Donnerstag, 8. März 2018

Stadt - Land - Wohnen. Teil II



Haus, Behausung, Heimstatt, Wohnstatt, Wohnsitz, Domizil...
 Schutz und Zuflucht, Rückzugsort, Obdach, Unterkunft, Quartier... 
Butze, Bude, Wohnung, Klause, Kartause - das alles ist eines und eines ist es immer.
Oder alles zugleich.

Hier mein persönlicher Teil zur Frage von Susanne 
nach dem Wohnen in Stadt und Land.



Durch einen unerwarteten Glücksfall kam ich vor bald 2 Jahrzehnten 
in dieses kleine alte Haus - ich hab es in meinem Vorwort  
zu dieser Aktion bereits erwähnt und beschrieben.

Endlich eine Bleibe, die dauerhaft ist!
Nie wieder Mietsorgen und andere Ängste, keine Abhängigkeit 
von Vermietern - das nimmt schon eine riesengrosse Last. 
Das weiss ich sehr zu schätzen.
Wissen, hier kann ich bleiben bis zuletzt, auch wenn es derzeit 
(noch) nicht mein Name ist, der im Grundbuch steht.


Ein für diese Gegend typisches kleines Fachwerkhaus, die Wände lehmverputzt.
 Dieser teils nur noch durch dicke Schichten Tapete gehalten.
Die unterste Makulaturschicht brachte Papier mit dem Aufdruck 1856 ans Licht. 
Angenommenes Baujahr also.

Klein und verwinkelt, die Treppe nach oben steil.
Eingeschossig mit ausgebautem Dachgeschoss ist die korrekte Bezeichnung.
Das hat Vorteile: bei Strassenreinigung und - Ausbau, Grundsteuern etc.
 ist das günstiger als ein doppelstöckiges oder höheres Haus. 
Also besser für winzige Rente. Freu.

Unten Küche, angebautes Bad, Schlafkammer und ein grosser Raum. 
Durch Herausnehmen einer Trennwand aus zwei kleinen Zimmern entstanden.
Oben mein kleiner Arbeitsraum und schräge Kammern, die Bleibe für Besuch 
sein können, wenn solcher dann mal kommt.
Nur teilunterkellert, gestampfte Erde darin, fusskalt im Winter der Rest.

Vergessen sind mittlerweile die Jahre in Dreck und Lehmstaub, Chaos, Provisorien.
Unbewohnbare Kammern, wo der Lehm von der Schräge fiel.
 Alte lose Dielenbretter, an denen man sich Splitter einriss. 
Trostloses Treppenhaus, Schräge mit Brettern vernagelt, 
aber die Waschären streckten trotzdem ihre Pfoten hindurch. 
Und sie kratzten mit diesen ganze Balken kaputt, warfen Ziegel von Dach.
 - Irgendwann ist Tierliebe dann auch mal zuende!


Inzwischen ein neu gedecktes Dach und kein Waschbärbesuch mehr 
und dann konnte darunter saniert werden.
Früher gab es jemand, der kam ab und zu, das zu tun, was ich selbst nicht schaffte. 
Wofür zwei schwache Frauenhände zu wenig sind.
In Zwischenzeiten Leben im Dreck, durchwinden durch Leitern, Gerüstteile etc.
Inzwischen gibt es ihn nicht mehr (Krebs rafft so viele dahin!) und damit 
für mich nun ein paar weitere Sorgen. 
Kleinkram, der erledigt werden muss, so gut es geht.
Das grosse Ganze hält hoffentlich durch.
Provisorien und sich-Einrichten mit dem, was nicht so wichtig, nicht so dringlich. 
Teils für längere Zeit (in einer Arztpraxis die Toilette benutzt, suchte ich hinterher nach dem Wassereimer zum Spülen - dass sowas mit Spülkasten geht,
 war mir nicht mehr bewusst - ).
Das alles geht, das ist nicht so schlimm. Ich war ja nie anspruchsvoll oder verwöhnt.
My home is my chastle...


Das meisste ist jetzt schön und bewohnbar, der Rest eben Abstellraum.
Firmen machen leider auch nicht alles, wie man es möchte (für teures Geld)
 und so hinterliess eine Elektrofirma denn einen Raum ohne Strom.
Selbst hätte man es anders gelöst, nur mit Strom bin ich vorsichtig. 
Da gehe ich nicht ran!




