Donnerstag, 5. Juli 2018

Ein Bär auf Reisen



Hi,
ich bin ein Bär, der mit einem Menschen zusammen lebt.
Wir wohnen in einer gemütlichen Höhle ganz oben in einem dieser viereckigen
 Kästen, die sich die Menschen bauen.
Es gibt einfach viel mehr Menschen als Höhlen in den Bergen und da haben sie 
das Problem so gelöst. - Ganz schön clever!

Unsere gemeinsame Höhle ist ziemlich klein und voller toller Bücher.
Mein Mensch weisz übrigens gar nicht, dasz ich auch lesen kann.
Aber wenn er nicht da ist, hole ich mir immer ein interessantes Buch 
aus dem Regal und bilde mich weiter.
Ich weisz schon sehr viel über die Rituale der Menschen - sie nennen sie auch Liturgien - und über ganz verschiedene Religionen und Gruppierungen auf der ganzen Welt.
Das ist spannend, aber manches verstehe ich auch nicht. Warum sie sich bekämpfen und töten deshalb und jeder meint, nur sein Weg wäre der Richtige.
Wir Bären suchen uns unsere Pfade und sehen zu, 
uns nicht ins Gehege zu kommen dabei.

Naja, ich bin ein Einzelbär und ziemlich faul. Ich sitze meist nur in der Höhle rum.
Und deswegen kam neulich die Frau auf die Idee, ich sollte mal verreisen.
Sie hat mir einfach mitgenommen, weg von meinem Menschen.
Weil sie meint, er hätte grade ein paar andre Sorgen und braucht gerade
mehr Platz in der Höhle als sonst
Einverstanden, bin ich also mitgekommen!

Die Fahrt war ziemlich schlimm: ich wurde in einen viel zu kleinen Fahrradkorb gestopft und bekam einen Strick um den Bauch.
Dann ging es los, in glühender Hitze durch viele laute Straszen mit brummenden Autos, ganz dicht an uns vorbei. Ich weisz nicht, ob ich vor Hitze oder vor Angst 
mehr geschwitzt habe in meinem Pelz.
Der Strick erwies sich aber als praktisch, so konnte ich nicht runterfallen, 
das wäre wirklich eine Katastrophe gewesen!
Wenn sie mich nun verloren hätte.. - nie wieder wäre ich zurück 
zu meinem Menschen gekommen!

Endlich am Ziel, hat sie den unbequemen Strick dann auch gleich abgemacht und mich ins Haus getragen - ich war nur noch ein Häufchen Elend.
Sie meint aber, es wäre für sie auch ganz schlimm, dieser Autolärm und die sengende Sonne, Baustellen und gesperrte Straszen. Aber sie musz sich irgendwie fortbewegen. 
Flügel hat sie keine, da sind zwei Räder schon ganz gut.

Ich war jedenfalls so k.o., dasz ich mich erstmal hingelegt habe.
Einfach auf den Teppich.
Mein Mensch schläft auch auf dem Boden und die Frau ebenfalls, 
das hab ich inzwischen gesehn.


Als ich so dalag... kam ein kleines schwarzes Tier herein mit spitzen Ohren. 
Das ging ängstlich seitwärts um mich herum, dann hat es die Pfote ausgestreckt und mich ganz vorsichtig angestubst. Immer gewärtig, gleich wegspringen zu müssen.
Ich hab mich aber nicht gerührt, da hat es bissel gefaucht und an mir geschnuppert, dann ist es wieder gegangen.
Und ich hab soo schön geschlafen die ganze Nacht!

*

Am Morgen gab es in der Küche Maisgriesz mit Aprikosenstückchen
 und Gojibeeren, das war lecker!
Es war noch sehr früh und ziemlich wenig Licht, da ging noch kein Foto.
Die Frau steht immer früh auf und wenn nicht, wird sie von dem schwarzen Tier geweckt.
Das will immer Rinderherz zum Frühstück.
Kriegt es auch. Nur kann es scheinbar nie genug bekommen...


Nach dem Frühstück habe ich mich dann in die Bibliothek gesetzt und Haikus gelesen.
Menschen sind schon kluge Wesen und was die sich alles Schönes ausdenken!
Ich musz das noch genauer untersuchen, denn ich möchte einmal lernen, 
Bären-Haikus zu schreiben. - Ob ich das kann?

Die Frau ist weggegangen, zur Tafel,  Futter jagen.
Diesmal hatte sie Glück, aber es gelingt nicht immer, sagt sie.
Naja, uns Bären auch nicht, warum sollte es Menschen besser gehn?


Zum Mittag hat sie die mitgebrachten Pilze in Sahnesosze gemacht, ganz lecker.



Mein Mensch ist übrigens jetzt auch verreist, mit den Bahn, weit weg.
Und so durfte ich auf seinem Stuhl sitzen und ich muszte ihn sozusagen vertreten.
War ein schönes Mittagsmahl und hinterher gab es noch einen 
riesigen Pudding, ich hab ihn kaum geschafft!
Aber man kann die Beute von der Tafel nicht sehr lange aufheben.
Und das musz ja auch nicht sein, finde ich!



Nach dem Essen war ich so träge, dasz ich mich im Garten in den Faulenzer gelegt habe.
Ich habe von Zebedäus Bär gelesen, das ist ein cooler Typ,
 der gefällt mir (und ich wünschte, ich könne auch Zevbedäus heiszen).
Dann bin ich wieder eingeschlafen. 


Das schwarze Tier kam vorbei und fauchte, das wäre sein Platz.
 Aber nein, ich hab mich nicht vom Fleck gerührt. 
Schlieszlich bin ich viel gröszer.
Da hat es sich ins Gebüsch verzogen...



Ich habe einen richtig schönen Tag gehabt.
Sommerfrische nennen Menschen sowas.
Und ich hoffe, mein Mensch kommt bald zurück und er liest das hier.
Damit er nicht so traurig ist, dasz ich weg bin von ihm.
Ich komme ja wieder.
Aber bis dahin lasse ich es mir hier gut gehn.

Gute Nacht :)

Kommentare:

  1. :-) ( Vor allem, wenn man den Hintergrund der Geschichte kennt... Ich melde mich noch...)
    GLG
    Astrid

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  2. ...what a big jolly fellow.

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