Mittwoch, 18. Juli 2018

Tzaziki-Smoothie, Gedanken und Träume




Heute hat uns unsere Ferienmutter Zaziki-Smoothie gemacht.
Hat sich sich gerade so einfallen lassen,
wie sie ja immer etwas macht aus dem, was zufällig da ist.
Ist ganz einfach:

1 Salatgurke
250ml Joghurt
etwas Wasser
drei Knoblauchzehnen
eine Handvoll Walnüsse
halber TL. Zucker
etwas Salz und Pfeffer
im Mixer pürieren.
Fertig ist der herzhafte Sommerdrink.
Für Menschen und für Bären.

Aber eigentl. wollten wir erzählen, woher sie die Gurke hat.
Ist eine lange Geschichte.

Sie geht ja regelmäszig zur Tafel, Futter jagen.
Aber Spasz macht ihr das schon lange nicht mehr.
Früher war es mal ein schöner Treffpunkt und manche Leute kamen 
vor allem wegen der Sozialkontakte.
Inzwischen sind von den Leuten nicht mehr viele da oder sie haben sich sehr verändert.
Die Stimmung ist immer miszgünstiger und aggressiver geworden dort.
Da sind einmal die Spätaussiedler, die die Deutschen als Asoziale betrachten 
und nichts mit ihnen zu tun haben wollen.
Haben sie der Frau selbst mal ins Gesicht gesagt bei einer Versammlung,
 die eigentlich Probleme lösen sollte:
"Wir sind ordentlich, arbeitsam und fleiszig und damit haben wir alle Hilfe verdient. Während ihr Deutschen ja offensichtlich nicht in der Lage seid, 
euer Leben in den Griff zu bekommen."
Kann man nichts mehr dazu sagen, die Frau hat nur geheult und ist weggegangen.
Ist schon länger her.

Inzwischen mag sie aber auch sonst nicht mehr dort sein: das Gemotze der AFD-Wähler (die nicht so weit denken können um zu begreifen, dasz sie selbst als erste "dran" sind, wenn solche Populisten an die Regierung kämen - ) geht ihr auf die Nerven und all der Neid und eine sehr unangenehme Frau schrakelt und schamputert ununterbrochen,
 dasz die Wände wackeln.
"Karamellendame" nennt sie der Mann.

Das alles ist auf Dauer nicht gerade erhebend.

Ja dieser ganze Kleinkrieg, die Wichtigtuerei der Türsteherin
und das ständige Nachweisen-Müssen der eigenen Bedürftigkeit.
Berechtigunsausweis beantragen, regelmäszig verlängern lassen...
Kontoauszüge abgeheftet beim Amt. Da gibt es keinen Datenschutz und so.
Diese ganze Armutsmaschinerie eben.
Von der man langsam aber sicher zermalmt wird.
Es kotzt sie schon lange nur noch an und manchmal geht sie nicht hin.
Aber wir wollen ja auch satt werden -


Tja, und nun haben einige Studenten eine Foodsharing-Gruppe gegründet,
denn sie wollen nicht, dasz so viel weggeworfen wird und verschwendet.
Sie wollen miteinander teilen und anders leben.
Naja, die kommen aus gröszeren Städten, da gibt es dafür weit mehr Akzeptanz.
Und da stellen schon viele auch einfach Lebensmittel vor die Tür oder Restaurants lassen abholen, was übrig bleibt.
So läuft das in Kleinstädten niemals, aber sie wollen es versuchen.

Unsere Menschen sind neulich hingegangen zum Treffen und nun dürfen sie auch dabei sein und versuchen, Lebensmittel zu retten und miteinander zu teilen.
Die Frau hat schon Beeren aus dem Garten abgegeben.
Und die Studenten haben drei Stellen gefunden,
 wo sie aller 2 Wochen einmal nachfragen dürfen.
Das ist nicht viel, aber für diese Stadt schon beachtlich.
Der Bioladen in der Innenstadt ist klein, da bleibt nicht viel übrig.
Der Biomarkt weiter drauszen ist schon gröszer 
und da war die Frau neulich beim Abhol-Termin.
Aber sie hat nichts bekommen und hatte den Eindruck, dasz der Chef sowas eigentlich nicht gut findet und der Meinung ist, jeder solle gefälligst einkaufen kommen bei ihm und nicht schnorren. Denn auch die anderen Male hatte er es meist vergessen oder er konnte die Sachen 

grade nicht finden, als die Studenten kamen.
Er kann nur zu einer grün-alternativen Initiative nicht einfach so NEIN sagen,

wenn er selbst sich ökologisch nennt.
Jedenfalls, da geht die Frau nicht nochmal hin, die Athmosphäre dort war nicht gut.

Diesen Montag war die Frau bei dem einzigen gröszeren Markt, der mitmacht.
Mit dem Fahrrad. Denn sie ist ja einiges gewöhnt in Sachen Dinge zu transportieren.
Dachte sie.
Aber dann stand sie ziemlich bedeppert vor einem Stapel Obst-und Gemüsekisten
und hat dann gefühlte 30 kilo aufs Fahrrad geladen.
Konnte es kaum halten und in der Gluthitze den weiten Weg schieben.
Erst nach hause, etwas ausruhn und dann weiter zur Hochschule rauf.
Aber dafür hat es sich auch wirklich gelohnt und die Sachen
waren längst nicht so angegammelt, wie sonst bei der Tafel.
Da gab es Montag leckere Pilzpfanne für uns und Dienstag grüne-Bohnen-Eintopf.
Die Kirschen haben sie als Verpflegung mit ins Schwimmbad genommen...