Den triesten zubetonierten Hof von damals habe ich längst aufgehackt 
und mit Sträuchern begrünt. Kletterrosen an die Schuppenwand.
Am Boden kriecht jetzt Efeu, wächst Moos, zwischen Ritzen Akeleien 
und Kräuter, selbst ausgesamt.
Wenn wir draussen beim Essen sitzen, beobachten wir 
geschäftiges Insekten-und Schmetterlingstreiben.
Auch der Garten ist kein gepflegter Rasen, sondern eher Wildblumenparadies
 und angepflanzte Stauden und Buddleia tun ihr Übriges dazu.
Eine Oase voller Leben.

Die Katze, halbverhungert im eisigen Winter, bat um Asyl. 
Ist nun ein schönes gepflegtes schwarzes Tier (schläft grad nebenan auf dem Bett).
Allerdings sind die Gartenvögel seither vorsichtiger geworden...

Der Gefährte wohnt separat mit seinen Büchern, 
aber wir sehen uns fast jeden Tag. Essen zusammen. 
Sofern wir nicht gerade unsere Frei-Räume brauchen. Die lassen wir uns.

Susanne fragte nach Einsamkeit - ein mir gänzlich unbekanntes Gefühl!
Alleinsein, selbst gewählt, kann etwas Wunderbares sein.
Isolation, zwangsweise - ist ein anders Gefühl. 
Wenn jegl. sozialen Strukturen und Kontakte fehlen. 
Aus verschiedenem Grund.

Autismus ist und bleibt eine Behinderung. Die man nur nicht so gleich sieht.
Trotz der einem ein ganz normales Leben abverlangt wird.
Rausgehen und durchziehen, all die Situationen, die für andere Menschen selbstverständlich sind. Klippen irgendwie umschiffen, sich vorher wappnen und alles überlegen, was einem begegnen könnte. Läuft es dann anders, steht man hilflos da und es fehlt der Souffleur.
Ticks und neurologische Auffälligkeiten immer zu verbergen ist anstrengend.
 Mit zunehmendem Alter immer mehr.
Heimkommen aus dem viel zu lauten Draussen und die Haustür hinter mir 
zumachen ist wie wenn der Vorhang fällt.
Zusammenbruch für die Tänzerin, die ihre Rolle gut getanzt hat,
 letzte Reserven aufgebraucht.
Endlich daheim!

Schön wohnen ist so ziemlich der einzige Luxus, den es in meinem Leben gibt.
Ganz viel anderes, normaler Lebenstil, Mobilität, Kultur , Ausflüge etc... fallen weg.
Treffen mit anderen Bloggerinnen, Workshops, gemeinsames Kreativ-Sein. 
Dinge, von denen ich so oft lese.
Wird es nie geben (können) für ich.

Dafür habe ich wenigstens das Haus.
Kartause.
Raum, mich selbst wieder zu sammeln und zu motivieren. 
Zu lesen und neues zu lernen.
 Input, immer ganz alleine und ganz von selbst gesucht.
Anders ist es eben nicht.

Endlich wird Frühling. Dann ruft mich der Garten...







Kommentare:

  1. Hallo Mascha,
    das hast Du schön beschrieben das Leben, Eure Wohnsituation und wie ihr so lebt und es freut mich sehr, das die Katze Asyl gefunden hat - sie wusste bestimmt wo sie fragen sollte!
    Gestern habe ich bei Kerki Deinen Buchtipp vorgestellt (Die Schönen der Nacht) und da wollte ich doch mal bei Dir vorbeischauen und sehen wie es Dir geht ... und nun habe ich so schönes gelesen,
    liebe Grüße
    Kirsi
    Heute ist es hier auch schon Frühling - einfach herrlich draußen die Wäsche aufzuhängen - endlich ...

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  2. Durch meinen Kopf singt es einen alten Titel der Kölner Bläck Föös "In minger Bud".
    Der hat sich beim Lesen deines Posts eingeschlichen, spiegelt er das Gefühl wieder, das mich ergriffen hat.
    Ein Schneckenhaus, ein Schönes, kann ich da nur sagen. Gut, dass du es gefunden und geschultert hast. Ein Refugium...
    Danke fürs Vorstellen!
    Astrid
    Das Lied findest du hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=pHa8soTcmII

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  3. Your home is so beautiful and sweet, full of love and old world elegance and whimsy! It's my favorite kind of homes.

