Mittwoch, 16. Juni 2010

Der Maler Pirosmani. Und ein Buchtip

Песенка о художнике Пиросмани

Что происходит с нами,
когда мы смотрим сны?
Художник Пиросмани
выходит из стены,

из рамок примитивных,
из всякой суеты
и продает картины
за порцию еды.

Худы его колени
и насторожен взгляд,
но сытые олени
с клартин его глядят,

красотка Маргарита
в траве густой лежит,
а грудь её открыта -
там родинка дрожит.

И вся земля ликует,
пирует и поёт,
и ох её рисует
и Маргариту ждёт.

Он жизнь любил не скупо,
как видно по всему...
Но не хватило супа
на всей земле ему.

(1964)

Was erleben wir, wenn wir träumen? – Der Maler Pirosmani tritt aus der Wand hervor, aus primitiven Bilderrahmen, aus des Tages Unrast, und verkauft seine Gemälde für eine Essenportion. Dürr sind seine Knie, die Augen verstört, doch von seinen Bildern blicken satte Hirsche, die schöne Margarita liegt in dichtem Gras, ihre Brust ist frei, darauf zittert ein Muttermal. Die ganze Erde jubelt, tafelt und singt, aber er malt sie und wartet, dass Margarita zu ihm kommt. – Hingebungsvoll hat er das Leben geliebt, das ist offenkundig. Doch für ihn hatte diese Welt nicht mal genug Suppe.

Aus „Romanze vom Arbat. Bulat Okudshawa. Lieder. Gedichte.“ Verlag Volk und Welt. Berlin 1985



Der Maler Niko Pirosmani (auch: Pirosmanischwili oder Pirosman) und seine Margarita werden erwähnt im „Buch der Wanderungen“ von Konstantin Paustowski (Kapitel „Gewöhnliches Wachstuch“).
Die persönlichen Erinnerungsbücher von Konstantin Paustowski sind eine Zeitreise in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und ein einmaliges Kulturdokument. Wer sich etwas für Kunst und Literatur der frühen Sowjetunion interessiert, wird hier auf ganz viele Namen stoszen. Das ist anschaulicher als jedes Nachschlagewerk. Aber auch wer sich nicht dafür interessiert: der grosze Meister der Erzählkunst vermag den Leser zu entführen in eine vergangene Welt, so dasz man wahrhaft dabei ist und sogar riechen kann. Sein „Buch der Wanderungen“ ist für mich fast das schönste, was es in der Literatur des 20. Jahrhunderts gibt. Eine magische Reise… eine „Urlaubslektüre für Daheimgebliebene“. - Das ist Reisen im Kopf!
Intensiver als eine teure Touristenreise je sein könnte. In eine Welt, die sonst nicht mehr erfahrbar ist.
Und dieses alte, heute kaum noch bekannte Buch ist mal ein Gegenstück zu amerikanischen Bestsellern!

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