen hinweg organisiert.
Meine 90jährige Mutter wurde mit ihrem Augeninfarkt vom Landkreis Harz 
bis in den Salzlandkreis geschickt.
Zum Glück war sie in der Lage, mehrere Hundert Euro Taxikosten aufzubringen.
Wer das nicht kann, dem gnade Gott!

*

Es gibt mehrere städtische Kindergärten und Krippen, ob das Angebot ausreicht, kann ich nicht beurteilen. Zwei Evangelische Kindergärten gibt es auch und einen Waldorfkindergarten für max. 35 Kinder (Angabe von der Website).
Die nächste Waldorfschule ist über 1h Busfahrt entfernt und von einer freien Schule lese ich gelegentlich in der Zeitung, aber soweit ich mitbekommen habe, scheint diese Initiative inzwischen wieder abgewürgt.
Es gibt mehrere städtische Grund- bzw. Gesamtschulen , eine Schule für Lernbehinderte, eine Förderschule für geistig Behinderte und zwei Gymnasien, eines mit speziellem Musikzweig und sehr gutem Chor.
Mehr Auswahl hat man nicht.
Die umliegenden Dörfer verfügen idR nicht über eigene Schulen.
Und gerade zum April wurde der Busfahrplan geändert 
und die Schulbusse ersatzlos gestrichen.
Da half aller Elternprotest bisher nichts.

*

Ich sehe jede Menge Rückschritte in dieser Welt der unbegrenzten Möglichkeiten.
In grösseren Städten besser es besser aussehn.
Aber es gibt ganz sicher Regionen, die noch wesentlich schlechter dran sind als wir,
 wo ganze Dörfer veröden und Infrastruktur kaum noch existiert.
Blühende Landschaften, wo sich Natur ihr Terrain zurückerobert...


Kommentare:

  1. Es ist wirklich deprimierend zu lesen, was da an "Fortschritt" ( W. ist ja immerhin eine kleine Mittelstadt und ein anerkannter Erholungsort ) abläuft! Da muss man sich nicht wundern, wenn unzufriedene Menschen ihre Wut an eine Partei abgeben, die uns wieder ins braune Unglück stürzen wird.
    Von Seiten der Politik & Verwaltung müssten da bestimmte Infrastrukturen gewährleistet werden: So gab es im Kaiserreich in jedem Dorf eine Schule ( die Preußen! ) Oder in jedem Dorf im Binnenland einen mobilen Fischhändler, um die Jodversorgung der Bevölkerung zu garantieren. In der Schweiz ist in kleinen Orten mindestens ein Migros- oder Coop-Laden. Nur bei uns überlässt man alles neoliberal dem Markt. Und der wendet sich dann den großen Onlinehändlern zu, weil die a) preiswerter b) das bessere Sortiment haben.
    Was in unserer Bloggerwelt fehlt, sind Menschen, die auch einmal den Blickwinkel der weniger gut betuchten Mitbürger einnehmen, die den Pfennig quasi umdrehen müssen. Da bin ich geradezu begeistert, dass du uns andere auf den Boden der Tatsachen zurückholst. Denn wir propagieren so viel Nachhaltigkeit ( leisten uns dann in unserer Ökobilanz jede Menge Flugreisen - ich weiß, das gehört nicht zum Thema ;-)) und ökologisch bewusste Ernährung - aber das Geld spielt dabei nur bedingt eine Rolle.
    Interessant finde ich den Exkurs zu den religiösen Angeboten! Die habe ich gar nicht auf dem Schirm gehabt, fand aber interessant, dass da Vielfalt - wie sonst nicht- herrscht. Aber wenn die Menschen unzufrieden sind, kann man vielleicht Proselyten machen, indem man auf sie zu- und eingeht.
    Toll, dass du mitgemacht hast!
    GLG
    Astrid

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  2. ...lovely streets of shops!

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