    Happy International Women's Day!
    С Международным Женским днем, Маша! <3

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  4. Liebe Mascha,
    und wieder möchte ich Dir danke sagen, für so viel Ehrlichkeit. Ich freue mich sehr mit Dir, dass Du ein Nest gefunden hast, in welchem Du Dich sicher und geborgen weißt. Und dann hast Du es auch gleich geteilt mit einer halb verhungerten Katze, und auch ihr ein Heim gegeben. Das passt zu Dir und ist ganz wunderbar!
    Wirst Du uns auch Bilder von Deinem Garten, von Deinem Wildblumenparadies zeigen? Das ist doch mein ganz großes Hobby...Ich liebe solche verwunschenen Gärten, in denen die Natur nicht so eingezwängt ist, in rein menschliche Vorstellungen.
    Jetzt sollen ja mildere Temperaturen Einzug halten. Dann ist der Frühling vielleicht nicht mehr weit...

    Dir alles Liebe

    Heidi

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  5. Wenn ich diese Bilder von den renovierten Räumen sehe, dann ist es schwer vorstellbar, wie es dort wohl vor fast 20 Jahren aussah.
    Aber da wir vor über 20 Jahren ja auch ein nur teilweise saniertes Haus übernommen hatten, wo damals und jetzt schon wieder der Zahn der Zeit nagt, ahne ich wie viel Kraft, Mühe und auch Budget es erfordert hat Deine kleine feine Idylle zu schaffen und auch zu erhalten …
    LG Silke

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  6. I dont understand all you write but i LOve you photos ...

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  7. Hallo Mascha,
    ich habe mein Blog lange vernachlässigt und im Zuge damit auch viele liebe Blogbekannte nicht besucht. Habe doch wieder begonnen einges zu schreiben und auch zu lesen und sehe nun mit Freude, daß du von deinem Heim berichtest und von deinem Leben. Seit ich blogge, wieviel Jahre sinds? habe ich Kontakt zu einer Bloggerin mit einem autistischen Jungen, ehrlich und offen beschreibt sie die Höhen und die Tiefen und ich bin dadurch ganz gut angeschlossen. Jetzt wird er ein junger Mann und ich kenne ihn nun schon seit Kindertagen. Einfach ein toller Mensch. Wunderbar meisterst du dein Leben in deinem heimeligen Haus. Heute auf den Tag sind es dreißig Jahre, daß wir uns von Thüringen auf den Weg in die Uckermark gemacht haben. Ein Häuschen gekauft mit Garten und noch keinen Tag bereut. Ach bei uns hat sich eine Katze nach der anderen eingebettelt. Ohne sie kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen. Nun würde ich mich freuen, wenn du mich auch wieder besuchst. Habe heute die wunderschönen Kraniche auf den Feldern gezeigt. Ganz liebe Grüße lasse ich hier.

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    1. Liebe Brigitte, danke für Deinen Besuch und: es freut mich, wieder von Dir zu lesen. Deinen Blog hab ich immer noch in meiner Lieblingsblog-Liste rechts, nur besuchen kann ich ihn leider nicht, da kommt immer die Meldung, er stünde nur geladenen Gästen zur Ansicht. Und irgendwie anschreiben kann ich Dich offenbar auch nicht, kann jetzt nur hoffen, Du kommst nochmal hier vorbei und liest das. Sonst wäre ich nämlich längst wieder bei Dir gewesen.
      Evtl. ist da auch einfach nur eine Einstellung unabsichtlich verstellt worden (?)
      Liebe Grüsze
      Mascha

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  8. Hello Masha,
    I read this post with great interest. It is a marvellous thing to have your home as a sanctuary. I also was very pleased that you rescued this poor cat who now is a very happy cat. We are each different in our own way and who is to say what is normal?

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  9. Es liest sich wie ein Gedicht .. dein Post und dein zuHause.
    Ich lese das hier sicher noch mehrmals. Wunderschöner Beitrag. Ich danke dir von Herzen!

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  10. Es ist ein wunderbares Haus, auf das Du sehr, sehr stolz sein kannst! Du meisterst alles perfekt auch darauf kannst Du noch mehr stolz sein! Danke für die Einblicke in Dein Leben und Deinen Alttag!
    Liebe Grüße
    Susi

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