Die Frau meint, es war zwar sehr anstrengend, aber irgendwie ein viel besseres,

 selbstbestimmtes Gefühl. Kein Almosenempfänger zu sein,
 sondern Gemüse-Retter sozusagen.
Und die Studenten sind alle sehr nett und ganz anders drauf als die Besucher der Tafel.
Da haben sich unsere Menschen wohl gefühlt, 
so ziemlich zum ersten Mal hier irgendwo, in dieser Stadt.
Auch wenn alle viel jünger sind.

Und eigentlich hätten unsere Menschen beide Lust, selbst noch zu studieren.
Der Mann hat ja bereits promoviert, aber die Frau konnte nie studieren.
Ja das ist so ein Traum, der unerfüllt bleiben wird wie so viele andere auch.
Und leider hat die örtliche HS hier auch keine für sie interessanten Fächer.
Da müszte sie fort in eine andere Stadt und das schafft sie niemals alleine.
Wo sie doch noch nicht einmal nach dem Weg fragen könnte - - -

Und es geht auch gar nicht in ihrem Status der Erwerbsunfähigkeit.
Und all diese anderen Armuts-und Abhängigkeitsgesetze sprechen auch voll dagegen.
 Das ist nicht vorgesehen in unserem Land.
Entweder ein Rentner kann das alles selbst finanzieren,
 dann geht das in jedem Alter, aber nicht so.
Für die beiden.

Aber zumindest ist dort in der HS eine wesentlich angenehmere Stimmung
und vielleicht können sie sich ein wenig dort integrieren.
Was ja in dieser Stadt, die nur zum Ersticken gut ist, sonst nirgends geht.
Und die Frau hofft, dasz das mit dem Foodsharing auf längere Sicht
noch besser funktionieren wird und eine Alternative zur Tafel sein könnte.
Ein Anfang ist gemacht.
Und heute hatten wir zum Mittag noch den Salat und die Gurke. Hmmm.

Kommentare:

  1. Das ist ja mal wieder ein sehr aufschlussreicher Einblick...Was macht die menschen nur so unglücklich, dass sie so garstig schubladisieren und verurteilen?
    LG
    Astrid

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  2. ...politically the world is going crazy!

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  3. Genau, Astrid sagt es,
    was um Himmelswillen ist los mit den Menschen.
    Woher dieser Neid, dieser Hass, diese Überheblichkeit !
    Ich kann es immer nicht fassen, wenn ich davon lese.
    Irgendwas läuft da gehörig schief.
    Und man fühlt sich da so machtlos.
    Um so mehr bewundere ich die Menschen, wie diese Studenten, die sich aufraffen und so eine Food-Sharing-Gruppe auf die Beine stellen.
    Auch im Fernsehen gab es da kürzlich einen Bericht darüber.
    Meine Hochachtung vor soviel Engagement !
    Ich wünsche dir, dass es bergauf damit geht und du dich vielleicht sogar ein wenig darin integrieren kannst.
    Den der Bericht über die "Tafel " spottet wirklich jeder Beschreibung.
    Auch darüber habe ich im TV schon hört.
    Da liegt viele im Argen.
    Nicht überall, aber es kommt schon oft vor, dass es da nicht wirklich gut zugeht.
    Vielleicht sollte man da mal die Presse einschalten.
    Liebe Mascha ,
    lass es dir trotzdem gut gehen und lass dich nicht unterkriegen.
    Sei lieb gegrüßt von
    Jutta

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    Antworten
    1. Liebe Jutta, die Presse halte ich für keine gute Idee. Besonders in einer Stadt, wo es einige Politiker gibt, die die Tafel am liebsten ganz abschaffen würden, das wäre nur ein Argument dafür. Und: wer nur einmal dort hinkommt, dem fällt es auch nicht weiter auf, die Veränderung, die über einen längeren Zeitraum stattgefunden hat. Analog zur Entwicklung in der Gesellschaft.
      Ich kann mir sogar vorstellen, dasz es in gröszeren Städten noch rauer zugeht.
      Und die ehrenamtl. Helfer hier tun schon wirklich alles, die Situation zu entschärfen, Drängelei, die früher ganz schlimm war, wurde z.B. durch ein Nummern-System gut eingedämmt. Dasz einem trotzdem noch jemand was aus der Hand reiszt oder wieder aus der Tasche nimmt - das ist halt nicht ganz zu vermeiden.
      Und ich wollte weniger die Tafel anklagen, als meine zunehmende Unlust darüber äuszern, da Jahr um Jahr immer wieder hingehen (zu müssen) und mich selbst davon runterziehen zu lassen. Denn genau das tut es. Und da wäre ich froh, eine autarkere Versorgungsmöglichkeit finden zu können, auf längere Sicht.
      LG Mascha

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  4. Liebe Mascha,
    es ist schon traurig, dass man es nicht schafft, Bedürftigen mit Respekt und Anstand zu begegnen, als ob diese Menschen sich ihre Situation ausgesucht hätten.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Restwoche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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