Dienstag, 3. Dezember 2019

Sterne







Sterne sind allüberall.
In der Weihnachtszeit sowieso.
Leuchtend, selbstgebastelt oder zum Essen...
Kaum ein Begriff, kaum ein Symbol wird so häufig
und unterschiedlich verwendet,
während die realen Sterne längst am Himmel
verblassen angesichts der Lichtverschmutzung
unserer Überfluszwelt.

Neulich beim Klimastreik schwärmte mir einer
von einem seltenen, noch dunklen Ort,
wo man die Sterne beobachten könne.
Ich habe das leider nie gelernt: die Sternbilder
zu erkennen. Auseinander zu halten...

Doch ich habe heute morgen einmal nach Sternen gesucht
bei Else Lasker-Schüler.




Heimlich zur Nacht


Ich habe dich gewählt
Unter allen Sternen.

Und bin wach – eine lauschende Blume
Im summenden Laub.

Unsere Lippen wollen Honig bereiten,
Unsere schimmernden Nächte sind aufgeblüht.

An dem seligen Glanz deines Leibes
Zündet mein Herz seine Himmel an –

Alle meine Träume hängen an deinem Golde,
Ich habe dich gewählt unter allen Sternen. 





Dem König von Böhmen


Ich frage nicht mehr –
Ich weiß wer auf den Sternen wohnt ...

Mein Herz sinkt tief in die Nacht.
So sterben Liebende
Immer an zärtlichen Himmeln vorbei;

Und atmen wieder dem Morgen entgegen
Auf frühleisen Schweben.
Ich aber wandele mit den heimkehrenden Sternen.

Und ich habe viele schlafende Knospen ausgelöscht,
Will ihr Sterben nicht sehn,
Wenn die Rosenhimmel tanzen.

Aus dem Gold meiner Stirne leuchtet der Smaragd,
Der den Sommer färbt.
Ich bin eine Prinzessin.

Mein Herz sinkt tief in die Nacht
An Liebende vorbei.






Abschied


Aber du kamst nie mit dem Abend –
Ich saß im Sternenmantel.

... Wenn es an mein Haus pochte,
War es mein eigenes Herz.

Das hängt nun an jedem Türpfosten,
Auch an deiner Tür;

Zwischen Farren verlöschende Feuerrose
Im Braun der Guirlande.

Ich färbte dir den Himmel brombeer
Mit meinem Herzblut.

Aber du kamst nie mit dem Abend –
... Ich stand in goldenen Schuhen.






Ich träume so leise von Dir


Immer kommen am Morgen schmerzliche Farben,
Die sind wie deine Seele.

O, ich muß an dich denken,
Und überall blühen so traurige Augen.

Und ich habe dir doch von großen Sternen erzählt,
Aber du hast zur Erde gesehn.

Nächte wachsen aus meinem Kopf,
Ich weiß nicht wo ich hin soll.

Ich träume so leise von dir,
Weiß hängt die Seide schon über meinen Augen.

Warum hast du nicht um mich
Die Erde gelassen – sage?




An zwei Freunde


Ich blicke nachts in euren stillen Stern.
Es schwimmen Tränen braun um meinen Mandelkern
Und meine Schellen spielen süß am Kleiderrand.

Ich trage einen wilden Kork im Ohrlapp,
Und Monde tätowiert auf meiner Hand.
Versteinte Käfer fallen von der Schnur ab.

Ich liebe euer glitzernd Zackenland,
Und sehne mich nach goldnem Edelpunsche,
Aufglimme unsichtbar in eurem Wunsche.




Alice Trübner


Ihr Angesicht war aus Mondstein,
Darum mußte sie immer träumen.

Durch die Seide ihrer Ebenholzhaare
Schimmerte Tausendundeinenacht.

Ihre Augen weihsagten.
Ein goldenes Bibelblatt war ihr Herz.

Sie thronte einen Himmel hoch
Über die Freunde.

O sie war eine Sternin –
Schimmer streute sie von sich.

Eine Herzogin war sie
Und krönte den armseligsten Gast.

Manchmal aber kam sie vom West:
Ein Wetter in Blitzfarben;

Die sind gefangen über Burgzacken
Im harten Rahmen.

Ihre Bilder viele,
Pietätvolle, bunte Briefe;

Manche aufbewahrt unter Glas
An den Wänden.

Aber auch Gläser und Gräser
Malte Alice Trübner.

Irgendwo zwischen sitzt ein Schelm,
Ein altmodisch dicker Puppenporzellankopf.

Oder sie malte huldvoll die Köchin
Als Frau Lucullus gelassen im Lehnstuhl.

Verwandelte strotzende Früchte in Rosen
Auf weißem Damast.

O, sie war eine Zauberin.





Mutter


Ein weißer Stern singt ein Totenlied
In der Julinacht.
Wie Sterbegeläut in der Julinacht.
Und auf dem Dach die Wolkenhand,
Die streifende feuchte Schattenhand
Sucht nach meiner Mutter.

Ich fühle mein nacktes Leben,
Es stößt sich ab vom Mutterland,
So nackt war nie mein Leben,
So in die Zeit gegeben,
Als ob ich abgeblüht
Hinter des Tages Ende
Zwischen weiten Nächten stände,
Alleine.




Gefunden habe ich all diese poetischen Bilder hier
 - da gibt es noch viel mehr zu endecken.

Die Illustrationen sind digitale Zaubereien meiner eigenen Fotos.

Kommentare:

  1. Ganz besonders fasziniert mich der erste blaue Stern und Dein Werk aus Korkenzieherweiden.
    Liebe Grüße von Silke, die heute noch ganz viele kleine Holz-Sternchen in den alten Zweig im 'Engel'-Rahmen hängen möchte ...

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  2. Ein sehr anspruchsvoller Post !
    Deine digitalen Zaubereien gefallen mir sehr.
    Besonders das letzte Bild und das der Korkenzieherweiden.
    Liebe Grüße
    Jutta

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  3. Eine gelungene Umsetzung des Monatsthemas: Lyrik und Digital-Kunst!
    LG
    Astrid

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  4. ...let the stars shine bright.

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  5. Wunderbar, wieder eine ganz andere Art der Sterne, die du herbei gezaubert hast!
    Liebe Grüße
    Andrea

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